Genthin l Sein ganzes Leben war und ist Sport. Der heute 90-jährige Karl-Heinz Helm ruft am vergangenen Freitag bei der Festveranstaltung zum 70-jährigen Bestehen des SV Chemie Genthin „seiner“ Übungsleiterin Brigitte Kabelitz, die gerade durch eine Operation am Bein zum Nichtsporttreiben verurteilt ist, zu: „Und bald wieder Sport im Seniorenheim!“ Sie ruft schlagfertig zurück: „Genau. Da geht dann wieder die Post ab!“

Helm wurde mit stehenden Ovationen für seine seit 70 Jahren bestehende Mitgliedschaft beim SV Chemie Genthin geehrt. Genauso lange besteht der Verein. Coronabedingt mussten alle geplanten Aktivitäten zum Jubiläum in diesem Jahr abgesagt werden. Nur diese eine Veranstaltung ließ sich der Verein, der vor 70 Jahren als Betriebssportgemeinschaft Chemie Genthin gegründet wurde, nicht nehmen. Schließlich, so der Vereinsvorsitzende Fritz Mund in seiner Festrede, seien von den aktuell 1005 im Verein organisierten Sportlern über 300 Kinder- und Jugendliche im Alter bis 18 Jahre.

Viele ehrenamtliche Übungsleiter

Das sei nur möglich, weil der Verein viele sehr engagierte ehrenamtliche Übungsleiter hat, die mit den Kindern trainieren, zu Wettkämpfen fahren und die Kinder dabei verantwortungsvoll betreuen würden. Über 40 lizenzierte Übungsleiter bereiten sich jede Woche auf die Trainingsstunden in ihren Sportgruppen vor. In der gegenwärtigen Pandemiezeit hätten sie, so der Vereinsvorsitzende, zusätzliche Aufgaben der Hygiene übernommen. Diese engagierte, ehrenamtliche Tätigkeit sollte unbedingt bei dieser Festveranstaltung eine Ehrung erfahren.

Karl-Heinz Helms sportliches Leben begann 1945 nach dem Krieg mit Fußballkicken auf der Straße in Kade. 1950 kam er als Neulehrer nach Altenplathow. Seitdem hat er als Sportlehrer und später als Kreisturnrat unzähligen Jungen und Mädchen das Sporttreiben näher gebracht. „Als aktiver Handballer hat er in jungen Jahren viele Schlachten für den Verein noch auf dem Großfeld und später auf dem Hallenparkett geschlagen“, weiß Vereinsvorsitzender Fritz Mund über Helms Zeit als aktiver Sportler.

Helm habe auch einen großen Anteil an der Entwicklung der Genthiner Sportstätten gehabt, besonders am Bau der Schwimm- und Sporthalle an der Berliner Chaussee. Ein Traum von ihm, so Mund, sei aber bis heute nicht in Erfüllung gegangen: der vom Bau eines Waldstadions. Dieser Traum werde aber auch für die heutigen, jüngeren Generationen nicht in Erfüllung gehen.

Bootshaussanierung steht an

„Träumen wir weiter von einer Sanierung des Sportplatzes und dem Bau von Tartananlagen für die Leichtathletik. Die Stadt Genthin hat wohl mal wieder einen Förderantrag beim Land für die nächsten zwei Jahre gestellt“, sagte Fritz Mund wörtlich dazu. Neben Leichtathletik, Kanu, Handball, Tischtennis, Wandern, Badminton, Turnen, Schwimmen, Prellball, Radfahren, Aquajogging, Walking, Linedance und Kleinkindersport orientiert sich der Verein heute verstärkt auf den Freizeit- und Rehabilitationssport.

Aktuell wird das vom Verein bewirtschaftete Bootshaus saniert – ein 100 000-Euro-Vorhaben. Die Fassade wird erneuert, es gibt eine energetische Sanierung und die Terrasse bekommt ein neues Geländer.