Jerichow l In die pralle Lebenskiste gegriffen haben die Organisatoren des Motzener Karnevals am Sonnabend. „Vier Jahreszeiten“ – so das Programm, und es versprach so manchen Seitenhieb auf das Allzumenschliche und auf die große wie kleine Politik. Von gutem Vorsetzen zum neuen Jahr, Urlaubsplanung, Sommertanz, Oktoberfest, einem G-8 Gipfel bis hin zu neuen guten Vorsätzen schlug sich der Bogen in den Themen rund um das Jahr nieder. Selbst beim alten Dichterfürsten Goethe nahmen die Karnevalisten Anleihe, auch wenn der Osterspaziergang statt mit dem „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“, mit einer Pollenallergie endete.

Auftakt mit Konfetti

Den Auftakt bildete eine bunte Konfetti-Parade. Und anschließend verzauberten die Tanzmädchen das Publikum mit ihrer Darstellung von Schneegestöber und der Eiskönigin, obwohl Eis und Schnee aktuell in der richtigen Natur fehlen. Die Zuschauer forderten Zugaben ein, und es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein an diesem Abend.

Reisekauffrau Victoria Gronka erwartete in ihrem Unternehmen „Reisebüro Titanic – wir bringen Sie sicher ans Ziel“ ein junges Paar, das seinen Urlaub planen möchte. Die Zwei sind unentschlossen, ein Dialog entspinnt sich, in dem sich Zeitgeist und Lokalkolorit widerspiegeln und aufs Korn genommen werden. So ist Mallorca, weil italienisch zu Deutsch und in Saudi-Arabien gebe es zu viele Ausländer, auf den ökologischen Fußabdruck soll geachtet werden, und kleine Kinder will man auch nicht sehen.

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Die Schweiz ist wiederum zu neutral und das Oktoberfest zu weit weg. Auch Extremcampen in den gefährlichen unberührten Wäldern von Jerichow, inklusive der Nutzung des sagenumwobenen Jerichower Waldbades – exklusive Wasser – sei ein heißer Tipp. Am besten wäre doch ein getrennter Urlaub, um alle Vorstellungen unter einen Hut zu bekommen, so das Paar.

Urlaub in einer nahen Weingegend

Da zieht Gronka den ultimativen Vorschlag aus demselben: „Ist gerade frisch reingekommen – Dorfromantik pur!“ Ein überaltertes, dennoch idyllisches Dorf mit eigener Band, einem eigenen Weinberg und zwei großen Volksfesten wartet auf Sie, so die Reisekauffrau, einschließlich einem Meet and Greet mit „über die Dorfgrenzen hinaus bekannten Persönlichkeiten mit einem Glas edelsten Weines.“

Zu teuer das Ganze und so stellte sich die Frage, ob es nicht ähnliches, doch preiswerteres gäbe. „Na klar“, so Gronka, „noch kleiner, mehr Kühe und“, sie hebt den Zeigefinger, „sogar mit verkehrsberuhigter Zone.“ Das Publikum lacht und kann beide Orte Klietznick und Steinitz und Personen zuordnen. Aus dem Urlaub wird es dann doch nichts – Balkonien bleibt angesagt.