Genthin l „Wir brauchen Nachwuchs in Ortschaftsräten und im Stadtrat“, brachte Tucheims Ortsbürgermeister und Stadtseniorenmitglied Karl-Heinz Steinel seine Meinung auf den Punkt. Ältere Engagierte, die Sitzungen verlässlich wahrnehmen und sich für ihren Ort und ihre Stadt einsetzen, seien zwar schön und gut, aber es müssten auch jüngere Sichtweisen in die Gremien eingebracht werden.

„Ich habe bereits einige Jüngere angesprochen und gefragt, ob sie sich nicht aufstellen lassen möchten“, berichtete Steinel. Für seine Bemühungen erhielt Steinel Zustimmung seiner Stadtsenioren-Kollegen. „Allerdings ist es nicht leicht, geeignete Menschen zu finden, die sich engagieren wollen“, fand etwa Roland Klaukien. „Uns würde interessieren, wie junge Leute über eine Kandidatur denken“, meinten die Senioren und spielten auf das Engagement von rund zehn Jugendlichen aus Genthin, Jerichow und Parey an. Sie haben sich im Jugendforum zusammengeschlossen und beschließen und betreuen gemeinsam Aktionen wie Graffitiprojekte oder Sportturniere.

Die Jugendlichen sind auf Anfrage allerdings zurückhaltend. „Ich bin schon interessiert, was in der Stadt passiert und engagiere mich auch gern für das Jugendforum, aber wir sind alle in einem Alter“, sagt Rebecca Flügge. „Im Stadtrat oder Ortschaftsrat sitzen Ältere, die uns vielleicht gar nicht erst nehmen“, befürchtet sie. Es sei zudem schwierig, sich in die umfangreiche Materie der aktuellen Themen einzufinden und überhaupt mitreden zu können, nennt sie einen weiteren Hemmschuh. „Viele Diskussionen sind sehr langwierig und am Ende weiß man nicht, ob man wirklich die richtige Entscheidung getroffen hat“, findet etwa Jeanny Berndt.

Stadtratssitzung besuchen und Fragen stellen

Auch sei es schwierig zu sagen, ob man sich in einem Gremium für fünf Jahre verpflichten könne. „Wir sind im Alter von 16 bis Anfang 20 und stehen am Anfang unseres beruflichen Weges mit Studium und Ausbildung, wir wissen gar nicht, wo wir in drei oder vier Jahren sind“, sagt Sarah Eckold. Mayem Miehe würde sich vor einem Engagement in der Lokalpolitik erst noch informieren: „Ich würde mir erst einmal anschauen, wie Ratssitzungen ablaufen, ich finde es gut, dass man den öffentlichen Sitzungen Teil der Stadtratssitzung besuchen kann und auch Fragen stellen darf“, nennt sie einen ersten Schritt, der zum lokalen Engagement führen könnte.

Auch wenn die Runde im Moment noch zurückhaltend ist, in ein paar Jahren, etwa nach einem Umzug in die eigenen vier Wände, erfolgter Familiengründung und den ersten Schritten im Beruf, sei es denkbar, sich zu engagieren. „Mit Ende 20 hat man schon etwas mehr Lebenserfahrung und ist auch noch ein junger Kandidat“, meinen die Forumsmitglieder.

Hürden für Kandidatur nicht hoch

Die Hürden für eine Kandidatur sind grundsätzlich gar nicht so hoch, sagt Stadtwahlleiterin Carola Elsner. „Wählbar sind Bürgerinnen und Bürger, die Deutsche im Sinne des Artikels 116 des Grundgesetzes sind oder die Staatsangehörigkeit eines anderen Mitgliedstaates der Europäischen Union besitzen.“ Zudem müssen die Kandidaten am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet haben und seit mindestens drei Monaten in der Stadt (Stadtratskandidaten) oder der Ortschaft (Ortschaftsratskandidaten) wohnen.

„Allerdings dürfen sie nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sein oder infolge Richterspruchs die Wählbarkeit oder die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter verloren haben.“ Übrigens nicht nur über eine Partei kann man für Gremien kandidieren, es ist auch möglich, via Wählergruppen oder Einzelbewerber anzutreten. Allerdings, ähnlich wie bei der Genthiner Bürgermeisterwahl 2018, muss ein Einzelbewerber 100 Unterstützer-Unterschriften zu seiner Kandidatur einreichen. Das gilt auch für Wählergruppen und Parteien, die nicht vom Landeswahlleiter benannt sind.

Die Einreichungsfrist für Wahlvorschläge endet am 18. März um 18 Uhr. Am 26. Mai sind auf kommunaler Ebene Stadtrat und Ortschaftsräte neu zu wählen. Außerdem findet an diesem Tag die Wahl zum Europaparlament statt.