Parchen l Bis zum Frühjahr 2019 wird zwischen Parchen und Wiechenberg das Grundwasser auf Rückstände von Schadstoffen wie etwa Nitrat, Blei, Cadmium oder Arsen untersucht. Diese einjährige Überprüfung wurde den Starkenberger Baustoffwerken zur Auflage gemacht, die dort Kies abbauen möchte. „Sollte das Wasser an dieser Stelle belastet sein, gibt es keinen Kiesabbau in Parchen“, hatte Ralf Müller, Leiter der Rohstoffsicherung, während einer Einwohnerversammlung deutlich gemacht. Ein belasteter Grund würde den Kiesabbau für die Firma unwirtschaftlich machen.

Vermutungen von Anwohnern

Doch was droht dann den Parchenern? Viele Anwohner äußerten in der Versammlung Sorgen, wussten sie doch, dass in einer alten Deponie einst das Waschmittelwerk Reste, unter anderem Brandrückstände, verklappt hatte. Auch von schäumendem Leitungswasser zu DDR-Zeiten wurde berichtet und befürchtete, dass die Deponie nicht dicht sei.

Ortsbürgermeister Hubert Schwandt zeigte sich im Anschluss tief besorgt zum Ausgang des Grundwassermonitorings. „Werden Belastungen für Parchen nachgewiesen, kann es sein, dass wir damit ein zweites Vehlitz erleben.“ In dem Ort bei Möckern hatte es durch eine illegal mit Müll verfüllte Tongrube massive Belastungen von Grundwasser- und Fließgewässern gegeben.

Behörden zurückhaltend

Derzeit halten sich die Behörden mit Bewertungen zurück. „Uns liegen bislang weder ein Rahmenbetriebsplan noch Daten zum Grundwassermonitoring vor“, sagt Dr. Bodo-Carlo Ehling, Abteilungsleiter und Sprecher des Geologischen Dienstes beim Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt, auf Anfrage, bestätigt aber: „Im Nahbereich der vorgesehenen Nassauskiesung ist eine Altablagerung (Altlast) vorhanden.“

Zu möglichen Belastungen des Grundwassers möchte sich derzeit auch der Landkreis nicht äußern. „Wir spekulieren nicht im Vorfeld, sondern warten die Ergebnisse der Messung ab“, antwortete der stellvertretende Sprecher des Landkreises Jerichower Land Henry Liebe. Beim Umweltbundesamt hält man sich mit einer Bewertung der konkreten Situation in Parchen zurück. „Wir selbst verfügen über keine fallrelevanten Daten“, macht Jörg Frauenstein vom Fachgebiet „Maßnahmen des Bodenschutzes“ im Umweltbundesamt deutlich.

Zusätzliche Untersuchungen

Er gibt aber einen Hinweis zum üblichen Vorgehen, wenn sich eine Belastung des Grundwassers herausstellen sollte. „Wenn man kontaminiertes Grundwasser feststellen würde, müssten die zuständigen Behörden tätig werden.“ Wie, wann und in welcher Weise hänge davon ab, wie sie eine mögliche Schutzgutgefährdung bewerten.

Dabei geht es um die Gefährdung des gesamten umgebenden Bereiches. In der Regel würden zusätzliche Untersuchungen zur Klärung des Gefahrenverdachts erforderlich werden.

Eine Befürchtung kann Jörg Frauenstein jedoch in einer Sache nehmen. „Im Hinblick auf das Trinkwasser überwachen die Wasserwerke die Qualität des verwendeten Rohwassers und des bereitgestellten Trinkwasser.“ Die Gefahr, dass Leitungswasser kontaminiert in die Haushalte kommen könnte, ist nach Aussage des Experten nicht gegeben. „Anders könne es bei einer direkten Grundwassernutzung der Anlieger sein, etwa durch Haus- und Gartenbrunnen. „In diesem Falle würde die zuständige Behörde bei festgestelltem Gefahrenverdacht Nutzungsbeschränkungen beziehungsweise Verbote verhängen müssen.“

Sanierung im Einzelfall

Welche weiteren Schritte notwendig würden, um den belasteten Bereich letztlich zu sanieren, wollte auch Frauenstein nicht konkret benennen, da ihm die Gegebenheiten nicht bekannt seien. „Die Palette möglicher Maßnahmen ist umfangreich und ist letztlich eine Einzelfallentscheidung unter Beachtung der standortspezifischen Gegebenheiten, wie zum Beispiel die Art der Schadstoffe, Schadstoffkonzentration, geohydrologische Situation und vieles andere mehr.“ Die Firma Starkenberger, die den Kiesabbau in Parchen plant, versprach erneut über den Fortgang der Planungen zu informieren.

Auf einer Fläche von 110 Hektar zwischen Parchen und Wiechenberg will das Unternehmen nach Abschluss der Vorbereitungen in einigen Jahren in einer Tiefe von zehn bis 20 Metern jährlich 500 000 Tonnen Kies fördern.