Theaterstück

Gute und schlechte Seiten Luthers in Genthin

Wie aktuell ist Martin Luther heute noch und wie kann man sich dem Reformator nähern? Nur zwei Fragen, die die Theatergruppe „Eure Formation“ im Stück „Play Luther“ in Genthin aufwarf.

Von Mike Fleske 23.07.2021, 06:30
Till Florian Beyerbach und Lukas Ullrich im Stück "Play Luther" in der Genthiner Trinitatiskirche.
Till Florian Beyerbach und Lukas Ullrich im Stück "Play Luther" in der Genthiner Trinitatiskirche. Foto: Mike Fleske

Genthin - Es ist schon nicht einfach diesen Martin Luther (1483 - 1546) zu greifen. So ist er auf der einen Seite Begründer der allgemeinen deutschen Sprache, hat mit dem Anstoß zur Reformation die Kirche bis heute verändert und dafür gesorgt, dass die Bibel allgemein verständlich vorliegt. Aber dann waren da auch seine dunklen Abgründe, Hass gegen Moslems, sein Antisemitismus. All das bauten die Mitglieder des Theaters "Eure Formation" in ihr abwechslungsreiches Theaterstück „Play Luther“ ein und garnierten es mit Lutherliedern im Pop-, Jazz- oder Volksliedgewand und einer geschickten Symbolsprache.

„Warum bauen Sie die Holzdreiecke aneinander?“, wollten etwa Schüler in einer eigens für sie eingerichteten Aufführung wissen. „Das ist ganz einfach“, erklärten die beiden Darsteller Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach. „Wir sind in der Trinitatiskirche, das bedeutet Dreieinigkeit, Vater Sohn und heiliger Geist.“ Gott in drei Personen, ein Symbol für den Glauben und der Glaube habe Martin Luther ein Leben lang begleitet. So wurden die Dreiecke nach und nach zu einem Rund, das sich aus den Ereignissen aus Luthers Leben zusammensetzte.

Luther hat immer noch einen aktuellen Bezug

Das erfordere Aufmerksamkeit und brachte auch manchen Erkenntnisgewinn. „Die Auseinandersetzung zwischen Martin Luther und Thomas Müntzer kannte ich noch nicht", meinte die 14-jährige Frieda Gärtner. Für sie sei auch der Zusammenhang mit den Bauernaufständen neu gewesen. Spannend sei das Stück aber auf jeden Fall gewesen. Das gab es am Abend auch in einer öffentlichen Vorführung.

Für Ulrike Paul, Leiterin des Jugendhauses in Parey war das Stück durchaus für Jugendliche geeignet, auch das Ambiente der Kirche war durchaus angemessen. „In der Jugendarbeit haben wir mit dem Thema 'Reformation' oder 'Martin 'Luther' eher wenig zu tun, außer wenn es spezielle Projekte gibt, die sich damit beschäftigen.“ Dennoch könnten an Luther auch Dinge wie Islamfeindlichkeit oder Antisemitismus festgemacht werden. Das Stück habe hier auch den Wandel Luthers hin zu immer radikaleren Meinungen aufgezeigt.

Die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Silke Koerth-Bauer war beeindruckt, wie viele Aspekte zum Leben Martin Luthers herausgearbeitet worden waren. Dadurch zeigten sich viele Anknüpfungspunkte an die heutige Zeit. Pfarrerin Beate Eisert, die das Stück, über das Bundesprogramm „Demokratie leben“ finanziert, nach Genthin geholt hat, nennt ein aktuelles Beispiel. „Anfang des Jahres ist die neue Basisbibel erschienen, eine Ausgabe in der die biblische Geschichte so erzählt wird, wie man heute spricht, Martin Luther hat vor 500 Jahren die Bibel so übersetzt, wie die Menschen damals gesprochen haben. Eine neue Bibelausgabe in moderner Schrift stehe also durchaus im Geiste Luthers.

Bibelübersetzung in elf Wochen

Darsteller Till Florian Beyerbach sah Luther auch in Sachen Corona-Lockdown als Beispiel. „Wir haben als Schauspieler dieses Herunterfahren der Kultur besonders zu spüren bekommen und in einem solchen Moment stellt sich die Frage „Werde ich kreativ oder hänge ich rum?“ Martin Luther habe in seiner Zeit der Abgeschiedenheit auf der Wartburg die Bibel übersetzt - in elf Wochen. „Wenngleich auch mit vielen Übersetzungsfehlern.“

Ältere Besucher erinnerten daran, das Luther mit seiner Frau Katharina von Bora eine klassische Ehe geführt habe. „Es war schon etwas ketzerisches, er war Mönch, sie war Nonne.“ Später habe sie Luthers Haushalt geführt, sei aber aufgrund des großen Hauses fast eine Art Managerin des Hausstandes gewesen. Die fast versehentliche Spaltung der damaligen Kirche in protestantisch und katholisch war bei den Nachgesprächen weniger ein Thema. Heute sei man sich wieder näher, gerade in einer kleinen Stadt wie Genthin.