Heimatgeschichte

Legendäre Tanzbälle und Broiler

Das Heimatfotorätsel rief Erinnerungen an legendäre Bälle im Saal des ehemaligen Hotel Müller in Genthin wach. Auch was sich heute dort befindet, wussten alle.

Von Mike Fleske
Der Gasthof der Familie Pfeiffer war ein beliebtes Ausflugslokal. Vor allem die Tanzbälle im Saal waren bei den Besuchern beliebt. Heute ist neben einer Gaststätte auch ein Hotel in dem Haus untergebracht. Die Aufnahme stammt aus den 1930er Jahren.
Der Gasthof der Familie Pfeiffer war ein beliebtes Ausflugslokal. Vor allem die Tanzbälle im Saal waren bei den Besuchern beliebt. Heute ist neben einer Gaststätte auch ein Hotel in dem Haus untergebracht. Die Aufnahme stammt aus den 1930er Jahren. Foto: Stadtarchiv Genthin

Genthin - „Das ist der Gasthof Pfeiffer, jetzt Hotel Müller und italienisches Restaurant“, zählte Anruferin Roswitha Rother die Stationen die das gesuchte Gebäude genommen hat, in Kürze auf. Sie habe in ihrer Kindheit in der Nähe gewohnt. „Damals hat man dort rote Fassbrause getrunken.“ Möglicherweise sei auch Bier aus der Genthiner Brauerei ausgeschenkt worden. „Das weiß ich nicht mehr sicher.“ Allerdings hat sich das Gebäude im Laufe der Zeit ziemlich verändert. „Der kleine Gebäudeteil, der auf dem historischen Foto noch deutlich zu sehen ist, geht mittlerweile fast ein wenig unter.“

Leser Falk-Holger Schmidt aus Dretzel weiß über die Geschichte des Hauses noch mehr: Das Gebäude sei 1876 als Wohnhaus und Werkstatt des Böttchermeisters Winning gebaut worden. „Der Handwerker betrieb nebenbei auch eine Gaststätte.“ „Seit 1913 war die Gaststätte 'Stadtgarten' an der Jerichower Straße ein beliebtes Ausflugsziel der Genthiner.“ Zu dieser Zeit war Otto Rausch Besitzer, wusste ein weiterer Anrufer. Es gab dort ein Grammofon und meist traf sich hier die etwas bessere Gesellschaft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm zunächst Familie Pfeiffer das Objekt. In dieser Zeit hatte das Haus einen legendären Ruf. Auch wegen seiner beliebten Bälle. Junge Mädchen kamen nur mit männlicher Begleitung in des Saal und dann wurde getanzt was das Zeug hielt. Und es gab sogar ein eigenes „Hauslied“, dass manch älterem noch ein Begriff sein dürfte: „Bei Pfeiffers ist Ball, ja das ist mein Fall, da wird eine Sohle gedreht“.

Der Saal war auch Schulsportstätte, die Schüler der Diesterweg-Schule in den 1960er Jahren nutzten. Sie hatten dort meist Doppelstunden, da der Weg ziemlich weit war. Auch habe es Sportwettkämpfe im Geräteturnen gegeben, die dort stattfanden. An diese Sportveranstaltungen konnte sich zum Beispiel Joachim Gorgas aus Altenplathow noch erinnern.

Broilerverkauf am Außenschalter

1968 begann Ludwig Müller mit der Sanierung des Hauses. Sohn und Schwiegertochter stiegen ab 1976 in den Familienbetrieb ein. „In den achtziger Jahren war das Hotel Müller besonders beliebt wegen seiner köstlichen Broiler, die am Außenschalter verkauft wurden“, sagt Falk-Holger Schmidt. Wieder hatte sich das Haus einen legendären Ruf erworben. Diesmal für seine „Goldbroiler“ genannten gebratenen Hähnchen.

Der Hotelbetrieb startete nach der Wende im Jahr 1992 und wird bis heute fortgeführt. „Im Saal fanden zahlreiche Veranstaltungen statt, beispielsweise Schulabschlussfeiern, Veranstaltungen des Fördervereins des Bismarck-Gymnasiums, die Landesliteraturtage und viele andere“ zählt Falk-Holger Schmidt auf.

Elektromeister Günter Müller erinnert sich an viele Veranstaltungen, etwa an Zusammenkünfte der Elektroinnung und Familienfeiern, die im Saal stattfanden. „1990 haben wir unsere Silberhochzeit bei Müller gefeiert, haben noch mit DDR-Mark bezahlt, als wir 25 Jahre später die Goldene Hochzeit dort feierten, wurde in Euro abgerechnet“, erzählt er. Einige Anrufer erinnerten sich auch an Kabarettveranstaltungen etwa mit der Zwickmühle oder Hengstmann aus Magdeburg oder auch an die sogenannte Bauernvesper, ein Veranstaltungsabend mit mittelalterlichem Touch.

Haus neu ausgerichtet

In den vergangenen Jahren hat Besitzer Helmut Müller das Haus neu ausgerichtet. Den Veranstaltungssaal gibt es in der früheren Form nicht mehr. Der Betrieb läuft als „Garni“, also als Hotel mit Frühstück. Dennoch kann auch heute noch in dem Haus gespeist werden. Denn seit 2018 ist das italienische Restaurant „Torre dell‘acqua“ hier beheimatet, italienisch für Wasserturm. Denn in der Nähe des Genthiner Wahrzeichens befindet sich schließlich das gesamte Gebäude.

Als Gewinner des kleinen Überraschungspreises ist in dieser Woche Martin Scheck ausgelost worden. Der Preis kann in der kommenden Woche abgeholt werden.

Hotel Müller mit italienischem Restaurant in Altenplathow in einer aktuellen Ansicht.
Hotel Müller mit italienischem Restaurant in Altenplathow in einer aktuellen Ansicht.
Foto: Mike Fleske