Genthin l Nach Starkregen ist die Situation im Gewerbegebiet Nord dramatisch. Immer wieder stehen Firmen unter Wasser. „Nach dem Regen am 2. August 2018 hatten wir 20 Zentimeter Wasser in unseren Räumen“, berichtete Peter Ewert in der Einwohnerfragestunde des jüngsten Bau- ausschusses.

Handlungsbedarf groß

Der Inhaber der Altenplathower Objekt-Einrichtung in der Straße Am Legefeld, verwies auf massive Schäden mit denen sein Unternehmen zu kämpfen gehabt habe. Ohne die schnelle Regulierung durch die Versicherung hätte seine Firma es nicht geschafft, meinte Ewert. „Noch so einen Schaden würden wir nicht überstehen“, machte er deutlich.

Der Handlungsbedarf ist groß. Die Stadt hat ihre Aktivitäten in Sachen Regenwasserkanal im Gewerbegebiet Nord seit dem vergangenen Jahr verstärkt. Der Bauausschuss bewilligte ohne längere Diskussion 400.000 Euro zusätzlich aus der Investitionspauschale 2019, um Planung und Bau einer neuen Regenentwässerung relativ kurzfristig umzusetzen.

Grundlagen haben sich geändert

„Wir wollen die Maßnahme umgehend fortführen“, versicherte Bau-Fachbereichsleiterin Dagmar Turian im Ausschuss. Konkret solle die wasserrechtliche Genehmigung abgewartet werden, um zeitnah mit der Ausschreibung zu beginnen. Im Frühjahr 2020 solle, sofern alles klappt, der Bauauftrag vergeben werden.

Grundproblem des Entwässerungskanals sei, dass er Anfang der 1990er Jahre nach anderen Regularien als sie heute gelten, gebaut wurde, erläuterten Vertreter des von der Stadtverwaltung beauftragten Planungsbüros Muting aus Magdeburg.

Das Geländegefälle ist ungünstig, um das Regenwasser in den Elbe-Havel-Kanal einleiten zu können. Zudem hätten die Starkregenfälle zugenommen, das Grundwasser sei in diesem Bereich angestiegen, und heute werde weniger Trinkwasser entnommen. Damit verbleibe ständig zu viel Wasser im Regenwasserkanal, der zusätzlichen Niederschlag nicht mehr aufnehmen kann. Mit den Bauarbeiten soll die Wasserführung zwischen den Leitungen und dem Regenwasserrückhaltebecken entkoppelt werden.

Pumpwerk in Planung

An der Schnittstelle zum Einlauf in das Rückhaltebecken soll eine Hebeanlage inklusive Pumpwerk gebaut werden, die gleichzeitig mit einer Rückstauklappe versehen wird. Damit soll das Regenwasser aus den Leitungen nicht wieder dahin zurückfließen und auch ein Rückstau aus Richtung Rückhaltebecken vermieden werden. Insgesamt sollen die Regenentwässerungskanäle leergepumpt werden, um in einem leeren Kanal Auffangkapazität für größere Niederschlagsmengen zu haben.

Zudem sollen Teile des Regenwasserkanals am Legefeld verändert werden, das heißt ,Rohe vergrößert und zu einem Ringschluss gebracht werden. Eine weitere Entlastung soll eine zusätzliche Bypassleitung von der Fritz–Henkel-Straße in Richtung Entwässerungsgraben, der hinter dem Rückhaltebecken als Vorfluter in den Elbe–Havel-Kanal dient, schaffen.

Allerdings machte Jan Göppel, Chef des Planungsbüros, auch deutlich: „Das ist keine Garantie dafür, dass es nie wieder zu Überschwemmungen kommt. Wenn es etwa zwei Wochen durchregnet, könnte das kein Kanalnetz auffangen.“