Ferchland l Ziel der Untersuchungen war es festzustellen, ob in der barocken Dachkonstruktion der Ferchländer Kirche Teile des Dachstuhls des Vorgängerbaus verwendet wurden.

Teilerfolg, weil zu wenig Jahresringe

Die Bohrkerne wurden im Deutschen Archäologischen Institut in Berlin untersucht und für spätere, verbesserte Untersuchungen, eingelagert. „Das Ergebnis war leider nur ein Teilerfolg, was aber immer wieder vorkommt, wenn die zu untersuchenden Eichen zu dicht am Wasser aufwuchsen (Wassereichen)“, so der Ferchländer Ortschronist Horst Wedau. Proben von schnell wachsenden Eichen bestehen aus sehr weitringigem Holz mit deutlich zu wenigen Jahrringen. Um ein gutes Ergebnis zu erzielen, werden mindesten 50 Jahresringe benötigt.

So konnten bei der Probe 1 vom Balken mit der Nummer 3 nur 13 Jahresringe, vom Balken mit der Nummer 5 nur 21 und vom Balken W1 nur 16 Jahresringe festgestellt werden. Im Glockenturm ergab die dendrochronologische Untersuchung das Datum 1728. Horst Wedau: „Das ist das Datum, wo unsere Fachwerkkirche erbaut wurde. Daran erkennen wir, dass die Balken mit den wenigeren Jahresringen von dem Bauforscher, Diplom-Ingenieur Wolfram Bleis, richtigerweise der Vorgängerkirche am Elbufer zugeordnet worden sind.“

Bilder

Die ausgesuchten Eichenbalken mit den besagten Konstruktionspuren, die auch an anderen Kirchen in der Region belegt sind, weisen auf eine Entstehungszeit in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts hin.

Besiedlungsetappe von 1158/59

Eine weitere Feststellung eines Zeitraumes für die Errichtung der Kirche beziehungsweise der Ortsgründung ergibt die Besiedlungsgeschichte, womit sich Wolfram Bleis intensiv beschäftigt. Als Auszug für Ferchland schreibt er, dass sich daraus Folgendes festhalten lässt: „Ferchland gehört mit einer ganzen Anzahl von weiteren Orten zur Besiedlungsetappe von 1158/59, als Erzbischof Wichmann von Magdeburg flämische Siedler ins Land holte. Anhand der Ortsnamen lässt sich fast ausnahmslos die Herkunft der Siedler ermitteln. Für Ferchland ist das die Ortschaft Warlande bei Wavre im Regierungsbezirk Nivelles in der Provinz Brabant in Belgien. Eine historische Nachricht über diese Siedlungstätigkeit ist der Satz bei Helmold von Bosau ,Durch die eintreffenden Zuwanderer wurden auch die Bistümer Brandenburg und Havelberg sehr gekräftigt, denn die Kirchen mehrten sich und der Zehnt wuchs zu ungeheurem Ertrage an‘.“

Der Elb-Havel-Winkel gehört zum Bistum Havelberg und damit natürlich auch Ferchland. Da Helmold von Bosau seine Chronik 1172 beendete, liegt hier ein wichtiger Nachweis für die Kirchengründung vor diesem Zeitpunkt. Horst Wedau: „Man kann also sagen, dass Ferchland zunächst 1158/59 eine Holzkirche bekam, deren Chorraum noch vor 1200 durch einen Backsteinbau ersetzt wurde. Das noch hölzerne Langhaus dürfte bis 1250 durch einen Backsteinbau ersetzt worden sein.“ Das ist aus den Konstruktionsdaten der noch vorhandenen Bauhölzer im Dachstuhl ersichtlich.

Abschließend kann man sagen, dass man mit diesen Daten bei der Klärung der Orts- und Kirchengeschichte von Ferchland ein gutes Stück vorangekommen ist.

Erste Kirche in Elbstraße

In der Ferchländer Kirche waren der Bauforscher Wolfram Bleis aus Rathenow und Diplom-Restaurator Ulf Krommhagen tätig. Beide engagieren sich ehrenamtlich. Bereits Anfang des Jahres 2019 hatten sich Wolfram Bleis und Horst Wedau gemeinsam einen Eindruck von den Gegebenheiten gemacht. Die erste Kirche Ferchlands befand sich früher in der Elbstraße hoch oben am Steilufer. Die Bezahlung und Laboruntersuchungen werden vom Förderverein Parey, dem Heimatverein Ferchland/Elbe sowie der Kirchengemeinde finanziell getragen.

 

Quelle: Slavenchronik (Landeschronik Sachsen), Autor: Helmold, Entstehungszeit: 1163 bis 1172, Berichtszeit: 785 bis 1172.