Genthin l Auf dem Markt wird nicht nur eingekauft, sondern auch gern ein Tratsch gehalten. Nun ist der Markt selbst ins Zentrum vieler Gespräche gerückt. Im Wochenblatt „Der Genthiner“ lieferten sich Betreiber Bernd Gellesch und Bürgermeister Thomas Barz einen Schlagabtausch per Leserbrief und Pressemitteilung.

Streitpunkt: Pacht

Gellesch kritisiert vor allem die Pacht, die er an die Stadt zahlt, und die seiner Meinung nach zu hoch ist. Ausgehandelt wurde die bereits 2006. Seit dem betreibt Gellesch den Genthiner Wochenmarkt nämlich und zahlt 16.500 Euro im Jahr an die Stadt. Das sind 1375 im Monat und 40 Cent pro Quadratmeter Nutzfläche. Inklusive Betriebskosten kommt Gellesch nach eigenen Angaben auf 1526 Euro im Monat.

Ein Blick nach Burg zeigt, dass das tatsächlich nicht wenig ist. Laut Volksstimme-Informationen zahlt der dortige Marktbetreiber, die Deutsche Marktgilde eG, mit zirka 11.000 Euro immerhin etwa 5000 Euro weniger im Jahr. Gellesch kritisiert, dass die Stadt Genthin an „starren Vereinbarungen“ festhalte, während man woanders Gebühren gesenkt hätte. Gellesch betreibt nach eigenen Angaben 16 andere Märkte in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. „Dort habe ich nur positive Erfahrungen gemacht.“

Kein Einzelfall

Allerdings zeigt ein Blick ins Archiv der Märkischen Allgemeinen oder der Märkischen Oderzeitung, auch anderswo gab es öffentlich ausgetragene Streitigkeiten zwischen Städten, Händlern und Gellesch: 2011 stritt er mit der Stadt Nauen, die den Markt nicht mehr von ihm betreiben lassen wollte. 2013 beschwerte sich Gellesch in einem Leserbrief über einen Händler auf seinem Markt in Perleberg. Auch die Stadt Brandenburg an der Havel zog seinen Unmut auf sich, als sie sich 2015 gegen ihn als Betreiber von vier ausgeschriebenen Wochenmärkten entschieden hat.

Zurück nach Genthin: Hier schließt Thomas Barz eine Senkung der Pacht ohne neue Ausschreibung des Marktes aus. „Wir haben Herrn Gellesch mehrfach mitgeteilt, dass eine Pachtsenkung im laufenden Vertrag nicht in Betracht kommt.“ Dies sei nicht seine Entscheidung, sondern eine rechtliche Frage. „Die Pacht wurde durch eine öffentliche Ausschreibung ermittelt.

Vertrag läuft ein Jahr

Insofern sind die Vertragspartner an das Ergebnis gebunden.“ Der Vertrag läuft immer für ein Jahr und verlängert sich - wenn nicht gekündigt wird - um ein weiteres. „Es gibt also die Möglichkeit, den Vertrag in jedem Jahr zu kündigen“, sagt Barz. Und: „Bisher hat Herr Gellesch keine Kündigung vorgelegt, obwohl er seit 2015 über eine schlechte Ertragslage klagt.“ Die jährliche Vertragslaufzeit ermögliche den Vertragspartnern, auf negative Entwicklungen zu reagieren und eine neue Ermittlung des Marktwertes durchzuführen.

Gellesch sagt auf Volksstimme-Nachfrage, dass er, sollte die Pacht nicht gesenkt werden, den Vertrag im nächsten Jahr kündigen wird. Das scheint im laufenden Konflikt der einzige Punkt zu sein, in dem man sich näher kommt. Denn auch Thomas Barz sagt: „Mit Blick auf die vergangenen Monate werden wir für den Stadtrat eine Beschlussvorlage entwerfen, die die ordentliche Kündigung des Vertrages vorsieht.“ Auch für eine außerordentliche Kündigung Gelleschs zeigt er sich inzwischen gesprächsbereit.

Neues Modell

Fraglich scheint also nicht mehr, ob gekündigt wird, sondern wer wem zuerst kündigt. Doch wie ginge es danach weiter? Barz verspricht: „In jedem Fall wird es weiterhin einen Wochenmarkt in Genthin geben.“ Zu den Modalitäten erklärt der Stadtchef: „Nach der Kündigung würde die Stadt die Betreibung des Marktes neu ausschreiben und vergeben.“ Auch für Gellesch wäre der Wochenmarkt nicht automatisch verloren: „Er kann sich wieder bewerben und nach Bewertung des Angebots wieder betreiben.“ Barz stellt aber klar: „Es ist davon auszugehen, dass es weitere Bewerber geben wird.“

Bereits bei der vergangenen Sitzung des Stadtrates hatte der Bürgermeister in den Raum gestellt, dass auch die Stadt selbst als potenzieller Betreiber des Marktes in Frage käme. Die Stadt Stendal macht es als Betreiber des dortigen Wochenmarktes vor. Wer seine Ware dort anbieten möchte, meldet sich direkt bei der Stadt.

Stadt als Betreiber

„Aktuell präferiere ich diese Variante“, sagt Barz und zählt die Vorteile auf: Es gebe weitreichendere Möglichkeiten auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Außerdem könnte man den Markt attraktiver gestalten, zum Beispiel mit regionalen Erzeugern und einem breiteren Spektrum an Angeboten. Der Standort würde für die Händler interessanter, da die Gebühren mangels zwischengeschaltenem Marktbetreiber geringer werden würden. „Ebenso werden wir Wert darauf legen, dass die Marktzeiten auch eingehalten werden, da oft beklagt wird, dass der Markt eigentlich in der Zeit von 8 bis 16 Uhr offen sein soll.“

Der Bürgermeister stellt noch eine weitere Verbesserung in Aussicht: „Wir werden prüfen, ob wir nicht auch einen Samstag als Markttag einführen, da vielfach der Wunsch an uns herangetragen wurde.“