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Inprotec will Genthiner Stadtkulturhaus definitiv verkaufen

Die Firma Inprotec, derzeit Eigentümer des Stadtkulturhauses, will die Immobilie definitiv verkaufen. Laut Standortleiter Oliver Hesse für einen Preis, der „irgendwo zwischen 40.000 und 60.000 Euro“ liegen werde.

Von Susanne Christmann
Vereinsvertreter und Stadträte bei der Übergabe der gesammelten 1.700 Unterschriften an den Bürgermeister. Die Kommune muss zunächst die Gültigkeit der Unterschriften feststellen.
Vereinsvertreter und Stadträte bei der Übergabe der gesammelten 1.700 Unterschriften an den Bürgermeister. Die Kommune muss zunächst die Gültigkeit der Unterschriften feststellen. Foto: Susanne Christmann

Genthin - „Von der Firma Inprotec gibt es ein Verkaufsangebot für das Stadtkulturhaus“. Mit dieser Information rückte Genthins Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) bei der Übergabe der gesammelten 1.700 Unterschriften der Vereine für ihren Einwohnerantrag heraus. Der Antrag zielt darauf ab, den bereits gefassten Stadtratsbeschluss zur Finanzierung einer Mehrzweckhalle - und damit zur Aufgabe des Stadtkulturhauses als städtische Veranstaltungsstätte - noch einmal auf die Tagesordnung zu setzen.

Inprotec-Standortleiter Oliver Hesse bestätigt das gegenüber der Volksstimme. „Es ist beschlossen, wir werden das Stadtkulturhaus definitiv verkaufen“. Man habe auch überlegt, es zu verschenken, aber da, so Hesse, wäre der Wirtschaftsprüfer „uns aufs Dach gestiegen“. Am Geld solle der Verkauf aber nicht scheitern, betont Hesse. Die Verkaufssumme werde wohl „irgendwo zwischen 40.000 und 60.000 Euro liegen“. Es gebe lediglich die Bedingung, dass mit einem neuen Eigentümer das Haus langfristig für die Stadt Genthin, die Vereine und die Kultur gesichert werde. Also für mindestens zehn Jahre.

Drei Monate Zeit

Das wollen auch die Vereine erreichen. Für die ihre Unterschriftensammlung pro Stadtkulturhaus ein voller Erfolg ist. Nötig für den Einwohnerantrag wären lediglich 360 Unterschriften gewesen. Dazu kommen noch 2.500 zum Teil noch im Umlauf befindliche Protestkarten, von denen derzeit 430 im Rathaus eingetroffen sind.

Ab dem Tag der Übergabe der Unterschriften (14. Juni) sind nun nach den Regeln genau drei Monate Zeit, das Vorhaben umzusetzen. Zunächst müssen die Unterschriften von der Kommune, also dem Meldeamt, auf ihre Gültigkeit hin überprüft werden. Dann muss der Einwohnerantrag im Stadtrat für formal gültig erklärt werden. Erst dann kann der Mehrzweckhallenbeschluss noch einmal auf die Tagesordnung gesetzt und debattiert werden. All das muss bis zum 24. September erledigt sein. In Anbetracht der Tatsache, dass es wegen der Sommerpause im August keine Stadtratssitzung gibt und heute noch nicht feststeht, wann genau der Rat im September tagen wird, bleibt eigentlich nur bis zur Juli-Stadtratssitzung Zeit, all das zu erledigen.

An einen Tisch sind alle Beteiligten nicht zu bekommen

Matthias Günther hat derweil alle Ausschussvorsitzenden für den 17. Juni zu einem Besichtigungstermin ins Stadtkulturhaus eingeladen. Am 22. Juni steht dann der erneute Termin mit den Vereinsvertretern an. Dort werde dann auch der Inprotec-Standortleiter zugegen sein. Was in Genthin aber offensichtlich nicht hinzubekommen sei, so Oliver Hesse gegenüber der Volksstimme, ist, alle Beteiligten für eine gesicherte Zukunft des Stadtkulturhauses an einen Tisch zu bekommen. Genauer: auch bekommen zu wollen. Ob Stadtrat, ob Bürgermeister, ob Qualifizierungs- und Strukturförderungsgesellschaft (QSG), ob Vereine - jeder berate und arbeite augenscheinlich für sich allein an seinen Konzepten für das Haus.

Dass die Stadt Inprotec das Stadtkulturhaus abkaufe, sei laut Matthias Günther nur eine von mehreren Optionen. Die Vereine, so Sebastian Strebe, Präsident des Genthiner Carneval Club (GCC), könnten sich nicht nur eine Vereinsvariante - einen neu zu gründenden Förder- oder Betreiberverein - sondern auch das Weiterbestehen des Betreibermodells mit der QSG vorstellen. Um Fördermittel für die notwendige Sanierung und zuvorderst die Abstellung der brandschutztechnischen Mängel beantragen zu können, sei das Modell „Stadt als Eigentümer oder Betreiber“ am einfachsten. Die Vereine, so Sprecher Sebastian Strebe, sähen es aber nicht, dass die Stadt das Problem mit den Kosten tatsächlich in den Griff bekommen könnte. Und bringt den Tourismusverein als möglichen Betreiber ins Spiel. „Denn wir wollen das große Ganze sehen, nicht nur die Stadt Genthin, sondern auch die Region.“