Genthin l „Gründung eines Versorgungszentrums“ heißt es trocken, aber doch hoffnungsvoll auf der Tagesordnung des Bildungs-, Kultur- und Sozialausschusses, der in der nächsten Woche zusammenkommen wird.

Es scheint, als komme damit Bewegung in die Ankündigungen von Bürgermeister Thomas Barz (CDU), die Gesundheitsfürsorge in der Region nach der Schließung des Krankenhauses verbessern zu wollen. Barz hob in diesem Zusammenhang darauf ab, ob und wie das ehemalige Krankenhausgelände genutzt werden kann und wie sich die Stadt auf der Suche nach einer Lösung einbinden lassen kann.

Gespräche

Bisher, bestätigte der Bürgermeister, habe es Gespräche mit Krankenkassen und Vereinigungen gegeben, bei denen ein Medizinisches Versorgungszentrum zunächst einmal in Erwägung gezogen wurde.

„Sollten sich zulassungsfähige Ärzte finden, die sich dort nachhaltig engagieren möchten, stehen wir jederzeit zu konstruktiven Gesprächen bereit“, signalisierte Janine Krausnick, Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt auf Nachfrage der Volksstimme.

Seit 2004

In Medizinische Versorgungszentren können beliebig viele zugelassene Ärzte im Angestelltenverhältnis arbeiten. Medizinische Versorgungszentren können fachübergreifend Fachärzte unterschiedlicher Richtungen beschäftigen, oder nur aus Ärzten einer Fachrichtung bestehen. Die Zulassung erfolgt über den Zulassungsausschuss bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Medizinische Versorgungszentren gibt es seit 2004.

Zurzeit habe Genthin noch eine relativ gute ärztliche Versorgung, doch in den nächsten Jahren werde sich diese Situation stark nachteilig entwickeln, sagt Bürgermeister Barz. Aufgrund der Altersstruktur gebe es einige Ärzte, die sich naturgemäß nicht mehr auf größere Investitionen einlassen würden. „Die Kommune sieht sich hier in der Pflicht, in Genthin gute Bedingungen für junge Ärzte zu schaffen.“ Barz betonte ausdrücklich, dass ein Medizinisches Versorgungszentrum nicht in Konkurrenz zu den niedergelassenen Ärzten aufgebaut werden solle.

Vorberatung

Um eine Entscheidung wasserdicht machen zu können, wird nun der Stadtrat eingebunden werden. Zunächst allerdings zaghaft mit einer Vorberatung, wobei der Stadtrat bereits in seiner Sitzung am 26. April zu einer Entscheidung kommen soll.

Die Vorlage zu dieser Vorberatung im Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss fällt textlich allerdings noch sehr sparsam aus.

Dass zurzeit nichts in trockenen Tüchern ist, lassen Reaktionen vom Ausschussvorsitzenden Gordon Heringshausen (CDU-Fraktion) und von Alexander Otto (CDU) durchblicken. Beide sahen sich gegenwärtig noch nicht ausreichend informiert, um Fragen der Volksstimme bezüglich eines Medizinischen Versorgungszentrums in Genthin zu beantworten. Bürgermeister Thomas Barz beschreibt den gegenwärtigen Status quo so: Es geht einfach darum, dass der Stadtrat sagt: „Ja, wir wollen diesen Weg gehen. Oder wir lehnen den Vorschlag ab.“

Standort-Frage

Gibt der Stadtrat Ende April seine Zustimmung, will die Verwaltung zunächst ein Konzept zur ärztlichen Versorgung erstellen, das die medizinische Versorgung in der Region genau darstellt. Wenn die Stadträte ein Medizinisches Versorgungszentrum befürworten, wird die Stadt mit den Johannitern über die Nutzung des bisherigen Standortes reden müssen.

Zu spät kam für Genthin die Ansage von Sozialministerin Petra Grimm-Brenne (SPD) in einem Interview vor einigen Tagen, dass keines der knapp 50 Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt geschlossen werden soll. Sie plädierte dafür, dass benachbarte Krankenhäuser mehr zusammenarbeiten. Und wichtig für Genthin: Eine Notfallversorgung solle es überall geben.