Genthin l 200 Mitglieder, davon zwei Drittel Kinder und Jugendliche. Andy Gamalski vom Vorstand der Ortsgruppe Genthin der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) lässt dieser Information auf der Jahreshauptversammlung im Kreishaus ein kurzes „Respektabel“ folgen. Dennoch: Der Blick in die Runde der anwesenden Vereinsmitglieder lässt Lücken erkennen. Weit gefehlt, die 200 Mitglieder sucht man vergebens.

„Das muss man akzeptieren“, meint Andy Gamalski, der mit seinem Rechenschaftsbericht keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass die Genthiner DLRG eine schlagkräftige, einsatzfähige und vor allem eine zuverlässige Truppe ist, die etwas auf die Beine stellt.

Nur ganz zaghaft lässt Andy Gamalski den einen oder anderen Personalengpass anklingen. „Es ist wie überall“, sagt er in einem späteren Volksstimme-Gespräch, „junge Leute, die in der DLRG groß geworden sind, zieht es zur Lehre, zum Studium oder auch später in den Berufsalltag weg von Genthin.“

Spürbar wird dies für die DLRG auch in der Ausbildung. Mit Sebastian Strebe, Elko Bernau und Andy Gamalski stehen drei erfahrene Ausbilder zur Verfügung. „Wir waren schon mal mehr, zurzeit stagniert die Zahl der Ausbilder“, sagt Gamalski.

Fünf Kurse jährlich

Das Ausbildungsteam bietet in einem Jahr fünf Frühschwimmer-Kurse, drei im Frühjahr, zwei im Herbst, an. An sieben Wochenenden, jeweils zwei Stunden, lehren sie das Schwimm-Einmaleins. Derzeit gingen bereits Anmeldungen für den März-Kurs des kommenden Jahres ein, berichtet Gamalski und zeigt damit das Dilemma auf, in dem sich die DLRG-Leute befinden. Der Bedarf an solchen Kursen ist hoch, aber die DLRG-Ausbilder können personell nicht mehr als fünf Kurse stemmen.

Gamalski macht sich da nichts vor und sieht die Genthiner Ortsgruppe mittelfristig vor einem Generationswechsel. „Ich bin so wie Ingo und Elko Bernau, die die Ortsgruppe vor mehr als 27 Jahren auf den Weg gebracht haben, in den Verein hineingewachsen. Doch die Zeiten haben sich verändert.“ Junge Leute müssen aufschließen. Für den Vorstand sei das eine langfristige Herausforderung. Einen neuen, geeigneten Mann als Ausbilder sieht Gamalski beispielsweise in Martin Bessert, der bereits als Übungsleiter sowie als Ausbildungsassistent sehr gute Arbeit leistet. „Wir müssen sehen, wie sich die Dinge entwickeln“, lässt Gamalski alles offen.

Wer auch immer zu dem bisherigen Ausbilder-Trio aufschließt, muss die Kriterien einer harten DLRG-Prüfungsordnung erfüllen, um den Lehrschein zu erhalten.

Die Ausbildung zum Ausbilder Schwimmen/Rettungsschwimmen umfasst insgesamt mehr als 120 Lerneinheiten a 45 Minuten. An sieben Wochenenden wird unter anderem Pädagogik und sportübergreifendes Basis- und Fachwissen gebüffelt. Und trotzdem: „Um einen guten Job als Ausbilder zu machen, muss man schon ein besonderes Händchen entwickeln“, weiß Gamalski aus langjähriger Erfahrung.

70 Kinder trainieren

Das müssen die Ausbilder wohl nicht mehr bei dem hohen Anteil von Kindern und Jugendlichen in der Ortsgruppe unter Beweis stellen. „Wer erkennbar gut schwimmt, den versuchen wir, auch in Richtung Rettungsschwimmen zu lenken“, verrät Gamalski ein Rezept erfolgreicher Nachwuchsarbeit.

Derzeit treffen sich zirka 70 Kinder ab sechs Jahre regelmäßig am späten Donnerstagnachmittag in der Schwimmhalle zum Training. Durchschnittlich vier bis sechs Übungsleiter, Betreuer und Ausbilder bauen die Kinder altersspezifisch vom Juniorretter angefangen Stück für Stück bis zu den verschiedenen Rettungsschwimmer-Stufen auf. „Wir haben gute Übungsleiter, und die Hoffnung ist groß, dass sie uns erhalten bleiben.“ Aber Ausbildung, Training und Beruf würden die DLRG Ortsgruppe auch hier langsam an ihre personelle Grenzen bringen. „Zur Zeit treten wir auf der Stelle. Gute Leute haben wenig Zeit.“