Kleinwulkow l Ralf Schönfeld ist in Kleinwulkow aufgewachsen. Sein Vater Karl-Ludwig war nach der Wende lange Bürgermeister des Jerichower Ortsteil Wulkow. Gerne sitzt er am Abend auf dem Balkon seines Hauses und lässt die Gedanken schweifen, zurück, aber noch viel lieber in die Zukunft. Schräg gegenüber seinem Anwesen leben die Eltern.

Er beschäftigt in seinem Unternehmen drei Mitarbeiter und ist in Sachsen-Anhalt und Brandenburg zumeist für öffentliche Träger im Bereich Gartenbau tätig. Er kennt die Ecke gut, das Leben in Kleinwulkow, das er seit 15 Jahren mit seiner Lebensgefährtin Heike Ostrowski führt.

Der Weg zur Selbstständigkeit ist ohne Kanten. Er besuchte in Brettin die Polytechnische Oberschule und absolvierte anschließend eine Berufsausbildung zu Landschaftsgärtner. „Es wurden nur jährlich drei Leute im Kreis Genthin ausgebildet“, sagt er stolz.

Doch er wollte weiterkommen. Er absolvierte ein Studium im Bereich Garten- und Landschaftsbau in Erfurt. Arbeit fand er danach in der Baumschule des Genthiner Gartenbaus. Im Jahre 1994 gründete er dann sein eigenes Unternehmen.

Doch nun geht sein Blick voraus. „Ich freue mich, dass ich in dieser strukturschwachen Region Visionen entwickeln kann“, sagt er, sehr nachdenklich. Seine Hobbys sind der Garten und das Reisen. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin fährt er um die Welt. Sie waren unter anderem in Ägypten, Südafrika, Indien, Malaysia, Kambodscha und Bali. Auch in Europa war er unterwegs.

Dort wird viel ausprobiert

Unvergesslich bleibt ihm ein Besuch in Singapur. „Leute können trotz schwieriger Lebensverhältnisse Visionen und Ziele haben und können die dort ohne viel Behördenkram angehen. Dort wird viel ausprobiert und versucht. Das fehlt mir in der Region hier ein wenig“, sagt Schönefeld kritisch. Dreimal war er bereits in Singapur.

Zielstrebigkeit und Ausdauer könne man da sehr gut lernen. Er schaute da hin, wie Wirtschaft funktioniert und es gefällt ihm. „Die Händler dort haben ein vielfältiges Angebot und meines Erachtens schafft sich jeder klug und in Abstimmung mit anderen seine Nische. Da wird nachgefragt, was der Kunde braucht.“

Dann ist er gedanklich wieder in Deutschland, in Kleinwulkow. „Leider gibt es hier in Kleinwulkow aufgrund der Bevölkerungsentwicklung keinen Kindergarten mehr, die jungen Leute ziehen weg. Ohne Visionen gibt es hier keine weitere Entwicklung“, ist seine Meinung.

Ein gesundes Leben gehört für ihn mit dazu. „Wir pflanzen zur Eigenversorgung Paprika, Tomaten, Kartoffeln und noch weitere Gemüsesorten an, wir müssen fast keine Ergänzungen kaufen. So wissen wir, dass keine Pestizide verwendet werden.“ Und so gehört auch das Kochen zu seinen Hobbys.

Eine besondere Spezialität mit internationaler Note ist das Tonkabohneneis. Tonkabohnen sind die Samen des Tonkabaums. Das Eis schmeckt wie eine süßliche Mischung aus Vanille, Marzipan und Mandel. Der Baum kommt im nördlichen Südamerika vor. Ein Anbau erfolgt in Südamerika, auf Trinidad und im tropischen Afrika. Wieder ein Stück Übersee in Kleinwulkow.

Ralf Schönefeld schätzt Veranstaltungen, die mit Gartenbau, Gartenanlagen zu tun haben. Seit 1999 ist er öfters auf der Landesgarten- oder Bundesgartenschau gewesen. Und er präsentiert sich mit seinen Visionen auch in Burg. „Der Weg von unserem heutigen Leben mit dem unmäßigen Zerstören von Ressourcen, dem unmäßigen Konsum hin zu einer Kreislaufwirtschaft, das ist mein Thema.“ Das zeigt er in drei sogenannten „Gartenzimmern“ auf etwa 100 Quadratmetern Fläche. „Wir zeigen dort die Möglichkeit, wie wir unser Leben nachhaltig verändern können.“

Die Zimmer sind im Flickschupark in Burg zu besichtigen. In einem weiteren Schritt will Schönefeld den Jerichower Bürgermeister und den Landrat einladen und dann über seine Visionen informieren.