Schopsdorf l Der „Jerichower Land Hof“ ist in Feierlaune und lässt daran auch die Jüngsten des Dorfes teilhaben.Aus gutem Grund. Denn welches Lokal, welche Gaststätte in der Region kann schon historisch gesichert wie der „Jerichower Land Hof“ auf 300 Jahre Schankrecht zurückblicken. Nach einer Überlieferung einer Gerichtsverhandlung am 20. Februar 1788 kann sich Wirtin Franziska Richert ziemlich sicher sein, das dieses Jubiläum „dingfest“ sein dürfte.

Beginn liegt im Jahr 1788

Die Geschichte zum „300-Jährigen“ dürfte nun auch den Kindern, die im Schopsdorfer Jugendklub einen Teil ihrer Freizeit miteinander verbringen, geläufig sein. Denn Franziska Richert verband die Jubiläumsfeier mit einer kleinen Lektion in Sachen Heimatgeschichte, die sich für den Schopsdorfer Nachwuchs auch finanziell lohnte. Gleich zweimal eine 300-Euro -Spende für den Jugendklub - ein willkommener Geldsegen nicht frei von einer Symbolik.

Vermutlich kam es Maria Rosalie Neumann im Jahr 1788 bei einer Gerichtsverhandlung in Anwesenheit von Landrat von Arnim überhaupt nicht in den Sinn, dass ihre Geschichte Jahrhunderte später Schopsdorfer Kinder bei Kakao, Punsch und Waffeln andächtig lauschen würden. Obwohl sie keinen Stoff für Kinderbücher hergibt.

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Streit ums Bier

Der Krüger (Gastwirt) Neumann hatte seinerzeit zwei Einwohnern Bier und Brandwein weggenommen, den sie aus Ziesar mitgebracht hatten und nun in Schopsdorf trinken wollten. Der Wirt sah sich damit betrogen. Die ganze Sache zog Kreise und ein Gericht musste letztlich darüber entscheiden, ob die Wegnahme gerechtfertigt war oder nicht.

Bei der Gerichtsverhandlung rechtfertigte sich die Witwe des inzwischen verstorbenen Wirtes, Maria Rosalie Neumann , erfolgreich„ ... denn schließlich habe ich seit dem 18. November 1719 das Schankrecht.“

Die Obrigkeit ist nicht zu belästigen

Die dokumentierte Aussage der Wirtin gilt heute als Beleg, dass es seit dem 18. November 1719 ein Schankrecht in der heutigen Schopsdorfer Dorfstraße 8 gibt. Der Streit wurde geschlichtet, doch die Bürger sollen aufgefordert worden sein, die Obrigkeit mit solchen Nichtigkeiten nicht wieder zu belästigen.

Die „Obrigkeit“ ließ Franziska Richert allerdings am Montagabend so auch außen vor, als sie für die Kinder des Jugendklubs einen kleinen Jubläumsempfang gab. Sieht man einmal ab von Alexandra Adel, Fachbereichsleiterin Verwaltung/Bürgerservice, und Ortsvorsteher Nils Rosenthal, die auch geladen waren.

Ohne eine kleine Lektion in Sachen Heimatgeschichte ging die „interne Feierrunde“ dann doch nicht ab. Franziska Richert „tischte“ heiter plaudernd zum süßen Büfett auch die Geschichte der Maria Rosalie aus dem Jahr 1788 auf, die seinerzeit in Schopsdorf für allerhand Aufregung gesorgt haben dürfte.

Für jeden eine Urkunde

Die kleinen Gäste des Jerichower Land Hofes durften daran ein wenig teilhaben, indem sie historisch nachempfundene Schankurkunden auf ihren Namen ausstellen und sogar mit Siegel versehen konnten.

Mit diesen Urkunden erwarben sich die Kinder dann auch die Berechtigung, den symbolischen Scheck über 600 Euro in Empfang zu nehmen.

300 Euro kamen beim jüngsten Konzertabend mit dem Magdeburger Liedermacher Eddie Weimann im „Jerichower Land Hof“ zusammen, als der „Spendenhut“ unter den Gästen die Runde machte. Weitere 300 Euro zum 300. Schankjubiläum steuerte dann die Gastwirtsfamilie bei. Wie, zu welchem Zweck das Geld verwendet wird, steht dem Jugendklub zur freien Entscheidung. „Mal sehen, erst einmal freuen wir uns“, sagte Betreuerin Marina Wöhling.