Genthin l Die Schüler der Klasse 12/2 freuten sich, die Zuschauer der Premiere von Rike Reinigers Werk zu sein. Thema dieses Dramas ist das Trauma des Soldaten Sascha, welcher eigentlich Alexander Felipe heißt, nachdem er im Kriegseinsatz in Afghanistan war.

Nachdem Sascha einen verfeindeten Taliban gegen die Vorschriften in seinem Auslandseinsatz beerdigt, anstatt diesen verwesen zu lassen, wird er mit sofortiger Wirkung suspendiert und muss sich vor einer Kommission rechtfertigen. Hier beschreibt der junge Exsoldat das Geschehen sehr detailliert.

Konflikt

Nachdem das Gitterbau-Unternehmen in Magdeburg, in dem er arbeitete, Insolvenz angemeldet hat, muss Sascha schnell einen neuen Job finden. Schließlich hat er gerade einen Kreditvertrag für sein Haus mit Freundin Juli unterschrieben. Also beschließt er, Soldat in der Bundeswehr zu werden, um die Kreditraten finanzieren zu können. Als dann seine Truppe in Masar-i-Scharif von Taliban angegriffen wird, sterben zum einen sein Freund Paule und zum anderen ein Taliban. Während Paule ehrenvoll begraben werden soll, ist es streng untersagt, um den verfeindeten Taliban zu trauern, der auf dem Marktplatz der Stadt verwesen soll.

Da entscheidet Sascha, gegen die Vorschriften zu handeln. Nachdem er seine Geschichte der Kommission vorgetragen hat, nimmt diese die Suspendierung zurück und diagnostiziert stattdessen eine akute Belastungsstörung.

Edlef Köppen

Zu Ehren von Edlef Köppens 125. Geburtstag in diesem Jahr wurden zahlreiche Veranstaltungen geplant, um den Schriftsteller zu würdigen, zum Beispiel die Ausstellung „Filmgeschichte auf Wanderschaft“ im Kreismuseum Genthin oder eine Lesung aus seinem Werk „Vier Wände und ein Dach“. Aber auch das Auftragswerk „Risse in den Wörtern“ gehört zu diesen Aktivitäten der Genthiner Stadt- und Kreisbibliothek. Hierzu hatte die Berliner Autorin Rike Reiniger zwei Vorgaben zu beachten.

Zum einen sollte es um den Schriftsteller selbst gehen und zum anderen das Thema „Pazifismus“ behandelt werden, da Köppen nach seinen Erlebnissen aus dem Ersten Weltkrieg selbst überzeugter Pazifist war. Um aktuelle Anlässe einzubinden, nutzte die Autorin die Form des Monologs und bezog Zitate aus dem „Heeresbericht“, Köppens bekanntestes Werk, mit ein. Um ein authentisches Werk zu kreieren, nutzte Reiniger die Möglichkeit, mit Soldaten zu sprechen, die selbst an einem Afghanistan-Einsatz teilgenommen hatten. So verarbeitete sie deren Erlebnisse in ihrem Werk.

Hauptrolle

Aufgeführt wurde das Drama durch das Theater der Altmark in der Inszenierung von Meike Hedderich mit Andreas Schulz in der Hauptrolle des Sascha.

Nachdem die Schüler den Monolog gespannt verfolgt hatten, ergab sich direkt im Anschluss eine Auswertung mit der Theaterpädagogin. Hier konnten die Gymnasiasten zunächst ihre Eindrücke vom Drama vermitteln, zum Beispiel indem sie Posen aus dem Werk nachstellten. Zudem tauschten sich die Jugendlichen über ihre Eindrücke und Empfindungen aus. Dabei diskutierten sie, ob die abschließende Diagnose der Kommission gerechtfertigt sei oder nicht. Auch über das eigentliche Ziel des Verhörs, nämlich die Aussagen der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zu rechtfertigen, wurde gesprochen.

Beurteilung

„Sehr gelungen“, urteilte Geschichtslehrer Peter Hartwich und hob die Diskussionsfreudigkeit seiner Schüler positiv hervor. Im Anschluss an das Klassenzimmerstück sagte die Schülerin Kim Vu: „Ich hatte bereits Rike Reinigers ‚Zigeunerboxer‘ gesehen. Aber auch ‚Risse in den Wörtern‘ fand ich sehr interessant. Obwohl ich zunächst Probleme hatte, das Stück zu verstehen, legte sich dies sehr schnell. Ich konnte mir gut vorstellen, wie die Menschen leiden, die sich seelisch zerstört fühlen“.

Auch der Schüler Paul Hoffmann, der eine der Hauptproben sehen konnte, schätzte ein: „Ein fesselndes Werk mit einem sehr überzeugenden Schauspieler!“

Vorstellungen

„Das Projekt Demokratie leben ist sehr wichtig für unsere Region, weil es Menschen motiviert, sich kritisch mit Problemen unserer Zeit auseinandersetzen“, betont Lehrerin Angelika Döbberthin. Mit Mitteln aus diesem Projekttopf werden die Aufführungen finanziert.

Nach dieser gelungenen Premiere sind weitere Vorstellungen in der Genthiner Bibliothek und in der Region geplant. Am Sonntag, 11. November, um 15 Uhr besteht erneut Gelegenheit, sich das 45-minütige Theaterstück „Risse in Wörtern“ anzusehen. Auch das Buch dazu wird präsentiert. Interessenten werden gebeten, sich in der Bibliothek anzumelden. (Telefon: 039 33 / 80 56 27)