Von Simone Pötschke

Genthin l „Es lohnt sich nicht, etwas der Stadt schenken zu wollen“, dieses bittere Fazit zieht Claus Mielke. Zwei Plastiken aus seiner Werkstatt wollte Mielke der Stadt Genthin für die Altenplathower Trauerhalle überlassen.

Geschenkangebot vor 17 Monaten gemacht

Fast 17 Monate sind seit seinem Angebot an die Stadt vergangen, ihren Platz haben die Arbeiten von Mielke immer noch nicht gefunden. Der Altenplathower ist am Ende seiner Geduld und hat die Arbeiten aus der Trauerhalle wieder abgeholt, wo sie in einem Nebenraum aufbewahrt wurden. Darüber, dass die Plastiken am Mittwoch dem städtischen Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss als Gestaltungsvorschlag für die Trauerhalle durch den Bürgermeister vorgestellt wurde, weiß Mielke nichts. Seine Verärgerung würde dies vermutlich ohnehin nicht mildern können.

Eigentlich wollte Mielke die beiden Plastiken schon zur 875-Jahrfeier Altenplathows im Sommer vergangenen Jahres übergeben. Sie sollten sein Geschenk zum Jubiläum des Stadtteils sein. Die Trauerhalle sei sehr schmucklos, die beiden Plastiken, davon ist Mielke überzeugt, hätten den Raum aufwerten können. Davon müssen auch die städtischen Mitarbeiter, die für Tourismus und Friedhofwesen zuständig waren, überzeugt gewesen sein.

Bilder

Denn als Mielke Anfang März vergangenen Jahres an sie die Entwürfe der Plastiken herantrug, erntete er wohlwollende Zustimmung. Von ihnen kam grünes Licht und Mielke machte sich an die Arbeit. Dann trübte sich nach und nach die Stimmung, mehrfache Anfrage des Altenplathowers im Rathaus waren notwendig, bis Ende Juni ein Vor-Ort-Termin zustande kam. Der Sachgebietsleiter Immobilienwirtschaft und die zuständige Mitarbeiterin Friedhofswesen trafen dabei gemeinsam mit Claus Mielke verbindliche Absprachen, wie die Skulpturen aufzustellen wären.

Beide Mitarbeiter sind zwischenzeitlich nicht mehr im Rathaus tätig. Man habe eine Einigung vorbehaltlich einer Renovierung und dem Umsetzen von Steckdosen erzielen können, erinnert sich Claus Mielke, nachdem inzwischen fast ein Jahr tatenlos vergangen ist. Selbst eine Auszeichnung der Skulpturen als Dauerleihgaben und ein Vermerk, dass die Firma Ewert das Holz gesponsert habe, sei verabredet gewesen.

Offensichtliche Zuständigkeitsprobleme

Die dann folgende Funkstille entschuldigt Mielke noch mit dem Umstand, das die Stadt in dieser Zeit über keinen Haushalt verfügte. Ein weitere telefonische Rückfrage Mielkes Anfang Dezember, die Angelegenheit voranzutreiben, scheiterte. Nachdem die zuständige Mitarbeiterin für das Friedhofswesen in den Ruhestand gegangen war, gab es seinerzeit offensichtlich Zuständigskeitsprobleme, vermutet Mielke. Auch der Stuhl des Sachgebietsleiters Immobilienwirtschaft bleibt gegenwärtig unbesetzt. Erst bei einem weiteren telefonischen Vorstoß Mielkes im Rathaus am 22. April sei ihm bekannt geworden, dass die Kämmerin vorübergehend den Bereich Immobilienwirtschaft übernommen habe. Sie soll, so Mielkes Informationen zufolge, dafür gesorgt haben, dass der Bürgermeister am 8. Mai nach mehr als einem Jahr die Angelegenheit auf dem Tisch bekam. Genthins Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) zeigte sich am Freitag überrascht von der Vorgeschichte der Skulpturen. Es sei ihm nicht bekannt gewesen, dass die ganze Angelegenheit seit mehr als einem Jahr durch das Rathaus geistert, sagte er auf Anfrage der Volksstimme. Günther will sich um Schadensbegrenzung bemühen und Kontakt zu Claus Mielke aufnehmen.

Dem ist allerdings schon der Kragen geplatzt. Die Skulpturen „Trauer“ und „Hoffnung“ stehen wieder in seiner Werkstatt. „Der Fall ist bedauerlich“, sagt Mielke. „Ich habe keine Angst davor, die Teile loszuwerden. Selbst wenn sich die Stadt nochmal um die Skulpturen bemüht, bin ich nicht abgeneigt, sie abzugeben. Dann aber nicht mehr als Geschenk.“