Genthin l Dem ‚Sparter‘, so der Name des Hightech-Erntehelfers, gehöre die Zukunft in der Spargelbranche. Davon ist Henning Hoffheinz vom gleichnamigen Spargelhof nach einem mehrwöchigen Probebetrieb überzeugt. Auch wenn nicht unbedingt alle seiner Kollegen in der Branche seine Meinung teilen.

Stärkere Automatisierung

Die Automatisierung bleibt für ihn eine betriebswirtschaftliche Antwort sowohl auf den sich abzeichnenden Mangel an Saisonarbeitern aus Osteuropa als auch auf die steigenden Personalkosten, die sich aus der Einführung des Mindestlohnes ergeben.

Auf einer Fachmesse in Karlsruhe vor zwei Jahren wurde Hoffheinz auf die Maschine aufmerksam und bewarb sich bei dem niederländischen Hersteller um einen Einsatz in der Erprobungsphase. Aus heutiger Sicht würde er sich auch wieder um einen solchen Testeinsatz bemühen, sagt Hoffheinz. In den vergangenen Wochen habe man sehr stark an der Verbessung der geerneten Spargelqualitäten gearbeitet, das stimme ihn sehr optismisch.

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Einziger Nutzer in Deutschland

Insgesamt habe es fünf Bewerber gegeben, von denen er als einziger Erzeuger in Deutschland vom Hersteller ausgewählt wurde. In den Niederlanden waren zeitgleich zwei weitere Pilottypen im Einsatz.

Der „Sparter“ ist ein EU-gefördertes Projekt und geht im Zuge des Entwicklungsverfahrens in verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten „auf Probe“, bevor er voraussichtlich 2021 auf den Markt kommen wird. Die Kosten für diese Maschine, je nachdem, ob sie auf zwei oder drei Dämmen arbeitet, werden nach Hoffheinz Schätzungen zwischen 500.000 Euro und 750.000 Euro liegen.

Lange Wege

Warum die Wahl für die Erprobung der Maschine auf ihn fiel? Hoffheinz bleibt vage: „Vermutlich aufgrund unserer Flächen bei Fienerode, die mit 900 Meter sehr lang sind.“

Das System, nachdem die Maschine gesteuert wird, macht sich den hohen Wassergehalt des Spargels und die elektrische Leitfähigkeit des Wassers zunutze.

Ernten mit Strom

Ein Generator, montiert an einer Zugmaschine, sendet dabei Strom an die Spargeldämme aus, der von zirka 20 sogenannten Fühlern des Sparters aufgenommen wird. Sensoren dieser Fühler registrieren, an welchen Stellen des Dammes der Strom stärker ankommt, und kann damit den Spargel, seine Position, seinen Reifegrad und seine Länge, im Erdreich ausmachen.

Denn weißer Spargel leitet aufgrund seines extrem hohen Wassergehaltes den Strom besser als die ihn umgebende Erde. Diese „Strom-Informationen“ werden an die Spargel-Messer der Maschine weitergegeben, so dass sich die Fühler in die Erde bohren, den Spargel stechen und ihn ans Tageslicht befördern. Der automatisch gestochene Spargel gelangt dann über Rollen zu einem Erntehelfer auf die Plattform der Maschine, der den Spargel einsortiert und dabei einen Computer im Auge hat, der die Arbeitsweise des Sparters überwacht.

Spargelstecher abgelöst

Das Sparter-System erkennt das Königsgemüse bereits unter der Oberfläche, wohingegen Spargelstecher erst zwei bis drei Tage später die Spitzen erkennen können.

Der „Sparter“ ist eine der ersten Maschinen, die sich daran versucht, den mühselig arbeitenden Spargelstecher nach und nach abzulösen.