Genthin l Genthin muss in Raten Abschied vom Henkel-Museum nehmen. Es ist ein Abschied mit Schmerzen. Die QSG, die das Henkel-Museum betreut, hatte das ehemalige Waschhaus im Dezember 2018 dichtgemacht. Vorübergehend, über die Wintermonate, hieß es. Um Betriebskosten zu sparen, wurde die Heizung eingestellt.

Exponate sollen keinen Schaden nehmen

Das sorgt sowohl im ehrenamtlichen als auch im kommunalpolitschen Genthin für Aufregung. Die Befürchtung steht im Raum, dass die Exponate Schaden nehmen und unwiederbringlich verloren gehen würden. Ausgesprochen wurde das sehr deutlich von Mitgliedern des Fördervereins Stadtgeschichte bei deren Jahreshauptversammlung. Sie gaben Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) mit auf den Weg, sich mit der QSG diesbezügliche ins Benehmen zu setzen, so dass der Raum wieder beheizt wird.

Der kam dieser Bitte auch in der vergangenen Woche nach und wandte sich an QSG-Geschäftsführer Lars Bonitz. Trotzdem bekam der Bürgermeister, der die Stadt Genthin als Gesellschafter bei der QSG vertritt, noch einmal den Unmut vor allem von Harry Czeke (Die Linke) bei der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Umweltausschusses zu spüren.

Keine räumlichen Alternativen

Mit dem Verkauf des Stadtkulturhauses befindet sich das Henkel-Museum auf dem Betriebsgelände der Inprotec, womit dessen Ende absehbar ist. Bisher steht noch eine zeitliche Nutzung des Objektes von ein bis zwei Jahren in Rede. Räumliche Alternativen, das machte die QSG klar, gibt es bisher nicht. Vor diesem Hintergrund sprach Czeke davon, dass jetzt nur noch eine „Schadensbegrenzung“ möglich sei. Doch auch darüber, wie die aussehen könnte, gibt es bislang keine Vorstellungen.

Ein Ausweich in den Wasserturm oder in das Bahnhofsgebäude, die Nutzung des Kreismuseums - nichts von dem ist derzeit spruchreif. Es wird im Nebel gestochert. Genthins Bürgermeister sprach vorsorglich von einer „fachgerechten Einlagerung der Exponate“ und regte deren Digitalisierung an. „Vielleicht könne man etwas retten, indem man jährlich gestaffelt Themenausstellungen erarbeite“, sagte Günther im Wirtschafts- und Umweltausschuss. Wer oder welcher Verein das übernehmen könnte, darauf ging der Bürgermeister nicht ein.

Industrielles Erbe mit Füßen getreten

Das alles verärgerte Harry Czeke. Die Schließung des Henkel-Museums sei eine „Schande für den Landkreis“. Damit werde das „industrielle Erbe der Stadt mit Füßen getreten“. „Um mich am offenen Sarg zwei Jahre zu verabschieden, dafür fehlt mir die Empathie“, sagte er in Anspielung an die möglicherweise noch verbleibende Öffnungszeit des Museums, in das erst aus Henkel-Mitteln in den Bau einer Rampe und in eine Sanierung der Kuppel investiert worden war.

Die QSG begründete die Schließung des Museums damit, dass ein wirtschaftliches Betreiben der Einrichtung nicht möglich sei. Jährliche Ausgaben in Höhe von 5000 Euro für Betriebs- und Personalkosten stünden Einnahmen in Höhe von 1000 Euro gegenüber.