Genthin l Erneut rutscht das Genthiner Gartencenter „Grün erleben“ in die Insolvenz. Ursache seien der trockene Sommer und die fehlende Nachfrage nach Pflanzen, so der vorläufige Insolvenzverwalter Prof.  Mark Zeuner, Rechtsanwalt in Hamburg. „Der Betrieb läuft ungeachtet dessen normal weiter.“ Die 15 Mitarbeiter seien in einer Versammlung über die Situation informiert worden. Auch, dass der Erhalt des Unternehmens im Fokus steht, sei mitgeteilt worden. Die Löhne würden fristgerecht gezahlt.

Frustrierte Kunden

Auch gebe es keine Liefereinschränkungen. „Es gibt täglich neue Ware in hoher Qualität“, macht der Insolvenzverwalter deutlich. Das sind gute Nachrichten für Mitarbeiter und Kunden. Ärger gibt es hingegen um eine Reihe von Gutscheinen, die aufgrund der Insolvenzverwaltung nicht mehr angenommen werden. „Mein Versuch, den Gutschein einzulösen, scheiterte“, berichtet Edelgard Neumann aus Genthin. Fassungslos und frustriert habe sie ihre sorgfältig ausgewählten Pflanzen stehen lassen und den Laden verlassen, sagt sie.

Ganz ähnlich erging es Olaf Münch aus Schlagenthin: „Anfang August haben wir unserer Schwiegermutter einen Gutschein ausstellen lassen. Nun mussten wir erfahren, dass wir darauf sitzen bleiben“, berichtet er ärgerlich. Ihm gehe es nicht um das Geld, sondern darum, dass man Anfang August noch Gutscheine ausgestellt habe, obwohl die Situation für die Geschäftsführer schon absehbar gewesen sein müsse.

Gläubiger des Unternehmens

„Was dazu geführt hat, dass diese Gutscheine ausgestellt wurden, kann ich nicht sagen“, macht der Insolvenzverwalter deutlich. „Ich habe aber Verständnis, wenn die Kunden verärgert sind. Es ist eine unschöne Situation“, meint Zeuner. Inhaber von Gutscheinen seien Gläubiger, die ihren Anspruch nach Eröffnung des Verfahrens anmelden müssen. Er wolle Gutscheininhaber damit nicht ärgern.

Der Gutscheininhaber ist ein Gläubiger, wie jeder, der eine Forderung gegenüber dem Unternehmen hat. Etwa Sozialversicherungen, Lieferanten, Banken, auch Mitarbeiter. Niemand von ihnen dürfe bevorzugt werden. „Alle Kunden, die betroffen sind, bekommen im Geschäft meine Kontaktdaten und können sich bei mir als Gläubiger melden“, sagt Zeuner.

Wenig Aussicht auf Erfolg

Allerdings ist dies für die Kunden oft nur ein schwacher Trost, da die Forderung nach einer Insolvenzquote berechnet wird, die nicht sehr hoch ist (im Durchschnitt oft nur im einstelligen Bereich). Bei Geldbeträgen von 20, 50 oder 100 Euro, bleibt am Ende nicht mehr viel übrig. Für die Mitarbeiter des Grünbedarfes ist die Zurückweisung der Gutscheininhaber keine leichte Situation. Sie können derzeit nur die Informationen weitergeben, die ihnen zur Verfügung stehen und müssen den Unmut der Kunden ertragen. „Wir können den Ärger verstehen, sind aber diejenigen, die am wenigsten für die Situation können“, heißt es aus ihren Reihen.

Mit lautstarken Auseinandersetzungen sei niemandem geholfen. „Die Kunden müssen sich im Grunde damit abfinden und die Beträge gedanklich abschreiben“, sagt Simone Meisel, Juristin der Verbraucherzentrale Halle. Sie sieht mit Blick auf andere Insolvenzen, etwa der des Praktiker-Baumarktes 2013 oder der von Air Berlin im vergangenen Jahr, kaum Chancen, dass Kunden nennenswert Geld aus Gutscheinen erstattet bekommen.

Gespräche mit Investoren

Auch juristisch vorzugehen, um diese Beträgen wiederzubekommen, habe kaum Aussicht auf Erfolg. „Ein strafbares Handeln kann man nicht belegen, die Mitarbeiter vor Ort wissen oft nicht um die Vermögensverhältnisse der Firma und handeln im guten Glauben, wenn sie Gutscheine ausstellen.“ Dennoch rät die Verbraucherexpertin die Forderungen einzureichen, um nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens möglicherweise einen kleinen Teil des Geldes wiederzubekommen.

Bereits vor zwei Jahren meldete das Gartencenter Insolvenz an. Inhaber Torsten Kühne gab im Zuge des Verfahrens die Geschicke an die Unternehmerfamilie Kammlott in Erfurt ab. Diese begann im vergangenen Frühjahr mit Moderniserungsarbeiten, um den Betrieb neu aufzustellen. Nun geht auch ihnen das Geld aus und es wird erneut ein Investor gesucht. „Erste Gespräche laufen bereits“, bestätigt Mark Zeuner, der eine Zukunft für den Grünbedarf Genthin sieht.