Jerichow l In einer gemeinsamen Runde wertete die Krankenhaus-Leitung bisher ergriffene Schritte im Umgang mit der Pandemie aus und haben zudem die Entwicklung im Blick, virologisch und sowohl politisch: Geschäftsführer der Einrichtung, Thomas Wendler, der ärztlicher Leiter Dr. Martin Häring, Pflegedienstleiter Volker Raudszus und Verwaltungsleiter Voigt. „Wir setzen die Weisungen des Gesundheitsministeriums um“, betont Wendler und rückt ins Blickfeld, „dass das strenge Besuchsverbot Sachsen-Anhalt weit gelte.“

Innerhalb der Klinik haben sich Abläufe geändert, alternative Vorgehensweisen wurden entwickelt, damit Therapien weiterhin stattfinden können und dabei das Ansteckungsrisiko so gut wie es geht zu minimieren. Dazu Dr. Häring: „Wir befinden uns nach wie vor in einer therapeutischen Situation.“ Die Patienten werden nicht allein gelassen, sondern werden umsorgt von den Pflegern, Ärzten und Psychologen, wie er sagt, „alle kümmern sich um das körperliche und, das ist ja unsere Kernaufgabe, um das seelisch Wohlbefinden unserer Patienten.“ Häring hofft, dass die Tageskliniken bald wieder öffnen können. Deren Patienten stehen in enger telefonischer Betreuung mit ihren Therapeuten, Tagesklink-Patienten, die einer intensiveren Behandlung bedürfen, habe man Plätze auf den Stationen eingeräumt.

Interne Arbeitsweisen wurden ebenfalls angepasst, erprobt und auf Effektivität geprüft. So gab es, laut Wendler, vorher einen Pool an Therapeuten. Aus den verschiedenen Häusern und Station gingen dann die Patienten zu den Behandlungen. Einerseits gab es da viel Bewegung auf dem Gelände, was in normalen Zeiten auch erwünscht sei, andererseits böte ein Weiterführen dieses Modus ein „unglaubliches Verbreitungspotential für den Virus.“

Zutrittsbeschränkungen und Besuchsverbot

Sofort änderte man die Vorgehensweise und ordnete jedem Wohnbereich zwei feste Therapeuten zu. Die nahm man von den Tageskliniken, hier gab es ja auf Grund der Schließungen keine Patienten mehr, erörtert Pflegedienstleiter Volker Raudszus. Das führe zwar zu Einschränkungen in der Vielfalt der Therapien, jeder Therapeut habe ein bestimmte Spezialausrichtung, so Geschäftsführer Thomas Wendler, doch diese Maßnahme biete weitgehende Sicherheit. „Sollte es zu einem Ansteckungsfall kommen, werde der nicht auf dem Gelände herumgetragen.“ Neben den Zutrittsbeschränkungen für das Gelände des Krankenhauses und dem Besuchsverbot sei das Herstellen und Halten der therapeutischen Autarkie der Stationen Schwerpunkt aller Maßnahmen.

Thomas Wendler und sein Verwaltungschef Dennis Voigt betonen, dass es wichtig sei, immer die neuesten „Corona-News“ zu lesen. Denn das Tages-Geschäft sei es, Informationen zu erlangen, auszuwerten und deren Verteilung zu koordinieren. „Anfangs haben wir uns täglich in einer erweiterten Krankenhausleitung getroffen, um uns abzustimmen“, so Wendler und sagt, „Das haben wir jetzt auf jeden zweiten Tag festgelegt, doch bei Bedarf kommen wir sofort zusammen.“

Aufnahmestation ist Neuerung

Ebenfalls neu ist die Einrichtung einer Aufnahmestation. Hier wird, wie Dr. Häring sagt, die Situation eines neuen Patienten bewertet und dazu gehöre auch ein Test auf den Virus. Leider sei es „logistisch nicht möglich“, die Mitarbeiter täglich zu testen, verdeutlicht Pflegedienstleiter Raudszus. Hier sind alle Angestellten angewiesen, bei eventuellen Symptomen sich von zu Hause aus krank zu melden und in Quarantäne zu begeben.

Er spricht auch eine besondere Herausforderung an: Das Bescheinigen der beruflichen Systemrelevanz. „Damit unsere Mitarbeiter überhaupt weiter zur Arbeit kommen konnten, stellte ich Bescheinigungen aus, wodurch ihre Kinder in die Notbetreuung der Kitas und Schulen durften“, so Volker Raudszus. Das hätte seiner Ansicht nach reichen müssen, doch der Amtsschimmel wieherte auch in dieser Situation. „Jeder Landkreis entwickelte noch eigene Formulare und forderte diese ein.“ Hier hätte sich der Pflegedienstleiter weniger komplizierte Verfahren gewünscht.

Mehr Personal als Patienten

Raudszus stellt sich mit der hoffentlich bald einsetzenden Rückkehr zur Normalität die Frage: Wie entwickelt sich dann der tatsächliche Arbeitsalltag? Derzeit habe er auf den Stationen einen erhöhten Personalschlüssel bei weniger Patienten. Das führe auch zur spürbaren Entlastung der materiellen Ressourcen und dazu kommt, dass notwendige medizinische Ausrüstung wie Schutzkleidung und Desinfektionsmittel ohne bürokratische Hürden beschafft werden können. „An solche Vorzüge kann man sich schnell gewöhnen“, weiß der Pflegedienstleiter. Was von der Corona-Krise bleiben wird, stellt Verwaltungschef Voigt fest, „dass diese Situation uns alle zusammenschweißt.“ Viele Mitarbeiter übernehmen freiwillig zusätzliche Aufgaben, unterstützen unter anderem am Sorgentelefon. Sie seien sich ihrer Verantwortung für die Patienten und der Gesellschaft bewusst und „wollen etwas dafür tun.“ Oberstes Ziel der Mitarbeiter sei es, so die Krankenhausleitung, „allen uns anvertrauten Menschen weiterhin sehr gute Dienstleistungen zu bieten und gleichzeitig die Gesundheit und Sicherheit der Belegschaft zu jeder Zeit zu gewährleisten.“

Auf einen anderen Punkt kommt Geschäftsführer Thomas Wendler noch zu sprechen: Im Moment seien alle froh über jedes Bett, dass zur Verfügung stehe. Bisher ging die Richtung zu immer mehr Qualität und Dokumentation, die Anzahl der Krankenhäuser sah man als vernachlässigbar an. „Die Politik wird hoffentlich nach der Krise den Wert der Krankenhauslandschaft zu schätzen wissen“, betont Wendler.