Klimadoppel benachbarter Orte von Genthin

Wenn sich das Klima in den kommenden 60 Jahren um 1,8 Grad erwärmen würde und damit im Bereich der geplanten Klimaziele bleibt, dann ...

... wäre es in Jerichow, so warm wie heute in Innsbruck. Die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur im wärmsten Monat stiege von heute 23,2 auf 24,8 Grad.

Die Vegetationstage pro Jahr gingen von 261 auf 187 zurück.

... wäre es in Möckern, so warm wie heute in Iquique in Chile

die Temperatur stiege von heute 23,2 auf 25 Grad. Die Heiztage gingen von 252 auf 69 zurück. Die Kühltage stiegen von 53 auf 124.

Wenn die Klimaziele nicht erreicht würden und die Temperatur bis 2080 um 4,2 Grad stiege, dann...

... wäre es in Parey, so warm wie heute in Qaraghandy in Kasachstan. Die Temperatur stiege von 23,2 auf 27,3 Grad. Die Regenmenge (pro Jahr/pro qm) würde von 516 auf 309 sinken.

... dann wäre es in Tangermünde, so warm wie heute in Mzuzu in Malawi.

Die Temperatur stiege von 23 auf 26,9 Grad. Die Regenmenge stiege von 533 auf 1225.

Die Kühltage stiegen von 49 auf 309.

... dann wäre es in Brandenburg a. d. Havel, so warm wie heute in Nairobi in Kenia.

Die Temperaturen stiegen von 23,5 auf 27,6 Grad.

Die Regenmenge stiege von 538 auf 883.

Die Kühltage stiegen von 58 auf 338.

Genthin l Die Folgen des weltweiten Klimawandels, sind längst spürbar. In von Wetterkapriolen geplagten Landstrichen in Afrika oder Asien, sind die Folgen dramatisch. Auch wir konnten mit der langen Hitzeperiode und Starkregenfällen in diesem Jahr spüren, welche Folgen auf uns zukommen.

2015 hatte sich die Pariser Klimakonferenz vorgenommen, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad (gegenüber dem Niveau vor der Industrialisierung, also um 1850) zu begrenzen. Dass scheint angesichts der derzeitigen Situation kaum mehr zu schaffen. Begleitend zur derzeit tagenden Weltklimakonferenz, zeigt eine interaktive Karte im Internet, welche Folgen sich aus der Erderwärmung ergeben.

Daten des Weltklimarates und der Nasa

Beim sogenannten Klima-doppelszenario werden Daten des Weltklimarates (IPCC) und der Nasa zu Rate gezogen. Zugrunde liegt die Prognose der durchschnittlichen Tagestemperatur etwa von Genthin im Vergleich mit aktuellen Werten von Orten der ganzen Welt, die denen von Genthin im Jahr 2080 entsprechen würden.

Wetter wie in Kiew

Für Genthin würde eine Erderwärmung um 1,8 Grad bedeuten, dass es 2080 so warm würde, wie heute in Kiew. Die Temperatur stiege nach dem Modell von derzeit durchschnittlichen 23,3 Grad auf dann 24,9 Grad.

Während es zwar 21 Heiztage (Tage, an denen man Heizen muss) im Jahr weniger geben würde, stiegen die Kühltage (also heiße Tage an denen Ventilatoren oder Klimaanlagen zum Einsatz kämen) von 54 auf 95 an. Pflanzen wüchsen weniger. Die Vegetationstage sänken von 261 auf 221.

Zahl der Hitzetage steigt

Noch deutlicher würde sich das Klima Genthins verändern, wenn man eine Erderwärmung um 4,2 Grad zugrunde legt. Dann herrschte in Genthin ein Wetter, wie heute im ungarischen Szolnok, würde die Regenmenge mit 521 Liter (pro Jahr/pro Quadratmeter) fast identisch bleiben, würden sich die Kühltage auf 104 nahezu verdoppeln.

Mehr Hitze, sieht auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) kommen. „Die Klimaprojektionen zeigen für Sachsen-Anhalt einhergehend mit steigenden Temperaturen eine Verringerung der sommerlichen Niederschläge. Diese Kombination kann im Sommer zu einer Verstärkung sowohl der Dauer und Schwere von Dürreperioden führen“, sagt Dr. Philip Lorenz vom DWD-Klimabüro Potsdam.

Mehr Niederschlag im Winter

Er bestätigt die gleichbleibenden Jahresniederschläge, macht aber deutlich, dass die Niederschläge im Sommer abnehmen, die im Winter hingegen zunehmen. Und auch das droht: „Die Szenarien zeigen im Sommer eine Zunahme von Starkniederschlägen, daher können solche starken sommerlichen Regenfälle wie im August 2018 in Genthin, in Zukunft öfter vorkommen.“

Es gäbe einhergehend mit den projizierten höheren Temperaturen einen deutlichen Rückgang der Frost- und Eistage in Sachsen-Anhalt. „In allen Projektionen gibt es aber auch bis Ende des 21. Jahrhunderts noch Frost- und Eistage.“ Der Schnee zu Jahresende oder Beginn wird uns demnach nicht ganz verlassen, aber es gäbe deutliche Schwankungen zwischen den einzelnen Jahren, also auch weiterhin werde es eher kalte und eher warme Winter geben.

Klimawandel ist bemerkbar

Mit den höheren Temperaturen, würden sich auch Pflanzen und Tierwelt verändern. Eine Entwicklung, die bereits begonnen hat, wie Peter Sültmann vom Betreuungsforstamtes Elbe-Havel-Winkel bestätigt: „Schon heute gibt es auf Grund der Klimaveränderungen, Pflanzen und Tiere, die hier vor Jahren noch nicht beheimatet waren.“

Als typische Beispiele nennt Sültmann, die Nilgans oder den Waschbären bei den Tieren. Daneben gibt es die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) oder die Ambrosie (Ambrosia spez.) bei den Pflanzen.

Neue Bäume in Wäldern

Bei den Bäumen gäbe es speziell auch um Genthin, die spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina). „Diese tritt bereits jetzt invasiv in unseren Wäldern auf“, macht der Forstexperte deutlich.

„Bei der Klimaprognose werden in unseren Wäldern wohl die Kiefer, die Douglasie und eventuell die Küstentanne, nicht nur die Nadelbäume der Gegenwart, sondern auch der Zukunft sein.“ Bei den Laubbäumen seien es die Stiel- und Traubeneiche, auch die Roteiche, zudem die Birke und Robinie (Akazie im Volksmund).

Daneben gibt es im Hinblick auf den Klimawandel auch Problembäume: „Wie dieser Sommer zeigte, wird die Fichte in unserer Region zukünftig wohl keine Überlebenschance mehr haben.“ Dramatisch wäre es insofern, da laut allgemeiner Faustregel in der Forstwirtschaft ein „idealer Wald“ aus 30 Prozent Fichten, 40 Prozent Tannen und 30 Prozent Buchen- oder Laubbäumen bestehen sollte. Mehr zum Thema Klimadoppel und die interaktive Simulation, finden Sie hier.