Genthin l Cornelia Esser-Hertel wunderte sich über das mediale Interesse, das ihrem Klassertreffen entgegengebracht wurde. „Es ist doch eigentlich eine Sache unter uns“, sagte sie. Dass dies jedoch nicht so ist, befand Wolf-Rüdiger Franke, Lehrer i. R. und Vorsitzender des Fördervereins Bismarck-Gymnasium, der diesem Treffen besondere Aufmerksamkeit schenkte. „Morgens auf der Schulbank und abends in der Kirche zum Friedensgebet.“

Eine aufregende Zeit erlebt

Immerhin war der Abi-Jahrgang 1991 wie kein anderer geprägt von der politischen Wende. Noch über die Zugangsvoraussetzungen zu DDR-Zeiten für den Besuch der Erweiterten Oberschule ausgewählt, kamen die Schüler zunächst an die Einrichtung, die seinerzeit noch den Namen „Dr. Theodor Neubauer“ trug. Als die 40 Oberschüler 1991 ihr Abitur ablegten, war „Dr. Theodor Neubauer“ dem Reichskanzler Bismarck als Namensgeber gewichen. Der Namenswechsel war zugleich eine Rückkehr zu dem alten, traditionsreichen Namen der Einrichtung. Damit hat sich dieser Abiturjahrgang 1991 einen besonderen Platz in der Schulchronik verdient.

„Wir waren stolz darauf, dass unsere Schule umbenannt wurde“, spricht Cornelia Esser-Hertel für ihre Mitschüler, die es größtenteils in die Ferne verschlagen hat. Nur noch zwei Ehemalige sind in Genthin beheimatet. Die Wende habe der Jahrgang, der sich jetzt weitestgehend komplett in Genthin wiedertraf, als eine sehr spannende Zeit empfunden. „Morgens auf der Schulbank und abends in der Kirche zu den Friedensgebeten, eine Gefahr haben wir dabei nicht empfunden. Repressalien brauchte deshalb niemand erdulden. Wir waren stolz, mittendrin in den Ereignissen zu sein. Einfach aufregend.“

Rundgang durch das Gymnasium

Cornelia Esser-Hertel beschreibt die Ereignisse jener aufregenden Zeit, wie sie die Oberschüler empfunden haben: „Wir waren alle 18 und rebellisch, es hat uns Freude gemacht zu demonstrieren. Alles, was mit dem Westen zu tun hatte, fanden wir einfach cool.“ Mit diesen besonderen Erinnerungen waren die Ehemaligen des Abiturjahrgangs 1991 zu ihrem Treffen angereist. Über die sozialen Netzwerke hatte man sich untereinander verständigt. Erstmals nachdem sie vor 25 Jahren das Gymnasium verlassen hatten, erhielten die Ehemaligen nun auch die Möglichkeit eines Rundgangs durch das Haus I an der Seminarstraße.

„Der Rundgang durch die Schule weckte viele Erinnerungen an die Schulzeit.“ Schulleiter Volker Schütte übernahm gemeinsam mit Wolf-Rüdiger Francke diese Aufgabe. Anderhalb Stunden dauerte dieser Rundgang. Cornelia Esser-Hertel: „Es war total super, dieser Rundgang weckte viele Erinnerungen. Wir hatten einen sehr guten Vergleich zu den Räumlichkeiten, in denen wir unterrichtet wurden, und dem heutigen Zustand der Schule.“

Das Wirken des Fördervereins Bismarck-Gymnasiums stellte Wolf-Rüdiger Franke vor. Der langjährige Lehrer hatte in Vorbereitung des Treffens einige Bedenken: „Ich kann mit diesem Jahrgang kaum Gesichter in Verbindung bringen“, war er vor der ersten Begegnung etwas unsicher. Aber das Eis taute schon bei der ersten Begegnung auf dem Schulhof. Der Jahrgang will sich in fünf Jahren wieder in Genthin treffen.