Verschönerung

In Gesellschaft mit Schneewittchen

Im Speisesaal der Genthiner Grundschule „Ludwig Uhland“ geht es jetzt kunterbunt zu.

Von Simone Pötschke

Genthin l Dass sich der Speiseraum der Ludwig-Uhland-Grundschule vom einstigen Sorgenkind zum Vorzeigeobjekt gemausert hat, liegt nicht allein daran, dass die langersehnte energetische Sanierung in Angriff genommen und eine neue Decke einzogen wurde.

Der Speisesaal wurde darüber hinaus auch mit großflächigen Malereien als Wohlfühlraum deutlich aufgewertet. Das geht wiederum auf das Konto der beiden 3. Klassen, die den Kellerraum als ein Atelier entdeckt haben. Es sei an der Schule mittlerweile eine lange Tradition, jährliche Mittelzuweisungen vom Land für außerschulische Projekte zu nutzen, unterstreicht Schulleiterin Angelika Wiegmann. Möglichst nachhaltig sollten diese Projekte sein, so der Anspruch, den die Schule erhebt.

Die Grundschüler erprobten sich so auf dem Schulgelände bereits als kleine Grafitti-Künster oder gestalteten im vergangenen Jahr unter Anleitung der Jerichower Malerin Rieke Schmieder im Schulflur eine „Afrika-Wand“. Dies bot eine Initialzündung für das aktuelle Projekt, das den Drittklässlern eine dreitägige Abwechslung vom üblichen Schulalltag bot.

In diesem Jahr konnten sie sich beim Team-Projekt im Speisesaal sozusagen als Raumgestalter, von der Idee bis zur Ausführung, ausprobieren. Als erfahrene Fachfrau stand dem Projekt wiederum Rieke Schmieder zur Seite.

Auf der Suche nach Motiven für ein solches Wandbild, die zu einem Speiseraum passen, waren die Vorschläge und Anregungen der Kinder gefragt. Die Drittklässler, die mit Computer und Handys heranwachsen, entschieden sich ganz traditionell für ein Motiv aus dem Grimmschen Märchen „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. „Das war für uns Lehrer doch etwas überraschend“, räumt selbst Schulleiterin Angelika Wiegmann ein. Als zweites Motiv fiel die Wahl auf das Thema „Picknick im Schulgarten“. Für die Farbgebung wurden Acryl und Firnis verwendet.

Handwerklichen Beistand leistete wiederum Rieke Schmieder, indem sie die Wandbilder zunächst vorskizzierte, die dann von den Drittklässlern „in Szene gesetzt“ wurden. Eine zunächst sachliche Beschreibung für ein aufregendes Erlebnis. Der Speisesaal lebte während der Arbeiten vom kreativem Durcheinander.

Sie Vorskizze bot immer noch genügend Raum für individuelle, ungeplante Details. Farbe, Pinsel und Pappteller türmten sich auf einem großen Tisch – wie in einer großen Malerwerkstatt. Das alles sei total aufregend, bereite den Kindern Spaß und Freude, befand Ulrike Schmieder. Die Malerin bestaunte die Phantasie, mit der die Kinder am Werke waren.

„Sie haben wirklich erstaunliche und originelle Ideen. Eine grelle orangefarbene Tischdecke oder eine Schüssel Spaghetti auf dem Speisetisch bei Schneewitttchen... Die Kinder entscheiden sich aus dem Bauch heraus, was sie malen. Sie können sich ohne Worte in Farben ausdrücken. Das ist wirklich toll“, sagte die Malerin, während sich der kleine Cody spontan entschloss, ausgerechnet einem Hahn ein Ei in der Schulgarten-Picknickszene unterzuschieben. Er arbeitete gemeinsam mit Fatima, Aya und Filizian an diesem Bild, die sich sichtbar, aber mit vollem Elan, abmühten, über ihre Körpergröße hinaus zu arbeiten.

Das Projekt, das schätzte auch Angelika Wiegmann ein, sei eine große Bereicherung für die Kinder. Sie könnten sich bei der Bemalung der Wände ausleben, würden Stolz und Freude empfinden, ihr Selbstbewusstsein werde gestärkt. Ein solches Projekt biete gerade für Kinder mit Migrationshintergrund oder Förderbedarf sehr gute Möglichkeiten, um sich auszudrücken.