Jerichow l Sie kamen freiwillig. Die Schüler der Klassen 10 a und 10 b mit Schulleiterin Dorothee Schwuchow und Kunstlehrerin Antje Wagner. Ihre Klassenkameraden hatten in der Sekundarschule Unterricht. Doch sie nahmen in Kauf, versäumten Stoff nachzuholen.

Natur inspiriert

Denn unter kompetenter Anleitung hatten die neun Mädchen und ein Junge die Möglichkeit, sich künstlerisch zu verwirklichen. Und das noch mit Aussicht auf eine ganz besondere Würdigung. „Viele der großen Maler haben sich von der Natur inspirieren lassen. Wir wollen es ihnen nachtun und eine Brücke schlagen zwischen Kunst und naturnahen Gärtnern“, sagt Projektleiterin Christa Ringkamp. „Gartensommer 2020“ ist ein Kooperationsprojekt mit der Gemeinde Hohe Börde.

Dort wurden bereits im Juli zwei mehrtägige Mal- und Schreibworkshops durchgeführt. Insgesamt zwölf Zeichnungen werden ausgewählt und sollen einen Kalender 2019/2020 schmücken. Mit viel Spaß ist die 15-jährige Julia mit dabei. Sie kommt aus Genthin. Sie fand vor allem das Vorzeichen draußen mit dem Wahrnehmen über alle Sinne toll. Mit dabei auch die 15-jährige Romy aus Brettin. „Zeichnen ist mein großes Hobby, das alles hier macht sehr viel Spaß“, sagt sie. Eine besondere Freude für die Jugendlichen: Alle Bilder werden in einer Ausstellung gezeigt.

Verein übernimmt Leitung

Die Finanzierung: Für das Gesamtprojekt „Gartensommer 2020“ werden 80.000 Euro über Europaprogramm Leader inklusive Eigenmittel bereitgestellt, über die Stiftung Umwelt, Natur und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt kommen zusätzlich 10.000 Euro.

Die künstlerische Leitung des Workshops lag in den Händen von Stefanie Gendera. Sie ist Vorsitzende des Vereins „Nelumbo“. Der Name „Nelumbo“ ist der wissenschaftliche Begriff für die Lotosblume. Es werden Projekte umgesetzt, die zukünftigen Generationen die Einzigartigkeit der Natur näherbringen sollen. Der Kontakt des Vereins zu Christa Ringkamp trägt nun Früchte.

Wildobstarten vorgestellt

Eine wichtige Ansprechpartnerin im Workshop war Klostermitarbeiterin Manuela Pelloth. Sie arbeitet im Gartenbereich de Klosters und führte die Schüler durch ihr Paradies. „Sie ist die gute Seele hier“, sagt Sarah Scheufler, die das Projekt vor Ort leitet und gemeinsam mit Bauamtsmitarbeiter Ralf Demann den „Gartensommer 2020“ mit all seinen vielfältigen Facetten erläutert.

Eine weitere wichtige Note bei „Gartensommer 2020“: Über das Projekt „Essbare Gemeinde“ sollen fast vergessene Wildobstarten eine Heimat finden. Hier sollen zukünftig Baumpatenschaften übernommen werden. Interesse dafür gäbe es aus Demsin, Brettin, Klitsche und Jerichow. Bei diesem Projekt hat man mit Siegfried Tatschl in der österreichischen Marktgemeinde Kirchberg am Wagram einen bekannten und wichtigen Partner gefunden. „Er ist der Pionier auf diesem Gebiet“, sagt Scheufler. Sie arbeitet als Mitarbeiterin von Christa Ringkamp unter dem Dach des Landschaftsarchitekturbüros HORTEC.

Noch ein weiteres Projekt ist das Anlegen von besonderen Wiesen auf Gemeindeflächen. In verschiedenen Ortsteilen werden Modellflächen zur Vermehrung der ökologischen Vielfalt und zur Reduzierung von Pflegeleistungen angelegt: Blumenwiesen mit einheimischen, einjährigen Wildpflanzen, mehrjährigen Stauden und Frühjahrsblühern. Die Wiese ist nicht nur ein Ort des bunten Treibens und Augenweide, sie macht auch wesentlich weniger Arbeit als ein herkömmlicher Rasen und erfordert maximal zweimaliges Mähen. Doch insgesamt zu dem Projekt gehört auch noch eine Schreibwerkstatt, die in diesen Tagen stattfindet. Klosterleben auf andere Art.