Medizin

Hoffnung auf Notfallversorgung in Genthin als Modellprojekt

Von Mike Fleske
In Genthin soll eine medizinische Notfallversorgung organisiert werden. 

Genthin. In die Diskussion um eine medizinische Rund-um-die-Uhr-Notfallversorgung in Genthin ist nach einer Sitzung mit kommunalen und Landespolitikern sowie Vertretern der Johanniter und des Genthiner Ärztehauses neuer Schwung gekommen.

Auch die Stadtseniorenvertretung möchte sich zu diesem Thema positionieren. "Wir wollen unsere Stimme für eine solche Einrichtung erheben", machte der Vorsitzende Heinz Köppe während der jüngsten Sitzung des Gremiums deutlich.

Thema „Medizinversorgung“ soll im Bewusstsein gehalten werden

Köppe, auch Mitglied im städtischen Medizinausschuss, verlangt, dass sich auch der Stadtrat für diese Forderung stark macht. "Viel zu oft kommt es vor, dass jeder für seine eigenen Interessen kämpft, jetzt ist es wichtig, sich für eine Sache stark zu machen, die der Stadt zugute kommt.

Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) wies während der Zusammenkunft des Seniorengremiums darauf hin, dass weder er noch der Stadtrat konkrete Beschlüsse fassen könnten, mit denen eine solche Notversorgung auf den Weg gebracht würde.

"Aber wir können das Thema ansprechen und im Bewusstsein halten." Er sehe gerade jetzt eine gute Chance dafür, da es vor der kommenden Landtagswahl zum ersten Mal geschafft wurde, Vertreter aller Landtagsfraktionen auf die Forderung nach einer adäquaten Medizinversorgung aufmerksam zu machen. Der sogenannte "Runde Tisch" der Fraktionen zu diesem Thema sei ein sinnvoller erster Schritt. 

Einrichtung zwischen Rettungsdienst und Hausarzt

Auch die Forderung, die der Medizinausschuss stellvertretend für die Stadt stelle, erläuterte Günther bei der Zusammenkunft. Hinter der 24-Stunden-Notfallversorgung an sieben Tagen die Woche verberge sich eine Einrichtung, die Portalklinik genannt werde und zwischen den Einrichtungen Rettungsdienst und Hausarzt angesiedelt werden sollte.

"Es soll eine medizinische Anlaufstelle sein, an der bestimmte Dinge sofort versorgt werden können - also etwa Wunden nähen oder verbinden - und an der die Möglichkeit zur Überweisung an Fachbereiche etwa das nächste Krankenhaus besteht." Der Bürgermeister sieht diese Portalklinik idealerweise ausgestattet mit CT (Computertomografie) und Röntgenbereich, via Telemedizin könnten Ergebnisse an Fachstellen weitervermittelt werden. 

Ideal sei eine Zusammenarbeit mit den Johannitern, diese besitzen bereits eine Fläche in der Stadt und seien im Krankenhausbereich tätig. Die Idee eines Johanniterquartiers mit Portalklinik weist der Bürgermeister nicht völlig von der Hand, da für beide Bereiche ein Grundpersonal zur Verfügung stünde, das flexibel am Platz eingesetzt werden könnte.

Forderung nach neuen Strukturen

Zudem sei eine Verbindung mit den Angeboten des nahe gelegenen Ärztehaus möglich. Dass es in absehbarer Zeit zu einer Errichtung eines solchen Quartiers kommen könnte, sieht auch Günther nicht. "Eine solche Einrichtung ist laut Gesetz nicht vorgesehen, der Gesetzgeber müsste dafür in ganz neuen Strukturen denken, man würde sich dann Gedanken über Dinge machen, die die Medizinversorgung ganz neu aufstellt."

Allerdings sei es wünschenswert, dass ein solches Modell in Genthin geschaffen würde, da es eine gute Möglichkeit wäre, der Medizinversorgung im ländlichen Raum eine klare Grundlage zu geben. "Wir brauchen neue Modelle, die alten sind nicht mehr passig."

Bei der Frage nach dem Vorbildcharakter des nun in Havelberg angedachten Modells, bei der die landeseigene Salus GmbH über den Weg eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) bis zum Sommer ein Konzept für eine Notversorgung entwickeln möchte, hielt sich der Bürgermeister weiterhin zurück. Ihm sei nicht klar, ob dies die Genthiner Forderung erfülle.

Notfallstelle wäre Verbesserung auch für den Rettungsdienst

Es müsse zunächst ausgeführt werden, wie dieses Konzept aussehen solle. Dass es ein Vorankommen bei der Frage nach einer Notversorgung braucht, ist nach der Diskussionsrunde allgemeiner Konsens. Stadtrat Andy Martius (CDU), der an dieser Runde teilgenommen hat und als regionaler DRK-Chef seit langem auf neue Lösungen drängt, brachte es jüngst gegenüber der Volksstimme auf den Punkt: „Was Genthin aus meiner Sicht benötigt, ist eine Anlaufstelle für die Einwohner und Betriebe in der Genthiner Umgebung.“ Wie diese genannt werde, sei unerheblich.

„Durch diese Anlaufstelle würde die medizinische Versorgung maßgeblich verbessert und möglicherweise der Rettungsdienst für die notfallmedizinischen Einsätze mit einer Verbesserung der Hilfsfristen zur Verfügung stehen, da weniger akute medizinische Anliegen in der Anlaufstelle abgeklärt werden könnten.“