Genthin l Konfetti aus allen Kanonen. Ehre für den Präsidenten Wolfgang Fleischer. „Hallo Präsident, schön, dass wir uns kennen“, sangen die GCC-Mitglieder für ihren Chef und kürten ihn sogleich zum Lieblings-Präsidenten. Die Würdigung der Mitglieder für ihren Vereinschef war der emotionale Höhepunkt einer mehr als zweistündigen Festsitzung im Stadtkulturhaus.

Nicht ohne Grund hatte Fleischer, Bürgerpreisträger der Stadt Genthin, im Vorfeld doch seinen Rücktritt als Vereinschef angekündigt – nach mehr als 40 Jahren. „Ich bleibe ja Vereinsmitglied“, versprach Fleischer. Aber nach den vielen Jahren als Chef wolle er die Geschicke des GCC in jüngere Hände legen.

Heldenflut im Kulturhaus

Aber vorher wurde unter dem Motto „Helden und Legenden“ kräftig gefeiert. Und sie waren alle da: Marilyn, Elvis, Charlie Chaplin, Jesus, Winnetou, Pumuckl und Mickey Maus. Ein echtes Promiaufgebot präsentierte sich gleich zum Auftakt und brachte die Stimmung sogleich zum Kochen. Natürlich durfte auch ein gekröntes Haupt nicht fehlen: Der König von Kader-Schleuse Hartmut Nothe.

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Als Held der Bildung fungierte Bernhard Horn. Er hatte als Johann Wolfgang von Goethe einen nahezu poetischen Auftritt, als er erst den Osterspaziergang aus dem „Faust“ auswendig rezitierte, um den Text dann zu modernisieren: „Im Kaufrausch sind wir Groß und Klein, hier bist du Mensch, hier darfst du es sein“, war er konsumkritisch.

Jung und Alt gestalten Programm

Anschließend hatte Horn die Lacher auf seiner Seite, als er Zuschauerin Heike, die er aufgrund der Datenschutzverordnung, Brigitte nennen musste, ein Abschiedslied sang: „Wie schön wär‘ die Welt für mich ohne dich.“ Gehört Horn zur altgedienten Riege, bekam auch der Nachwuchs sein Podium.

Die von Ulrike Paul gecoachte Kindertanzgruppe zeigte eine ansprechende Traumtanzchoreografie zu schmissigen Programmnummern und bewies, dass der Nachwuchs, etwa mit der Jüngsten auf der Bühne, der vierjährigen Finja, längst in den Karnevals-Startlöchern steht. Schwungvoll war zudem die Show der Tanzgruppe "Delicious" vom Jugendhaus Parey. Sogar Regenschirme wurden elegant als Requisiten genutzt.

Als wahrer Antiheld präsentierte sich Michael Schremmer, als er auf aktuelle Genthiner Debatten, etwa um die Bunkerschließung einging: „Ich finde den Bunker überflüssig wie ein Kropf, da ist sogar unser Friedhof sehenswerter.“

Breitseiten für den Genthiner Bürgermeis

Bürgermeister Matthias Günther bekam manche Breitseite: „Er trägt immer lila Hemden. Lila ist der letzte Versuch, was hat er denn überhaupt schon versucht?“, fragte der Antiheld boshaft. Überhaupt hatte man den Bürgermeister gern am Wickel. Etwa bei Familie Kowalski aus Altenplathow: „Ohne uns hätte Genthin doch gar keinen Bürgermeister“, spielte die legendäre Bühnenfamilie auf die Herkunft des Stadtchefs an.

Auch gab es einen Besuch von Kindern im Rathaus bei Bühnenbürgermeister Ingo Strebe: „Kennen Sie die Tatsachen in Genthin?“, fragte ein Mädchen keck. „Denn Politiker verdrehen die Tatsachen bis sie passen.“ Fast schon liebevoll war die Aufforderung die Manfred Göbel und seine singende Damenriege auf den Weg gab: „Matthias wir haben das alles satt, mach ein Konzept für die Stadt, Matthias, mach dich ran“, baten sie.

Birgit Heinzelmann, auf Angela-Merkel-Parodien abonniert, scheint mit dem Dämmerung der echten Kanzlerin auf der politischen Bühne, in Genthin richtig aufzudrehen: „Ich will regieren, will regieren, will regieren“, sang sie frei nach Karat und bot einen stimmgewaltigen Auftritt. Da staunten sogar die famos aufspielenden Mitglieder der Live-Band Luxusrausch. Die „kleene Marlene“ Dagmar Liebscher traf Kollegen aus Hamburg und verriet, dass ihre Helden die „Beatles“ sind und sang mit dem Publikum „Hey Jude“.

Furioser Abschluss mit den Schweissgirls

Die Schweissgirls zeigten zum Abschluss des Abends eine Art „Best-of-Programm“ der vergangenen Jahre von Urlaub bis Abba. und ließen staunen: Scheinbar können sich die Damen schneller umziehen als ihre Schatten, in so vielen Kostümen standen sie in kürzester Zeit auf der Bühne. Flink waren an diesem Abend auch die wendigen Kellnerinnen, die gekonnt zwischen den engen Tischreihen umhereilten, ohne anzustoßen.

Und fast schon mit Überschallgeschwindigkeit gingen die Bühnenarbeiter zu Werke, die im Augenblick eines Wimpernschlag aus einer Wohnzimmerdeko auf der Bühne eine Tanzfläche machten. Technik, Licht und Ausstattung perfekt. Helden und legenden überall. Vor, auf und hinter der Bühne. Ein gelungener Abend.