Genthin l „Man lernt viel aus diesen alten Schriften“, erläuterte Eugen Gliege, als er kürzlich in der Buchhandlung Schreiber in Genthin zu Gast war. „Sie sind eine wahre Fundgrube für Geschichtsinteressierte.“

Heimatkunde der Jerichower Kreise

Ihm sei es ein Anliegen, dass alte Werke erhalten werden. Aus diesem Grund hat Gliege im Selbstverlag die Werke „Heimatkunde der Kreise Jerichow I+II für Schule und Haus“ in vier Bänden neu aufgelegt. Gliege hat Veröffentlichungen von W. Schmidt, einem Lehrer in Ferchel, aus dem Jahr 1894 in eine neue Form gebracht.

„Die alten Bände sind nur noch antiquarisch zu beziehen und oft sehr teuer“, erläutert der Rathenower. „Sie finden die Bücher sonst nur noch im Antiquariat oder in der Bibliothek oft in keinem guten Zustand.“ Der Zahn der Zeit, sprich Säurefraß, setze den Originalexemplaren zu. „Den damaligen Wissenstand, möglicherweise auch einige nicht mehr bekannte Beschreibungen, möchte ich auf diesem Weg einer neuen Generation von Lesern zugänglich machen.“

Einblick in die Geschichte

Im ersten Teil der Schriftenreihe gibt es, angereichert von Karten der damaligen Kreise Jerichow I und II, eine allgemeine Abhandlung über die Heimatkunde. So beschäftigt sich Autor Schmidt etwa mit der Frage, was Heimat eigentlich sei, um seine Region danach genauer vorzustellen. Einen umfassenderen Einblick in die Geschichte der Kreise bieten die Bände zwei (Der Kreis Jerichow I) und drei (Der Kreis Jerichow II).

Der vierte Band, der im Juni erschienen ist, steht unter dem Titel „Natürliche Beschaffenheit“. Nach dem Blick in die neu aufgelegten Bücher stellten einige Besucher fest: „Das ist nicht leicht zu lesen.“ Denn die Bände sind wie einst in Frakturschrift gedruckt.

Ursprungliche Anmutung bewahrt

„Damit wird die ursprüngliche Anmutung der Bände bewahrt“, erläuterte Gliege, der den Hinweis gab, dass es im Internet Vorlagen gäbe, mit denen die Frakturschrift in unsere heute gebräuchliche lateinische Schrift übersetzt werde. Unterstützt wurde Gliege bei der Überarbeitung der bände erneut vom Genthiner Heimatforscher Dieter Rohr. Er steuerte unter anderem historische Postkarten bei, die nun die Umschlagseiten der Bücher zieren.

„In Genthin gibt es noch weitere Postkartensammler, wie Hartmut Rodius, die immer wieder historische Karten zur Verfügung stellen.“ Diese seien oft auf beiden Seiten beschrieben, da auf der Bildseite der Platz für den handschriftlichen Gruß vorgesehen war und auf der Rückseite die Adresse eingetragen wurde. „Die Schrift entferne ich am Computer, damit es keine Probleme mit dem Datenschutz gibt.“

Heimatkalender 1913

Einen weiteren Einblick in die Zeit von vor über 100 Jahren verschafft Eugen Gliege mit dem wieder aufgelegten „Heimatkalender für das Land Jerichow“ aus dem Jahr 1913. Die Reihe der Heimatkalender solle mit den Jahren 1914 und 1915 in Etappen fortgesetzt werden.

„Auch hier hat mir Dieter Rohr geholfen und mir die Originalexemplare zur Verfügung gestellt. Unter anderem findet sich darin eine Abhandlung über die „Franzosenzeit im Lande Jerichow“ von Pastor Bodo Pauls.

Heiterer Text

Gliege stellte einen heiteren Text aus dem Kalender von 1913 vor. In diesem meldet sich ein Vagabund bei einer wohlhabenden Dame, um sich für die Spende einer Weste zu bedanken. In dieser habe er 100 Mark gefunden. „Jetzt wollen Sie das Geld zurückgeben?“, fragt die Frau erwartungsvoll. Doch der Vagabund erwidert: „Das nicht, aber ich möchte fragen, ob Sie noch so eine Weste haben.“

Eine Überraschung hatte Eugen Gliege am Ende noch für die Zuhörer. Als kleine Beigabe bewies er sein Geschick als Sänger und präsentierte Verse, die ihm als Unruheständler bei Spaziergängen mit seinem Hund einfallen. Die Bücher zur Heimatkunde sind wie auch der Heimatkalender bei Eugen Gliege oder in der Buchhandlung Schreiber in Genthin erhältlich.