Genthin l Beerdigungen sind für Angehörige immer ein Moment der aufkommenden Trauer und des Gedenkens. Noch schwerer wurde es durch die Corona-Pandemie. „Wir waren nach dem Tod unserer Verwandten sehr verunsichert, wie wir mit Situation umgehen sollen“, berichten Hinterbliebene aus Genthin*.

Trauerhallen gesperrt

Im März sei eine Verwandte verstorben und dann habe die Familie vor der Organisation der Bestattung gestanden. „Das war in der Situation, als die akuten Fallzahlen in Deutschland sehr hoch waren, es gab eine Reihe von Vorgaben, die eingehalten werden mussten.“

Die Trauerhallen auf den Friedhöfen in Genthin und Altenplathow waren zu diesem Zeitpunkt gesperrt. Die Trauerrede musste vor dem Gebäude oder an der jeweiligen Grabstelle gehalten werden. Vorgeschrieben, wie auch jetzt noch, waren Abstände der Gäste von mindestens 1,50 Metern. Die Trauernden mussten sich in einer Liste mit ihren Kontaktdaten eintragen. Als eventueller Nachweis vor dem Gesundheitsamt.

Gesamte Trauerfeier im Freien

Zudem durfte nur der engste Familien- und Freundeskreis dabei sein. „Wir hatten daher durchaus Sorgen, ob es unter diesen Umständen eine angemessene Beerdigung geben kann“, erinnern sich die Hinterbliebenen. Doch es ging. Bei frühlingshaftem Wetter wurde die gesamte Trauerfeier im Freien vollzogen.

Auch das Abstandhalten sei unproblematisch. „Es war sehr würdevoll und bedächtig, sodass wir die Feier auch mit gutem Gewissen der Verstorbenen gegenüber begehen konnten.“ Es habe nur den Wermutstropfen gegeben, dass nicht jeder Verwandte aus der Familie an der Zeremonie teilnehmen konnte, so seien etwa Verwandte aus anderen Bundesländern aus Rücksichtnahme auf die begrenzte Gästezahl nicht angereist. Jedoch war die Umsicht auch für die mit der Durchführung betrauten Bestattungshäuser hilfreich.

An Vorgaben gehalten

„Die Trauergäste haben sich nach den Vorgaben gerichtet und waren sehr gut informiert, unter welchen Einschränkungen die Trauerfeierlichkeiten stattfinden müssen“, berichtete Thomas Ewert vom gleichnamigen Genthiner Bestattungshaus kürzlich der Volksstimme. Sehr diszipliniert und rücksichtsvoll hätten sich die Menschen während der Feier verhalten. Das können auch die Genthiner Pfarrerinnen Magdalene Wolfarth und Beate Eisert bestätigen.

Sie mussten insbesondere zu Beginn der Beschränkungen viele Bedenken zerstreuen. „Einige Menschen, die auf den Tod zugingen, riefen sogar bei uns an und fragten ‚Sie machen mir doch aber ein würdiges Begräbnis?‘ Das haben wir zusammen mit den Bestattern geschafft“, sagt Beate Eisert. „Wir haben ebenfalls beobachtet, dass vielen Menschen das Abschiednehmen von einem Verstorbenen aus dem Dorf, aus der Nachbarschaft gefehlt hat, da die Feier nur für einen kleinen Kreis zugänglich war.“

Doch die Bestatter hätten einen Rahmen für die Familien geschaffen und ermöglichten es, dass auch von Ferne einzelne Nachbarn stehen und Abschied nehmen konnten. Diese aus der Not geborene Art zu trauern habe auch etwas Tröstliches. „Es ist etwas Berührendes, direkt unter Gottes freiem Himmel zu sitzen und die Weite des Himmels ins Herz aufzunehmen“, sagt Magdalene Wolfarth. Von den neuen Lockerungen in Sachsen-Anhalt sind auch die Trauerfeiern betroffen. Mittlerweile sind bei Beerdigungen wieder bis zu 20 Menschen erlaubt.

* Der Name der Gesprächspartner ist der Redaktion bekannt.