Jerichow l Kennen Sie den Begriff der Laienkunstbewegung in der DDR? Ein bekannter Maler aus Tangermünde erwarb sich in diesem Umfeld seine ersten Verdienste: Georg Leonhardt. Die Werke des Künstlers sind aktuell in der Jerichower Gaststätte „Heinemann“ zu bewundern. Dort schmücken sie die Wände der beiden Gaststuben.

Faszinierender Reitsport

Seine Bilder zeigen realistische Situationen, einer bestimmten Gruppe von Menschen – den Reitern. Ihn fasziniere der Pferdesport und alles was zu diesem Thema an Motiven gibt, sagt Leonhardt. Die Spannbreite sei so groß, dass er sich nicht nur auf den Reiter mit seinem Tier beschränke, sondern die Landwirtschaft als Ganzes mit Öl und Pinsel festhält. Das Traditionelle sei ihm ans Herz gewachsen, so der Tangermünder, weswegen er auch als Gast bei verschiedenen Schaupflug-Veranstaltungen, etwa in Letzlingen, sei.

Dort späht er nach Motiven, die er dann auf Papier und Leinwand umsetzt. Pferde vor dem Pflug, als Zwei- oder gar Dreispänner zeigen auf den Veranstaltungen immer noch, „was damals die Grundlage jeglicher Landwirtschaft war.“ Er hebt die legendäre Kaltblutpferdeveranstaltung „Titanen der Rennbahn“ in der brandenburgischen Brück hervor. „Das hat auch etwas mit meiner Kindheit zu tun“, so Leonhardt.

1948 in Stendal geboren

Schon früh lernte der 1948 in Stendal geborene Städter das Landleben kennen, bei einem Freund auf dem Bauernhof verbrachte er so manche Ferienwoche und versuchte sich im Zeichnen. „Schön als kleiner Junge skizzierte ich alles was mir vor mein Auge kam, doch meine Leidenschaft galt damals noch den Eisenbahnen.“

Mit 15 Jahren bekam er den erstem Ölfarben-Malkasten und von da an ließ ihn die Malerei nicht mehr los. Leonhardt fing an, die „Alten Meister“ zu kopieren. So fühlte er sich autodidaktisch immer mehr in die Arbeitsweise seiner Vorbilder ein und als Zeichen, dass er auf dem richtigen Weg war, gewann er, noch als Jugendlicher, der ersten Preis in einer Kreis-Ausstellung. „Mit einem Selbstporträt, ein Selfie konnte man ja damals noch schießen“, betonte er augenzwinkernd.

Auch während seiner Lehre als Feuerungsmaurer ließ er nicht ab von Farbe und Staffelei. Erstaunlich, dass aus seinen kräftigen Arbeiterhänden mit filigranen Pinselstrichen kleine Meisterwerke entstanden.

Wehrdienst als Infanterist

Dann „streckte der Staat 1968 seine Krallen“ nach ihm aus, Leonhardt trat seinen Wehrdienst an, als Infanterist. Auch hier folgte er seiner Leidenschaft, dem Malen. Schnell wurden seine Vorgesetzten auf ihn aufmerksam: „Ich zeichnete auf den Brief-Couverts meiner Kameraden deren Freundinnen.“ Der „Spieß“ wurde auf den Maler-Soldaten Leonhardt aufmerksam, von da an erstelle er in seiner Kompanie die Wandzeitung: „Kopierer und Drucker gab es da ja noch nicht.“ Alles musste mit der Hand gezeichnet, gemalt und vervielfältigt werden. Nebenbei malte er weiterhin Bilder, „wenn es die knappe Zeit zuließ.“

Der Erfolg kam prompt: Die ersten drei Plätze belegte er in einer republikweiten NVA-Kunstausstellung. Hier stellten über 2000 Künstler ihre Bilder aus. Leonhardt erinnert sich: „Dann musste ich Auftragsbilder malen, Wandbilder in Offiziersclubs, Szenen aus dem Soldaten-Alltag.“

Später baute er mit zehn Soldaten einen Malzirkel auf, erstellte Sicht-Agitation für die gesamte Nationale Volksarmee. Das Resultat, sagt Leonhardt: „277 Tage Urlaub.“ Nach seiner Entlassung nahm der Bauarbeiter seine Tätigkeit wieder auf, betreute nebenbei einen Mal- und Zeichenzirkel in Stendal.

Ein schleichender Prozess

Der Weg vom Maler in der Laienkunstbewegung hin zum professionellen Künstler vollzog sich schleichend. 1987 nahm sich Georg Leonhardt von der körperlich schweren Arbeit des Bauarbeiters zurück und „von da an habe ich nur noch gemalt.“ Das ging zwei Jahre so, doch plagte ihn das Gewissen: „Ich hatte ja kein Gewerbe und so meldete ich bei der Verwaltung.“ Dort fragte man ihn nach einem Studium in Kunst oder einem ähnlichen Abschluss. Den konnte er nicht vorweisen, „also kamen zwei Frauen vom Rat des Kreises zu mir und begutachteten meine Bilder.“

Letztendlich bekam er seine Zulassung als freischaffender Kunstmaler. Mit der Wende lernte Leonhardt den US-amerikanischen Grafiker Will Williams kennen, bekannt als Spezialist für Plakate von aktionsreichen Großproduktionen wie Prinz Eisenherz, Das Gewand oder Quo Vadis. Der lud Georg Leonhardt zu sich ein. So lebte der Tangermünder Maler, mit einem Arbeitsvisum in der Tasche, zwei Jahre in den USA und baute zusammen mit Williams das National Historical Intelligence Museum, kurz CIA-Museum, auf.

Jährliche Ausstellungen

Nach seiner Rückkehr aus Amerika arbeitete Leonhardt erstmal wieder auf dem Bau: „Ich brauche die körperliche Arbeit, sie beseelt mich auch in meiner Malerei.“ Doch der Drang zum freiberuflichen Malen war stärker. Ab 1999 legte er Schaufel und Maurerkelle aus der Hand und widmete sich seiner Malkunst. Seitdem gibt er jährlich eine Ausstellung mit wechselnden Bildern und an verschiedenen Orten. Im Schloss Tangermünde kann man eine ständige Ausstellung des Künstlers bewundern.