Jerichow l Wie steht es um die Stiftung Kloster Jerichow und wohin soll die Reise gehen? Diese Frage stellt sich dieser Tage nicht nur der Landtagsabgeordnete Markus Kurze (CDU), der eine kleine Anfrage an die Landesregierung stellte, um Aufklärung über die finanzielle Situation der Stiftung zu erhalten. Schließlich werde die Klosteranlage immer wieder mit Steuergeldern gestützt und da müsse auch regelmäßig geguckt werden, so Kurze, ob die Gelder nachhaltig eingesetzt werden. Hierbei stellte sich jetzt heraus, dass die Stiftungsaufsicht sowohl ein strukturelles Defizit, als auch eine existenzbedrohende Lage der Stiftung bestätigt.

„Das Kloster Jerichow ist eine der bedeutendsten Kulturstätten im Lande Sachsen-Anhalt“, sagt Kurze. Die Landesregierung teilt die Einschätzung Kurzes zur Bedeutsamkeit des Klosters Jerichow als Baudenkmal von gesamtstaatlicher Bedeutung und unverzichtbarer Kulturinstitution für das Land Sachsen-Anhalt mit rund 30 000 Gästen jährlich. Die Prüfung in ihrer Gesamtheit sei zwar noch nicht abgeschlossen, so die Mitteilung, doch sei die Landesregierung bestrebt, eine Zahlungsunfähigkeit der Stiftung abzuwenden, „da sie diese wichtige und überregional wirksame Kulturinstitution nachhaltig zu schädigen geeignet wäre“.

Schwäche im Haushalt bereits bei Gründung

Roland Maiwald, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Kloster Jerichow, bestätigte die Aussage und sagt, dass schon mit der Gründung der Stiftung diese Schwäche im Haushalt angelegt gewesen sei. Das ziehe sich bis heute durch und Stiftung wie auch die Mitglieder des Kuratoriums seien bemüht, die Finanzierung dieses bedeutenden Kultur- wie Geschichtsstandortes zu sichern, aber auch neue Möglichkeiten zu erschließen. Denn es gibt keine festen Zuschüsse des sieben Mitglieder zählenden Kuratoriums, die da sind: das Land Sachsen-Anhalt, die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, der Landkreis Jerichower Land, die Stadt Jerichow, der Förder- und Heimatverein Stadt und Kloster Jerichow und die Evangelische Kirchengemeinde der Stadt Jerichow.

Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt laut dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Stiftung, Landrat Steffen Burchhardt (SPD), die Instandhaltung der Anlage seit Jahren mit großzügigen Zuwendungen. Die Stadt Jerichow hilft mit vielen kleinen Dingen vor Ort, unterstützte rückwirkend mit einem Zuschuss von 10 000 Euro. Die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands fördere projektbezogen. Erst vor kurzem ermöglichte sie mit einer Zuwendung von 40 000 Euro die Erteilung eines Fördermittelbescheides von 350 000 Euro durch das Land Sachsen-Anhalt. Die Gelder sind für den Umbau des Museums zu einem modernen Ausstellungs- und Wissensensemble vorgesehen (Volksstimme berichtete).

Zukunftsfähigkeit steht auf Kippe

Der Landkreis greift der Stiftung unter die Arme, indem er in diesem Jahr 40.000 Euro bereitstellt und hiermit die Pandemie-bedingten Mindereinnahmen ausgleicht. Damit wird zwar die Durststrecke der besucherschwachen Monate überwunden und die Situation der Stiftung für den Moment stabilisiert, doch von Zukunftsfähigkeit kann desgleichen mit diesen Zahlungen nicht die Rede sein. „Wir haben seit März alle eigenen Möglichkeiten zur Stabilisierung der Stiftung geprüft und ausgeschöpft“, erklärt Vorstandschef Maiwald.

Die meisten Mitarbeiter waren in Kurzarbeit, alle Verbindlichkeiten zu gefährdeten Veranstaltungen wurden weitestgehend reduziert und Soforthilfe beantragt. Mit der Möglichkeit, wieder Veranstaltungen stattfinden zu lassen, entwickelten die Mitarbeiter ein umsetzbares Hygiene-Konzept. So konnte die Reihe „Jerichower Sommermusiken“ als auch das Jazzfestival doch noch Besucher anziehen und das Kloster als Namensgeber und kultureller „Leuchtturm“ der Region im nördlichen Sachsen-Anhalt weiter etablieren. Hierdurch wird der Stiftungszweck durch die Nutzung der Klosteranlage für kirchengemeindliche Zwecke, für Konzerte und das Klostermuseum verwirklicht. So hat sich das Kloster Jerichow als Veranstaltungs- und Kulturbetrieb seit einigen Jahren erfolgreich etabliert.

Hoffnung auf zukünftige Einnahmen

Nach Aussage des Stiftungsvorstandes soll diese Ausrichtung auch künftig weiter im gegenwärtigen Umfang fortgeführt werden. Hoffnung hegt Maiwald auch mit der Eröffnung der Storchenscheune, die dann als Veranstaltungsort für Hochzeiten, Konzerte oder Sitzungen zur Verfügung stehe. „Damit können wir im Herbst und Winter Einnahmen erzielen“, so Maiwald und betont: „Das war für uns bisher in dieser Form nicht möglich.“

Auf die Initiative von Landrat Burchhardt haben alle Kuratoren zugesagt, zu prüfen, ob weitere finanzielle Unterstützung gewährt werden kann. „Der Kreistag weiß ob der hohen Bedeutung der Stiftung und hat diese schon seit einigen Jahren finanziell unterstützt“, betont Burchhardt. Zudem stehe er im engen Austausch mit dem Vorstand und der Geschäftsführung der Klosterstiftung und diese informiere das Kuratorium regelmäßig über dessen finanzielle Entwicklung. Abseits eines Beratungsgesprächs über mögliche Wege zur Konsolidierung des Stiftungshaushalts, hat das Kuratorium der Stiftung den Vorstand beauftragt, eine Zusammenlegung oder Auflösung der Stiftung Kloster Jerichow zu prüfen.

Teil der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt?

Je nach Prüfungsergebnis, könnte die Stiftung Teil der Kulturstiftung Sachsen-Anhalts werden und hier ihren derzeitigen Stiftungszweck dauerhaft verwirklichen. Die Mitglieder der Stiftung Kloster Jerichow hatten bereits 2004 in der Stiftungssatzung geregelt, dass im Falle der Notwendigkeit einer Auflösung der Stiftung ihre dauerhaften Ziele bestmöglich durch die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt fortgeführt werden sollten.

Der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt als staatlicher Stiftung des öffentlichen Rechts obliegt die Erhaltung, Pflege und Vermittlung von gegenwärtig 18 hochrangigen Kulturdenkmalen des Landes Sachsen-Anhalt, darunter etwa der Havelberger Dom oder die Klöster Hamersleben und Michaelstein. Laut Maiwald werden Kuratorium und Vorstand das Ergebnis der Prüfung abwarten.

Bund, Land und Landkreis gefordert

Markus Kurze will die Kräfte bündeln und appelliert an alle Beteiligten gemeinsam zu handeln. „Jetzt gilt es mit Bund, Land und Landkreis gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen, um das Kloster Jerichow auf zukunftsfeste Beine zu stellen. Ich weiß unseren Kulturstaatsminister Rainer Robra an unserer Seite“, so abschließend der Landtagsabgeordnete.