Burg/Genthin l Der Landkreis Regen in Bayern muss ein sehr friedlicher Ort sein. Die bayerische Region mit rund 77.500 Einwohnern ist jedenfalls auf dem letzten Platz des aktuellen Streitatlasses der Generali Versicherungen gelandet. Etwa auf jeden Siebten ist ein Streitfall gekommen, genau 13,02 pro 100 Einwohner.

Ganz anders sieht die Situation im Jerichower Land aus. Auf fast jeden Dritten der gut 90.000 Einwohner entfliel eine rechtliche Auseinandersetzung. Genau waren es 28,95 Streitfälle auf 100 Einwohner. Die Nachbarschaft des Jerichower Landes ist in Sachen Streit sehr unterschiedlich. Während es im Havelland mit 32,98 sogar noch mehr Auseinandersetzungen gab, liegt der Wert im Landkreis Stendal mit 21,55 deutlich darunter.

Auf 100 Einwohner 34 Streitfälle

Die Lust auf rechtliche Auseinandersetzungen, das zeigt der Streitatlas ganz deutlich, ist aber ganz und gar keine Eigenheit des Jerichower Landes. Den Spitzenplatz belegt der Landkreis Oberhausen in Nordrhein-Westfalen: Auf 100 Einwohner kommen dort 34,11 Streitfälle. .

Am streitlustigsten sind im Jerichower Land die 46- bis 55-Jährigen, sie stellen mit 27,6 Prozent den größten Anteil. Die ganz Jungen und ganz Alten sind eher selten in einen Rechtsstreit verwickelt, die 18- bis 25-Jährigen machen 1,5 Prozent aus, die über 66-Jährigen 6,8. Mit 63,4 Prozent waren die männlichen Streithähne deutlich in der Mehrheit. Vor zehn Jahren (2009) waren junge Erwachsene unter 36 Jahren für nur 13,9 Prozent aller Streitfälle verantwortlich – heute sind es bereits 23,7 Prozent.

Privat- und Strafrecht Hauptstreitpunkt

Hauptsächlich ging es um Privat- und Strafrecht mit 37,8 Prozent. Das lag auch deutschlandweit mit 38,4 Prozent. Es folgten Verkehr und Mobilität mit 25,3 Prozent (Deutschland: 29,9 Prozent). Auf dem dritten Platz lagen in der Region und im ganzen Land Streitigkeiten rund um Arbeit und Unternehmen, im Jerichower Land mit 16,4 Prozent, deutschlandweit bei 13,1 Prozent. Am Ende der Rangliste ändert sich aber die Reihenfolge. Auf dem vorletzten Platz stehen Behörden, Verwaltung und Miete mit 10,4 Prozent, deutschlandweit Schlusslicht (7,3 Prozent). Ganz hinten landen in der Region Wohnen und Miete mit zehn Prozent, im ganzen Land sind sie mit 11,3 Prozent auf dem vorletzten Platz.

Für den Streitatlas haben die Generali Versicherungen die Daten ihres Rechtsschutzversicherers Advocard ausgewertet. Auch wenn eine Rechtsschutzversicherung dazu verleiten mag, vor Gericht zu gehen, betont Vorstandsvorsitzender Giovanni Liverani in einer Pressemitteilung eine andere Intention. „Mit dem Streitatlas präsentieren wir eine detaillierte Analyse des Streitverhaltens in Deutschland. Durch die Veröffentlichung möchten wir die Gesellschaft für das steigende Risiko sensibilisieren, selbst im Alltag in Rechtsstreititigkeiten verwickelt zu werden“, erklärte er. Streitprävention sollte daher im Interesse aller liegen.

Seit dem ersten Streitatlas sind gut zwei Millionen Streitfälle in Deutschland ausgewertet. Daraus hat sich ergeben, dass die Deutschen immer häufiger und heftiger miteinander streiten - insbesondere das private Umfeld bietet dazu viele Anlässe. Fast die Hälfte aller Streitfälle (48 Prozent) dauert zwölf Monate und länger. Im Vergleich zum vorangegangenen Streitatlas ist bei den langwierigen Auseinandersetzungen eine Zunahme um 4,5 Prozent zu verzeichnen. Dies hängt verstärkt mit der Langwierigkeit von Gerichtsprozessen zusammen, die aufgrund vieler beteiligter Akteure und rechtlicher Handlungsoptionen, wie dem Gang durch mehrere Instanzen, länger dauern können. Von diesen Möglichkeiten wird auch immer mehr Gebrauch gemacht.

Streitwert ist gestiegen

Bei jedem zehnten Streit liegt der Streitwert bei mehr als 10 .000 Euro. Im Vergleich zum vorherigen Streitatlas ist dies ein Anstieg um 2,8 Prozent. Auseinandersetzungen mit niedrigen Streitwerten bis 2000 Euro haben mit 3,1 Prozent am stärksten abgenommen.

„Streitfälle sind alle eingegangenen Beschwerden, die eine rechtliche Relevanz besitzen. Dabei ist es nicht wichtig, ob diese Streitfälle beispielsweise durch einen Mediator geklärt wurden oder ein Verfahren eingeleitet wurde. Dadurch sind die betrachteten Streitfälle umfangreicher als beispielsweise Auswertungen von Gerichten“, erklärte Katharina Schölzel auf Nachfrage der Volksstimme..