Abwasser

In mehreren Jerichower Ortschaften bleiben die Abwassergebühren hoch

Keine guten Nachrichten für dezentral angeschlossene Kunden des Trinkwasser- und Abwasserverbandes Genthin: Sie haben auch weiterhin mehr Kosten als Haushalte in der Stadt.

Von Mike Fleske
Die Abwasserkosten im Ort  Kader Schleuse, sind deutlich höher als in städtischen Haushalten. Grund ist der dezentrale Anschluss.
Die Abwasserkosten im Ort Kader Schleuse, sind deutlich höher als in städtischen Haushalten. Grund ist der dezentrale Anschluss. picture alliance/dpa

Genthin - Eine Gleichstellung der Kunden der dezentralen und der zentralen Abwasserentsorgung sei rechtlich nicht umsetzbar, machte die Geschäftsführerin des Genthiner Trinkwasser- und Abwasserverbandes (TAV) Loretta Kablitz in der jüngsten Verbandsversammlung deutlich.

Man habe zwei Leistungsbereiche, die getrennt voneinander berechnet werden müssten, erklärte die Geschäftsführerin. „Identische Gebühren sind nur bei gleichen Leistungsbereichen möglich.“ Die Erklärung bedeutet, dass der TAV verpflichtend zwei Gebührenbereiche festsetzen müsse, da es sich um unterschiedliche Arten der Ver- und Entsorgung handelt.

Zu Buche schlägt in den dezentral angeschlossenen Dörfern insbesondere die Abwasserentsorgung durch eine vom TAV beauftragte Fremdfirma. Diese Entsorger übernehmen die Entsorgung der Kleinkläranlagen betriebswirtschaftlich auf eigene Rechnung, sind also auch frei in der Preisgestaltung. Nur die Kosten des Verwaltungsaufwands, die mit der dezentralen Versorgung verbunden sind, bleiben beim TAV.

Offener Brief setzte Diskussion in Gang

Im Verbandsgebiet des TAV sind derzeit 96 Prozent der Haushalte an die zentrale Entsorgung angeschlossen. Dieser Mehrheit könnten nicht die Entsorgungskosten einer Minderheit aufgebürdet werden, so die Argumentation des Verbandes. Damit zerstoben die Hoffnungen der Einwohner mehrerer Jerichower Dörfer mit dezentralem Anschluss auf ein kostengünstigeres Bezahlmodell als das jetzige.

Vor rund einem Jahr hatte Hartmut Nothe aus Kader Schleuse das Thema in einem offenen Brief zum ersten Mal an den Verband herangetragen und auf den seiner Meinung nach haltlosen Zustand der hohen Gebührenunterschiede aufmerksam gemacht.

Später legte er sogar eine Unterschriftenliste vor, die von 337 Personen unterzeichnet worden war. Außerdem hatte Nothe die Gebührenbescheide des Trinkwasser und Abwasserverbandes Genthin (TAV) studiert und mühevolle Vergleiche zwischen zentraler und dezentraler Abwasserentsorgung angestellt.

Deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land

Eine Beispielrechnung beschreibt den deutlichen Unterschied. Ein Haushalt mit dezentraler Abwasserentsorgung bezahlte im Jahr 2019 für 48 Kubikmeter rund 675 Euro. Ein in der Stadt Genthin zentral angeschlossener Haushalt mit einer Abwassermenge von 152 Kubikmeter, hatte im Jahr 2019 rund 760 Euro zu zahlen.

„Das ist nur das 1,13-fache mehr an Gesamtkosten bei der mehr als dreifachen Menge, monierte Nothe. Diese Summe setzt sich zusammen aus den Grundgebühren für Trink- und Abwasser sowie aus den Mengengebühren für Trink- und Abwasser.

Kosten machen Duschgang zu teurem Unterfangen

„Wir achten im Grunde auf jeden Tropfen Wasser, den wir verbrauchen, schauen wo sich noch etwas einsparen lässt“, erläuterte Hartmut Nothe. Bei jedem Duschgang werde genau auf den Verbrauch geschaut. In seinem Haushalt seien die Kosten noch überschaubar, aber er kenne Menschen aus Mehrpersonenhaushalten, bei denen die Gebühren massiv zu Buche schlagen. Daher erhob Nothe erneut die Forderung nach Änderungen, blieb aber erfolglos.

Ein Übernahme der derzeit extern vergebenen Leistungen durch den TAV, sei wenig wirtschaftlich, machte Loretta Kablitz deutlich. Sie verwies dabei auf eine eigens zu errichtende Infrastruktur mit unter anderem weiteren Fahrzeugen und Mitarbeitern.

Auch ein Anschluss der Dörfer an das zentrale System des TAV wäre aus Sicht des Verbandes kaum wirtschaftlich, erläuterte die Bereichsleiterin für Abwasser, Carola Liebscher. Man habe die dezentralen Orte durchgerechnet und festgestellt, dass die Erschließungskosten pro Einwohner sehr teuer seien. In der Versammlung war beispielhaft von einem Betrag in fünfstelliger Höhe die Rede, der sich nicht so schnell durch geringere Gebühren amortisiere.

Situation entstand vor fast 30 Jahren

Letztlich rächt sich für die dezentral angeschlossenen Haushalte eine Situation, die fast 30 Jahre zurückliegt. In den 1990er Jahren versuchte der TAV, möglichst 100-prozentig die Haushalte zu erschließen. Mancher Grundstückseigentümer zeigte jedoch kein Interesse an einem zentralen Anschluss, was den damaligen gesetzlichen Bestimmungen entsprach.

Später stellte sich heraus, dass bei einem Anschlusszwang, auch für wenige Grundstücke im ländlichen Raum, die Kosten explodiert und damit die Gebühren für die TAV-Kunden in die Höhe geschnellt wären. Hier musste abgewogen werden, so Loretta Kablitz. Der Gebührenzahler sollte nicht für Investitionen zur Kasse gebeten werden, die deren Geldbeutel zu sehr belasteten.

Verband sieht bestehende Variante als am wirtschaftlichsten

Die Vorsitzende der Verbandsversammlung Nicole Golz (parteilos), Bürgermeisterin Elbe-Parey, zeigte zwar Verständnis für den Unmut der Einwohner, machte aber deutlich, dass die aktuelle Variante die günstigste sei, die man haben könne.

„Wir können aus rechtlichen Gründen nichts an der Situation ändern.“ Für Verbandsmitglied Frank von Holly (CDU), Bürgermeister in Möckern, läuft das praktizierte Konzessionsmodell. Es sei für die Bürger insgesamt die wirtschaftlichste Lösung, so von Holly.

Hartmut Nothe indes möchte weiterhin an dem Thema bleiben. Er werde sich über die Modelle in Nachbarkommunen informieren und sehe die letzte Entscheidung noch nicht gefallen. Es sei eine Ungerechtigkeit, die angegangen werden müsse.