Steinitz l „Plötzlich waren sie da“, sagt Claudia Braunschweig, Gemeindekirchenrätin in Steinitz. Jetzt nehme die lang ersehnte Reparatur der geschichtsträchtigen Glocke ihren Lauf, freut sich die engagierte Frau.

Fachgerecht geprüft

Mitarbeiter der renommierten Glockenbau-Firma Beck standen am Mittwoch vor der Steinitzer Kirche und errichteten einen Seilzug. „Damit soll die Glocke sicher vom Turm geholt werden“, erklärte ein Mitarbeiter der Firma. Dann werde sie mit einem Transporter zum Sitz der Werkstatt, nach Kölleda, einer Kleinstadt in Thüringen, gefahren. „Dort wird sie dann fachgerecht geprüft und wieder zum Klingen gebracht“, sagt Claudia Braunschweig. Über die Reparatur der Steinitzer Glocke machten sich die Gemeindemitglieder schon seit dem letzten Jahr Gedanken.

Nachdem beim letztmaligen Läuten, am 17. März 2018, die Krone abriss, wurde es still. Doch das sollte nicht so bleiben: Spenden für die Glocken-Instandsetzung wollten die Steinitzer sammeln. Dazu riefen sie eine Benefiz-Konzert-Reihe ins Leben – mit Erfolg. Innerhalb eines Jahres spielten die Konzerte einen Teil der benötigten Eigenmittel ein, dazu kamen noch Veranstaltungen, wie das Steinitzer Hoffest und, hebt Braunschweig hervor, „die Sparkassenstiftung stellte auch Gelder zur Verfügung“. Insgesamt kamen 14.000 Euro Spendengelder zusammen, bei geschätzten Instandsetzungskosten der Glocke zwischen 13.000 und 16.000 Euro. „Nun war es an der Zeit, eine Firma zu finden, die sich um die schon mehrfach gerissene Glocke kümmert“, so Braunschweig weiter.

Bilder

Zahlreiche Steinitzer beobachteten Mittwoch aus sicherer Entfernung das Abseilen ihrer Glocke und hoffen, „dass bald wieder das Geläut ertönt“. In dem älteren Teil des Steinitzer Glockenstuhls befand sich in früher Zeit noch eine zweite, kleinere Glocke mit einem Durchmesser von 56 Zentimetern.

Wo ist die zweite Glocke?

Die Einwohner suchten schon emsig nach dieser Glocke, erzählt Christine Liebsch. Keiner wisse, wo diese Glocke geblieben ist, es gebe auch keine Informationen über Art und Herkunft der Glocke: „Das können wir erst sehen, wenn wir sie wiederfinden.“ Denn die meisten Glocken sind mit Herstellungsdatum und dem Gießernamen versehen. „Wir hoffen immer noch, dass sie eines Tages wieder auftaucht“, sagen die Kirchenmitglieder. Dann wäre der Glockenstuhl wieder vollständig. Wenn alles nach Plan laufe, so Braunschweig, werde die vorhandene Glocke zum nächsten Hoffest, am 2. August, wieder läuten.

1677 in Magdeburg gegossen

Die reparaturbedürftige Steinitzer Glocke ist ein Produkt des berühmten Glockengießers Jakob Wentzel. Der war auch der Gießer der sogenannten Telemann-Glocke, die sich heute in der Wallonerkirche in Magdeburg befindet. Weitere Glocken von ihm hängen im Berliner Dom und in der Magdeburger Johannis-Kirche.

Die Steinitzer Glocke wurde 1677 in Magdeburg gegossen und hat einen Durchmesser von 92 Zentimetern. Sie ist vollständig aus Bronze. In den 1960er Jahren mussten sich die Dorfbewohner schon einmal um ihre Glocke kümmern. Ein Henkel der Krone riss ab und mit dem Läuten war es erst einmal vorbei. Kurzerhand schweißte man mit den vorhandenen Mitteln den Henkel wieder an. Dabei ist das Schweißen von Bronze nicht so einfach und schnell passieren Fehler. Wichtig sind hier Kenntnisse über die Zusammensetzung der Bronze und die Auswahl des richtigen Schweißverfahrens, sonst kommt es zu Material-Veränderungen, die sich negativ auf den Zustand der Bronze auswirken.