Genthin l Wie ist es um die Zuneigung der Genthiner zu ihrer Heimatstadt bestellt? Diese Frage hat die Volksstimme aufgeworfen, nachdem Landrat Steffen Burchhardt (SPD) die Genthiner beim Neujahrsempfang aufgefordert hatte, sich neu in ihre Stadt zu verlieben und nachdem die Burger Wohnungsbaugenossenschaft auf ihrer Facebookseite vorgemacht hatte, wie man freundliche Worte über die Heimat pfiffig in Szene setzen kann. Fraktionsübergreifend stimmten Stadtrate aus CDU, Linken und Grünen zu.

Kurze Wege und gute Vernetzung sind Vorzüge

Auch Stadtrat Udo Krause (SPD) kann sich für den Vorschlag nach positiver Werbung für Genthin begeistern: „Ich finde die Idee gut.“ Die Vorzüge wie kurze Wege und eine gute Vernetzung der Bevölkerung, durch die sich viele Akteure untereinander kennen, seien bereits genannt worden.

„Ich finde, wir haben ein kleines schönes Städtchen.“ Trotz seiner manchmal kritischen Äußerungen, ist auch der Genthiner Veranstalter Rainer von Ende von der Stadt überzeugt: „Hier sind meine freunde, hier ist meine Heimat und wenn ich auch manchmal ein wenig schimpfe, das ist mein Genthin“, sagt er. Volksstimme-Leserin Heidi Schulze meint: „Ich liebe an meiner Heimatstadt die Menschen und dass wir viel Grün haben.“

Kulturstätten weit von Genthin-Süd entfernt

Als Naturliebhaberin gehe sie gern spazieren. „Besonders in Genthin-Süd, dem abgehängten Bereich der Stadt. Auch seien Spaziergänge am Kanal reizvoll. „Schade nur, dass sie laufend durch Hindernisse unterbrochen werden.“ Zudem seien die Kulturstätten alle sehr weit von Genthin-Süd entfernt, insbesondere sei dies für all diejenigen problematisch, die keine Autofahrer sind und als Rentner kein Geld für die Taxifahrten haben.

Ihr Vorschlag: „Es wäre gut, wenn Busse etwa zum Stadtkulturhaus eingesetzt würden.“ Allerdings, dass Genthin schön ist, betont auch Heidi Schulze: „Seit 2010 habe ich verschiedene Facebook-Gruppen gehabt, in denen ich alte Ansichtskarten und neue selbst fotografierte Ansichten von Genthin gezeigt habe.“ Dabei sei sie auf großes zum Teil auch überregionales Interesse gestoßen. Sie beschäftige sich nach wie vor mit allem, was hier passiert und teile auch diverse Werbung für Veranstaltungen in der Stadt. „So komme ich mit einigen Menschen in Kontakt, die sich auch für die Fotos bedanken und sich freuen, Orte zu entdecken, die sie nicht kennen.“Deutlich mischt sich aber auch Kritik unter die Äußerungen der Leser: „Meine Meinung ist, grüne Landschaften, eine Schwimmhalle, ein Kreismuseum, Vereine und so weiter, ersetzen kein feh- lendes Krankenhaus durch positives Denken“, findet Heinz Köppe, Vorsitzender der Genthiner Stadtsenioren. Leserin Sabine Meier sagt: „Ich wohne seit 1973 in Genthin und muss leider feststellen, dass ich doch etwas enttäuscht über die Entwicklung bin.“

Weniger Jobs und Leerstand in Einkaufsmeile

Ihrer Meinung nach gibt es immer weniger Arbeitsmöglichkeiten, bekanntermaßen sei das Krankenhaus weg und das Ärztehaus werde immer leerer. „Ich gehe sehr viel spazieren und sehe immer wieder ungepflegte Ecken in Genthin. Außerdem gibt es sehr viel Leerstand in der so genannten Einkaufsmeile.“ Noch negativer beurteilt Heimatforscher Dieter Rohr die Situation: „Denken sie nur einmal wie viele Geschäfte in der Innenstadt seit 1990 weggebrochen sind, heute gibt es keinen von örtlichen Händlern betriebenen Lebensmittelmarkt mehr, der Buchladen ist weg, viele Gaststätten verschwunden, früher sind die Brandenburger nach Genthin zum Einkaufen gekommen, weil hier ein bestimmtes Ambiente zu finden war, damit ist es schon lange vorbei.“

Ähnlich negativ sei die Entwicklung in Genthin bei Einrichtungen wie Post, Amtsgericht und Berufsschule. „Alles weg.“ Was man noch habe, werde nur mit viel Mühe erhalten oder vernachlässigt. „Schauen Sie sich den Wasserturm an, da hängen immer noch die Netze.“