Burg/Genthin l Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat noch vor Weihnachten von Polen aus einen großen Sprung in Richtung Deutschland gemacht. Um sich vor der Seuche zu schützen, hat man sich im Nachbarland Brandenburg entschieden, mobile Wildschutzzäune auf einer Länge von bis zu 120 Kilometern je nach Gefährdungslage entlang der Hochwasserschutzanlagen einzusetzen.

Damit könne zwar ein Einschleppen der ASP verzögert, aber nicht verhindert werden, sagt Jörn Göbert, Geschäftsführer der LFD Holding, einer der größten Schweinehalter Sachsen-Anhalts mit Sitz in Gladau. Es gebe Straßen, Flüsse und Eisenbahnschienen, die aus Sicht Göberts die Effektivität eines Zaunes minimieren. Dass Deutschland über kurz oder lang offiziell ASP-Gebiet sein wird, ist für Göbert gesetzt.

Maßnahmen reichen noch nicht

Die bisher staatlich angeordneten Maßnahmen, die ASP in den Griff zu bekommen, reichen Göbert bisher allerdings nicht aus. Einerseits müsse vielmehr in die Prävention investiert werden, andererseits müssten die Schwarzwildbestände schneller und deutlicher reduziert werden. Göbert verleiht damit altbekannten Forderungen Nachdruck. Die Schweinehalter und Mastbetriebe des Jerichower Landes hatten bereits Anfang des Jahres gemeinsam mit dem Landkreis einen Jagd-Fonds ins Leben gerufen und ermöglichen somit eine zusätzliche Entschädigungszahlung für jagdliche Maßnahmen zum Schutz vor der Schweinepest. So werden unter anderem die Kosten für die jeweilige Trichinenuntersuchung (Fadenwürmer), die für jedes erlegte Wildschwein gefordert wird, auf einen Betrag von 7,50 Euro pro Tier begrenzt und revierübergreifende Jagden mit 25 Euro pro geprüftem Hund gefördert.

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Die Jahresstrecke an Wildschweinen beläuft sich im Jerichower Land auf 2400 Tiere. „Die Jäger tun, was sie können, um die Bestände zu minimie- ren“, sagt der Vorsitzende der Genthiner Jägerschaft, Mathias Holzberger. Revier-übergreifende Jagden hätten sich bereits ausgezahlt. Wünschenswert wäre die vollständige Übernahme der Kosten für die Trichinenschau.

Göbert geht indessen noch einen Schritt weiter. Er zählt zu den Befürwortern, die bei der Bejagung der Wildschweine, wie in Tschechien praktiziert, auch Armee und Polizei einbeziehen. Allein die Jäger könnten nach seinem Dafürhalten die erforderliche Dezimierung der Schwarzwildbestände nicht schultern.

Arbeitsgruppe gebildet

Auf die nahende Seuchengefahr hat der Landkreis aktuell mit der Gründung einer Arbeitsgruppe reagiert, der Mitarbeiter des Veterinäramtes, der Kreisjägermeister, Vertreter des Bauernverbandes, des Brand- und Katastrophenschutzes sowie der Kreisbrandmeister angehören. „Wir müssen mittlerweile auf einen möglichen Ernstfall vorbereitet sein“, sagt Vize-Landrat Thomas Barz (CDU). Das Hauptproblem seien dabei alle Fragen, die bei einem ASP-Fall mit der Einrichtung so genannter Schutzzonen um einen Ausbruchsort herum auf den Landkreis zukommen. Es werde gegenwärtig geklärt, welche Instrumente beim Ausbruch der ASP greifen. Der Kreis habe diesbezüglich Kontakte zu den brandenburgischen Behörden aufgenommen.

Der Landkreis werde in Kürze alle Kommunen und Städte als Präventionsmaßnahme zu verstärkten Kontrollen an wilden Parkplätzen entlang von Fernstraßen auffordern, vor allem in Autobahnnähe, kündigte Barz an. Außerdem werde an einem Merkblatt für die Öffentlichkeit gearbeitet. Darüber hinaus werde, so Barz, an einem Notfallplan und entsprechenden Informationen für die Bevölkerung gearbeitet.

Für Menschen ungefährlich

Während in den Ursprungsländern der Krankheit, wie beispielsweise Georgien, das Virus von Lederzecken übertragen wird, erfolgt dies in Europa über Blut, Sekrete oder auch Speiseabfälle, die achtlos in die Landschaft geworfen werden. Für Menschen ist die ASP ungefährlich. Bei Ausbruch der ASP, davon ist LFD-Geschäftsführer Göbert überzeugt, werde es auch zu keinen Versorgungsengpässen kommen. Eine zu erwartenden Verringerung der Fleischmengen im Export werde das Höfe-Sterben von Ferkelzüchtern weiter beschleunigen, meint Göbert. Konkret für die LFD prognostiziert er: „Wir werden viel Geld verlieren, jedoch nicht unsere Existenz.“

Im Kreis werden 190 000 Schweine gehalten, davon 140 000 Ferkel. Sollte in einem Stall die Krankheit festgestellt werden, müsste der gesamte Bestand getötet werden.