Burg/Genthin l Noch weihnachtet es mit der Adventskalender-Ausstellung im Genthiner Kreismuseum. Doch trotz der Freude über eine große Besucherresonanz muss der Blick von Museumsleiterin Antonia Beran in der Austellungsplanung auf das neue Jahr gerichtet sein.

Umfangreiche Recherche

Gute Ausstellungen brauchen zeitlichen Vorlauf, ein hieb- und stichfestes Konzept und umfangreiche Recherchearbeit. Während sich in der Weihnachtsausstellung noch die Türchen der Adventskalender für die Besucher öffnen, steckt Antonia Beran bereits in den Vorbereitungen zu einer Ausstellung, die Anfang März eröffnet wird. Sie thematisiert starke Frauen und außergewöhnliche Frauenschicksale aus dem Jerichower Land. Damit wird das Museum Neuland betreten. Eine vergleichbare Ausstellung gab es bisher noch nicht.

Im Mittelpunkt stehen Frauen aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert, die außergewöhnlich oder ihrer Zeit voraus waren. „Also Grenzgängerinnen“, beschreibt die Museumsleiterin diese Frauen punktgenau. Sinnig-salopp so auch der Titel der Ausstellung: „Aus dem Rahmen gefallen“.

100 Jahre Frauenwahlrecht

Ein Frauenthema habe zum Auftakt des Jahres eigentlich „in der Luft gelegen“, sagt die Museumsleiterin. Die Völkerkundlerin hatte dabei insbesondere „100 Jahre Frauenwahlrecht“ im Auge, ein Jubiläum, das im November begangen wurde.

Eine Adelige studiert Jura

Eine Anregung, sich mit interessanten Frauen aus dem Jerichower Land zu beschäftigen, boten für Antonia Beran darüber hinaus Dokumente und Fotos aus dem Leben der Schriftstellerin Dr. jur. Elsa von Bonin (1882-1965). Nachfahren ihrer Schwester hatte sie dem Kreismuseum überlassen. Der Öffentlichkeit sind sie bisher noch nicht zugänglich gemacht worden. Ungewöhnlich für eine Adlige wie Elsa von Bonin war ihr Jurastudium in Jena und Berlin sowie die anschließende Promotion 1916. Bekannt wurde sie durch ihre Frauen- und Heimatromane, unter anderem mit dem autobiographischen Roman „Das Leben der Renée von Catte“ (1911).

Den „letzten Anstoß“, räumt Antonia Beran ein, mit einer Ausstellung einmal andere Wege zu beschreiten und ein provokantes Thema wie diese Frauenbiografien aufzugreifen, sei letztlich auch vom Berliner Projektbüro gekommen, das gegenwärtig an dem Konzept für ein „Mobiles Museum“ arbeitet (Volksstimme berichtete).

Tragende Rollen

Etwa zehn bis zwölf Frauenpersönlichkeiten werden die tragenden Rollen der Ausstellung übernehmen. Darunter sind beispielsweise eine Pastorinnen-Gattin aus Detershagen, einer Scharfrichter-Gattin aus dem Jerichower Land, aber auch die Schriftstellerin und gebürtige Burgerin Brigitte Reimann oder Lieselotte Busse, die Schweinefürstin aus Hohenseeden. Ihre Lebensgeschichten werden in der Ausstellung in Beziehung gesetzt zum gewöhnlichen Alltagsleben der Frauen in der jeweiligen Epoche, erklärt Antonia Beran die museale Reflexion der Biografien.

Zusammenarbeit mit Burgerinnen

Die Museumsleiterin wird als „Austellungsmacherin“ unterstützt von Karina Cleve, Gleichstellungsbeauftrage der Kreisverwaltung, und Stefanie Obliego, Leiterin der Burger Bibliothek. Die Sonderausstellung wird zunächst in Genthin bis Mitte des neuen Jahres gezeigt und soll anschließend an verschiedenen Orten im Landkreis präsentiert werden, unter anderem im Burger Landratsamt, im Schloss Möckern und im Schloss Leitzkau. Als Projekt wird es über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert.