Jerichow l Wie geht es weiter mit dem Kloster Jerichow und seinen einmaligen historischen Gemäuern? Was kann man daraus entwickeln und wie soll das Ganze finanziert werden? Diese Leitfragen wurden am Dienstag im Malzkeller, dem derzeit einzigen Veranstaltungsraum des Klosters, durch die Mitglieder des Ausschusses für Bildung und Kultur sowie der Finanzausschusses des Kreistags aufgeworfen und zusammen mit dem Vorstand der Stiftung diskutiert – mit offenem Ergebnis. Landrat Steffen Burchhardt (SPD) betonte: „Das Kloster hat den höchsten kulturellen und touristischen Mehrwert im Landkreis.“ Es sei Aushängeschild, Besuchermagnet und letztendlich Namensgeber. Alle Entscheidungsträger sollten darüber nachdenken, so der Landrat, wie der Standort Kloster weiterentwickelt werden könne und zusätzliche Anreize zum Ausbau des touristischen Leuchtturms gesetzt werden können.

Außenstelle des Kreismuseums

Burchhardt brachte die Perspektive zur Sprache, Gebäude als Außenstelle des Kreismuseums zu nutzen. „Wir sollten auch darüber nachdenken, das Kreismuseum als Ganzes aus Genthin nach Jerichow zu verlegen.“ Hintergrund sei, so Burchhardt, dass auch das Museum am derzeitigen Standort in Genthin grundhaft saniert oder eventuell neu errichtet werden müsste. Die Vorstandsmitglieder der Stiftung, Roland Maiwald und Wolfhard Grefrath, gemeinsam mit Verwaltungschef Bernd Witt, haben ihre Sichtweise zu dieser Überlegung: Ja – doch der sakrale Charakter der Anlage dürfe nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. „Alle Investitionen und Projekte müssen sich mit dem Charakter der Anlage vertragen“, sagte Maiwald und wies auf die Einigkeit mit den Stiftern hin.

30.000 Besucher im Jahr

Zu denen gehören unter anderem die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen, der Landkreis Jerichower Land und das Land Sachsen-Anhalt. Maiwald betonte die Trias der Anlage. Das Kloster solle Kirche, Museum und Bildungsstätte sein. Da sei man auf einem guten Weg, so Witt. „30.000 Besucher in diesem Jahr sprechen für das Kloster.“ Die sehen sich das Kloster an, genauso wie das Museum, „doch auch der Klostergarten mit seinen Flach- und Hochbeeten macht die Gäste neugierig“. Etwa 1000 Kinder verschiedener Altersstufen besuchten die Backsteinstube, den Kräutergarten und nahmen an interaktiven Führungen teil.

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Nägel mit Köpfen

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Roland Maiwald, machte Nägel mit Köpfen und präsentierte bei einem Rundgang die Gebäude und deren Funktion. Dabei wies er auch auf den Stand der Sanierungsbemühungen hin. Etwa beim Ausbau der Storchenscheune, die dann als Veranstaltungsort für Hochzeiten, Konzerte oder Sitzungen zur Verfügung stehe. Vorständler Wolfhard Grefrath dazu: „Dann können wir Veranstaltern zusagen, für die der Malzkeller bisher zu klein war.“ Im Westflügel der Anlage könne das Kreismuseum Platz finden, der Südflügel soll das Museum des Klosters aufnehmen und in der Langscheune habe man ein Pilgerlager im Auge.

Ziel sei es, so Grefrath, kirchenfremde Veranstaltungen in Gebäude außerhalb der Kirche zu verlegen. Hier biete der Domänenhof mit seinen Bauten reichlich Möglichkeiten. Heinz Baltus, Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Kultur, ist überzeugt: „Das Kloster hat Potenzial für mehr.“ Doch alles sei eine Frage der Finanzen. Hier brauche es vor allem mehr Unterstützung von Land und Landkreis.