Genthin l Möglicherweise bis zum Ende des Jahrzehnts kann das Genthiner Stadtkulturhaus in der Ziegeleistraße öffentlich genutzt werden, auch wenn das umliegende Gelände seit 2016 verkauft ist. Ab 2022 liegt der Betrieb in den Händen der Stadt. Im kommenden Jahr wird man sich in der Stadt in erster Linie mit den Modalitäten der Übernahme beschäftigen. Die Entscheidung für einen Nachfolgestandort hat derzeit keine übergeordnete Priorität. Zuletzt hatte sich der Stadtrat vor fast genau zwei Jahren für sechs mögliche Standorte entschieden, die bei Bedarf in die engere Wahl für die Nutzung als Stadtkulturhaus kommen könnten.

Allerdings haben es verschiedene Ereignisse mit sich gebracht, dass die einst beschlossene Liste zusammengeschmolzen ist. Die Volksstimme erläutert, welche Standortmöglichkeiten aktuell noch bestehen, welche nicht.

Anbau Sporthalle in der Berliner Chaussee

Die Variante ist vom Tisch, da die Stadt im vergangenen Jahr Stark-III-Mittel für die Sanierung beantragt und bewilligt bekommen hat. Mit der Verwendung dieser Fördermittel verpflichtet sich die Stadt, dass die Sporthalle der nicht kommerziellen Nutzung zur Verfügung steht.

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Bewertung: Der Standort wurde von CDU-Stadträten präferiert und verteidigt, ist aber nicht mehr zu realisieren.

Zweckbindung wegen Fördermittel

Fakt: Da die Stadt die Fördermittel in Anspruch nimmt, entsteht als Auflage eine 15-jährige Zweckbindung, in der die Halle ausschließlich Amateursportvereinen, Schulen und Kindertagesstätten zur Verfügung steht sowie der sportlichen Betätigung durch andere gemeinnützige Vereine und gemeinnützige Institutionen.

Auch dieser Standort ist nicht mehr verfügbar, da das Gelände im Rahmen einer Zwangsversteigerung im Sommer einen neuen Besitzer gefunden hat.

Für 400.000 Euro an neuen Eigentümer

Bewertung: Der Favorit der Volksstimme-Leser in einer Befragung im Frühjahr 2019. Hier hätte die Stadt im Sommer bei der Versteigerung mitbieten müssen, um diese Kulturhausvariante aufrecht erhalten zu können. Das Objekt ging für 400.000 Euro an seine neue Eigentümer. Allerdings hätte der Preis deutlich höher ausfallen können. Unter der Hand sollen Bieter bereit gewesen sein, bis zu einer Million Euro zu gehen. Ein Stadtkulturhaus im früheren Baumarkt wird es nicht geben.

Fakt: Die neuen Besitzer, eine Immobilienfirma in Wusterwitz, haben gegenüber der Volksstimme erklärt, dass es Pläne für das Gebäude gibt. Eine Umwandlung als städtisches Veranstaltungshaus wurde dabei nicht erwähnt.

Freifläche B1/Magdeburger Straße

Diese Option bietet Vorteile, wie eine Anbindung über die B1 sowie die Doppelnutzung der Parkflächen des Einkaufsmarktes. Allerdings sind die Nachteile gravierend. Das Gelände müsste gepachtet werden. Der Flächennutzungsplan müsste geändert werden. Eine Förderung gäbe es nicht.

Bewertung: Schwierig. Die Kassenlage der Stadt hat sich durch die Verwerfungen der Corona-Krise spürbar verschlechtert. Die dauerhafte Anmietung eines Grundstückes zur Errichtung eines Veranstaltungshauses wären kaum vermittelbar.

Gewerbesteuerverluste von 1 Million Euro

Fakt: Nach ersten Schätzungen geht die Stadtverwaltung von einem Einnahmeverlust aus der Gewerbesteuer von einer Million Euro aus. Nach ersten Steuerschätzungen für die nächsten drei Jahre rechnet die Stadt mit erheblichen negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den städtischen Haushalt. Als Beispiel: Im Jahr 2021 wird ein Minus von mehr als 843.000 Euro (statt ursprünglich -379.200 Euro) erwartet.

Guerickestraße

Diese Möglichkeit war im Stadtrat im November 2018 in die Liste aufgenommen worden, da man genügend Platz für ein Kulturhaus und ausreichend Abstand zur Nachbarschaft hätte.

Bewertung: Grundsätzlich ein geeignetes Gelände, aber es müsste erst für die Errichtung eines neuen Kulturhauses hergerichtet werden. Ob dies gefördert würde, ist fraglich. Zudem ist die Wegeanbindung ungünstig. Außerdem rechnet die Stadt mit Baukosten von 4,2 Millionen Euro. Geld, das nicht da ist.. Geld, das die Stadt nicht hat.

Fakt: Genau wie bei der Freifläche an der B1.

Ehemaliger Volksgarten

Das Gebäude wäre zwar über die B1 gut zu erreichen. Die Räume sind zudem geeignet als Veranstaltungsstätte, da sie als solche gebaut wurden. Allerdings müsste die Stadt das Gelände kaufen. Derzeit ist dort ein Möbelmarkt ansässig. Auch muss die Umnutzung genehmigt werden. Neue Parkflächen müssten geschaffen werden. Zudem fallen wohl Kosten für Umbau und Sanierung an, für die kaum Fördergelder zu erhalten wären.

Bewertung: Hier müsste die Stadt tief in die Tasche greifen, um zunächst das Gebäude zu erwerben und dann zu sanieren.

Umzug steht nicht in Diskussion

Fakt: Das derzeit ansässige Möbelhaus ist an dieser Stelle etabliert. Ein Umzug steht derzeit nicht zur Debatte. Auch hier bereiten die Finanzen der Stadt Probleme.

Ehemalige Großbäckerei

Über die Berliner Chaussee und die Jerichower Straße wäre das Gelände gut zu erreichen.

Ein historisches Industriebauwerk mit Stadtbild prägender Wirkung könnte genutzt werden. Aber die Stadt befürchtet hohe Erwerbs- und Sanierungskosten. Neue Parkplätze müssten geschaffen, eine Baugenehmigung müsste beantragt werden und es gäbe wenig Chancen auf eine finanzielle Förderung.

Finanierung bereitet Probleme

Bewertung: Der Gedanke, das alte Industriegebäude für Veranstaltungen zu nutzen wäre reizvoll und ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Aber auch hier wird es mit der Finanzierung schwierig.

Fakt: Genau wie bei der Freifläche an der B1.

Fazit

Stadtverwaltung und Stadtrat sind derzeit in der glücklichen Lage, mit Inprotec einen Eigentümer des Geländes in der Ziegeleistraße zu haben, der nicht unmittelbar auf eigene Nutzung der Flächen besteht. Denn genau genommen ist derzeit keine Veranstaltungshaus-Alternative wirklich umsetzbar. Sollte es allerdings noch misslicher laufen, entfallen irgendwann gleichzeitig die Alternativ-Vorschläge, und die Nutzung im alten Stadtkulturhaus. Möglicherweise sieht es aber auch in wenigen Jahren anders aus und die klamme Stadtkasse erholt sich. Dann könnte das Thema „Kulturhaus-Alternative“ ernsthaft angegangen werden.