Umwelt

In der Stadt Genthin wird Klimaschutz von eigenem Mitarbeiter betreut

Die Stadt soll demnächst einen Klimaschutzmanager bekommen. Nachbarkommunen können durch eine solche Stelle bereits Erfolge beim Umweltschutz verzeichnen.

Von Mike Fleske
Blick auf Genthin aus der Luft: Künftig soll weniger klimaschädliches CO2 produziert werden. Ein Klimaschutzmanager soll helfen, Konzepte dafür zu entwickeln.
Blick auf Genthin aus der Luft: Künftig soll weniger klimaschädliches CO2 produziert werden. Ein Klimaschutzmanager soll helfen, Konzepte dafür zu entwickeln. Foto: Mike Fleske

Genthin - Genthin schreibt eine Stelle für einen Klimamanager aus, sofern diese mit Landesmitteln zu 100 Prozent gefördert wird. Dabei gehe es zum Beispiel um klimafreundliche Wärme- und Kältenutzung sowie klimafreundliche Mobilität, erläuterte die Verwaltung in einer städtischen Vorlage.

„Das Vorhaben ist auch Bestandteil des erst vor kurzem beschlossenen integrierten Stadtentwicklungskonzepts“, so die Stadt. Letztlich solle mithilfe des Klimaschutzmanagers ein Klimaschutzkonzept umgesetzt werden, das Wege zum Einsparen des klimaschädlichen CO2 aufzeigt. Denn nach dem Willen der Bundesregierung soll Deutschland bis 2045 klimaneutral werden.

Burger haben bereits Erfahrung mit Klimaschutzstelle

Mit Blick auf Nachbarkommunen Genthins zeigt sich, dass Stellen eines Klimaschutzmanagers oder Beauftragten bereits gang und gäbe sind, um auf lokaler Ebene die ambitionierten Klimaziele umzusetzen. In der Kreisstadt Burg gibt es mit Michel Ghattas seit 2020 einen Klimaschutzmanager. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem die Überprüfung städtischer Gebäude auf Verbesserungs- und Einsparpotenziale im täglichen Betrieb.

Bei Sanierungen solle zudem darauf geachtet werden, dass „grüne“ Energie bei der Strom- und Wärmeversorgung zum Einsatz komme. So könnten kommunale Gebäude etwa mit Photovoltaikanlagen ausgerüstet werden, heißt es auf der Internetseite der Stadt Burg.

Die Stadtverwaltung könnte „grünen“ Strom produzieren, direkt verbrauchen und gegebenenfalls bei einer Überproduktion ins Netz einspeisen. Kein kleiner Posten, denn in Burg und den Ortschaften gebe es rund 50 Liegenschaften, die mit Strom und Wärme versorgt werden.

Photovoltaik in Genthin ein Thema

Dass kommunale Dächer mit Photovoltaikanlagen belegt werden, ist keine ganz neue Idee. In Genthin gibt es auf den Dächern der Feuerwehr, der Grundschule Diesterweg, der Schwimm- und Sporthalle, sowie der Sporthalle in Tucheim Photovoltaikanlagen. Inwieweit deren Nutzen noch gegeben ist, müsste im Rahmen der neuen Klimaschutzziele der Stadt überprüft werden. Auch zu klären, welche weiteren Dächer noch in Frage kämen, dazu hat der Stadtrat die Verwaltung jüngst aufgefordert.

Vorbild könnte die Stadt Burg im Bereich der Beratungsgespräche sein. Unternehmen als auch Privatpersonen würden zu Fördermöglichkeiten im Rahmen von Bauvorhaben oder Sanierungsvorhaben beraten werden, heißt es seitens der Stadt Burg.

Der Klimaschutzmanager begleitet auch Projekte im Rahmen des Klimaschutzmanagements, wie die Planung und den Bau neuer Radwege, die Umsetzung von neuen Mobilitätskonzepten innerhalb des Stadtgebietes oder auch die Förderung der E-Mobilität.

Brandenburger streben weniger Energieverbrauch an

In Genthin gibt es in diesem Bereich ebenfalls schon einige Grundlagen. So sind aktuell Ladesäulen für E-Bikes in der Geschwister-Scholl-Straße eingerichtet worden, auch verfügt der städtische Fuhrpark über ein E-Auto. Zudem plant die Stadt den Ausbau von Radwegen auf kommunalen Strecken. Ein Klimaschutzmanager könnte diese Vorhaben begleiten, beziehungsweise langfristige Strategien für die Stadt entwickeln.

In der Stadt Brandenburg gibt es mit Thomas Lenz einen Klimaschutzbeauftragten. Auch er unterstützt die Reduzierung des städtischen Energieverbrauchs. Aus gutem Grund: Nach Angaben der Stadt Brandenburg verursacht die Stadtverwaltung allein ein Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in der Stadt und strebe daher eine deutliche Reduzierung an.

Dazu gehöre die Erneuerung von Haustechnik in Gebäuden, genau wie Neubauten oder die Nutzung sparsamerer Autos. Ein prägnantes Beispiel ist die Versorgung des Rechenzentrums der Verwaltung. Dieses ist zur Absicherung mit einer unterbrechungsfreien Spannungsversorgung ausgestattet. Die Batterieanlage verbrauche aber auch im Leerlauf Strom. Eine Erneuerung der Anlage unter beibehalt der vorhandenen (fast neuen) Batterien, spare rund 5000 Euro und reduziere den CO2-Ausstoß um zehn Tonnen jährlich.

In Stendal werden Klimaschutz und Bürgerkontakt verbunden

Auch in Landkreisen ist der Klimaschutz ein elementares Thema. In Stendal etwa betreut Fabian Fuchs seit Ende 2020 das Klimaschutzmanagement des Kreises. Er setzte von Anfang an auf eine starke Beteiligung der Öffentlichkeit.

Einerseits wurden Arbeitsgruppen gebildet und andererseits eine Bürgerbeteiligung ins Leben gerufen. Bürger konnten im Frühjahr bereits umgesetzte Projekte, Planungen oder auch Ideen zum Klimaschutz vorstellen, um Ideen einerseits in der Öffentlichkeit sichtbar werden lassen und andererseits durch das Klimaschutzmanagement gefördert und vernetzt zu werden.

Im Genthiner Stadtrat wurde das notwendige kommunale Engagement in diesem Bereich bestätigt. Ein besonders deutlicher Verfechter war Stadtrat Lutz Nitz (Grüne/LWG Fiener). „Klimaschutz ist einfach wichtig und sollte nicht von Kosten oder Fördermitteln abhängig gemacht werden.“ Es gebe in der Stadt Einsparpotenziale, die erkannt und genutzt werden müssten.