Roßdorf/Klietznick l In Klietznick war der Reformationstag für die großen Einwohner schon immer Anlass, sich bei heißem Apfelsaft, Glühwein und Bratwurst an der Feuerschale zu versammeln. „Wir wissen schon nicht mehr genau, wann wir damit angefangen haben“, erzählt Jana Kaminski. Für die Klietznickerin sei der letzte Abend im Oktober ein passender Zeitpunkt, schon mal auf das zurückliegende Jahr zu blicken und dabei den ersten Glühwein auszuschenken.

Dorfgemeinschaft gefestigt

Wichtig sei die Dorfgemeinschaft, so Kaminski, auch „außerhalb der offiziellen Feierlichkeiten wie dem Heydebleckfest oder dem musikalischen Frühschoppen.“ Am Feuer zu stehen, miteinander zu plaudern und auf die Kinder warten, die von ihrem Zug durch den Jerichower Ortsteil wiederkommen, „ist etwas für das Herz und die Seele“, gerade jetzt, wenn die dunkle Jahreszeit beginne.

Für die Kinder des Ortes hatten die Anwohner allesamt ein paar Gummibären oder Schokoriegel im Fensterbrett. „So kann ich dem Umzug der kleinen Geister beruhigt entgegensehen“, schmunzelt das Klietznicker Urgestein Marita Dahme.

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Große Truppe zieht durch den Ort

Schön fand sie es, dass die Klietznicker Kinder nicht einzeln mit ihren Eltern kamen und klingelten. Da hatten sich die Mamas und Papas anders aufgestellt und zogen als große Truppe durch den Ort. Den Kindern gefiel es und die Eltern brauchten sich nicht zu sorgen, wo ihre Abkömmlinge bleiben: Solche „Gespenster-Wanderungen“ festigen schon in jungem Alter die zukünftige Dorfgemeinschaft, sind sich die Eltern sicher.

In Kostüme gehüllt und mit Lampions gewappnet ging lustig von Haus zu Haus und so mancher, der dieser Schar begegnete, bekam im ersten Moment Gänsehaut. Dementsprechend war die Ausbeute an Süßem groß. Später tobten die Kleinen noch auf dem Spielplatz, auf dem zuvor Karl-Heinz Dikef, Gerhard Drogmann und Heinz Cayler ein neues Klettergerüst errichtet hatten.

Lieber Süßes statt Saurem

In Roßdorf bereitet das gruselige Treiben den Kindern viel Spaß. Als Teufel, Skelette oder Geister verkleidet klingelten Mädchen und Jungen, aufgeteilt in kleinen Trupps an den Haustüren. Hier bekamen sie allerlei Süßes in die extra dafür bereitgehaltenen Taschen, bedankten sich und auf ging es zum Lehnshof. Dort organisierte das Team um Carsten Spitschan eine Halloween- Barbecue-Party.

Mit Gespenstern, funkelnden Leuchtern und Nebel wirkte der Hof schaurig schön. In einem Scheunenteil gestalteten die Mitarbeiter einen „Geistersaal“ mit Musik, Hexenpunsch und Spukgestalten. „Die junge Mannschaft vom Heimatverein hatte die Idee dazu“, sagt Hannelore Pilz, Ortbürgermeisterin von Roßdorf. Die Inhaber des Lehnshofes seien sofort damit einverstanden gewesen und schmückten das Gelände entsprechend aus, so Pilz.

Am Feuer plaudern

„Am Feuer zu stehen, miteinander zu plaudern und auf die Kinder zu warten, die von ihrem Streifzug wiederkommen, ist etwas für das Herz und die Seele, gerade jetzt, wenn die dunkle Jahreszeit beginnt“, fand Jana Kaminski.

„Es macht Spaß, sich zu verkleiden und dann auch noch Süßigkeiten zu bekommen“, sagen Finn, Travis, Arjen und Guido. Was für die Roßdorfer Halloween-Veranstaltung spricht: Selbst viele Genthiner zog es in den Jerichower Ortsteil, der für seine gemütlichen Feste bekannt ist.

Viele Gäste freuten sich über die Möglichkeit, sich mit den Spukgestalten fotografieren zu lassen und so ein Andenken an diese aufregende Veranstaltung zu erhalten.