Genthin l In den beiden Räumen, die im Kreismuseum den Sonderausstellungen vorbehalten sind, geht es Schlag auf Schlag. Die Ausstellung über die Waldlager der Roten Armee bei Kriegsende, die bis zum 3. November 2019 zu sehen war, wurde gerade abgebaut und schon werden die Räume für die nächste Schau hergerichtet. Die Themen der beiden Sonderausstellungen könnten dabei gegensätzlicher nicht sein. Auf ernüchternde Militär- und Kriegsgeschichte folgt nun im wahrsten Sinne des Wortes „Die Schokoladenseite des Lebens“, nämlich „Choco, Choco, Chocolate – Kulturgeschichte des Kakao“, gerade passend zur bevorstehenden Weihnachtszeit.

Zusammengestellt und als Wanderausstellung konzipiert wurde diese Schau von den Altamerikanistinnen Katrin Müller de Gámez (Potsdam) und Prof. Dr. Ursula Thiemer-Sachse (Berlin). Die Sonderausstellung tourt inzwischen seit einigen Jahren erfolgreich durch Museen in ganz Deutschland, wurde aber auch in Schokoladenwerkstätten gezeigt. Vor Genthin war sie in der Uckermark zu sehen.

Umfangreiche Inhalte

Dass die wesentlich umfangreichere Sonderausstellung nun auch im Kreismuseum Einzug hält, geht auf einen Besuch einer der beiden Ausstellungsmacherinnen, Ursula Thiemer-Sachse, zurück. Bei einer Besichtigung des Museums vor knapp zwei Jahren sei sie völlig überrascht gewesen, im Magazin eine Barttasse vorzufinden, berichtet die Professorin im Ruhestand. „Diese Barttasse war der Impuls“, diese Ausstellung auch einmal in Genthin zu zeigen“, sagt Thiemer-Sachse, Spezialistin für die indianischen Kulturen Mexikos vor der spanischen Eroberung und bis in die Gegenwart.

Barttassen sind im Jerichower Land alles andere als ein alltäglicher Gebrauchsgegenstand. Ihr Ursprung liegt im Mexiko des 19. Jahrhunderts. Barttassen sind so geformt, dass der Bart der Männer beim Schlürfen und Genießen des Kakaos nicht mit dem edlen Getränk in Kontakt kommt und so unbeschadet bleibt.

Beschränkte Kapazität

Dass das Kreismuseum mit zwei Räumen über eine beschränkte Ausstellungskapaziät verfügt und die Sonderaussstellung somit nicht komplett gezeigt werden könne, stellt für die beiden Ethnologinnen keinen Nachteil dar. Im Gegenteil. Katrin Müller de Gámez weiß das auch als Vorteil zu werten.

Der Museumsbesucher werde somit nicht mit Informationen überfrachtet und möglicherweise überfordert, erklärt die Potsdamerin. Es würde sich den Besuchern mit den beiden Räumen die Möglichkeit bieten, sich konzentriert und zeitlich überschaubar dem Thema der Ausstellung zu widmen.

Neue Ideen

Den beiden Ausstellungsmacherinnen sind eigens in Genthin angereist, um die Sonderausstellung im Kreismuseum aufzubauen. Die Ausstellung werde immer wieder den örtlichen Gegebenheiten angepasst und so gleiche eine Ausstellung nie der anderen, erklärt Katrin Müller de Gámez. So würde immer wieder neue Ideen in die Präsentation einfließen.

Die Ausstellung gibt interessante Einblicke in die Kulturgeschichte des Kakao und spannt den Bogen über die Kontinente und Zeitalter von der vorkolonialen Nutzung im alten Mexiko als Genussmittel, Kleingeld und in der Heilkunst bis zur süßen Variante heute.