Sommerhitze

Lieber Sport statt Badestrand

Bei Temperaturen über 30 Grad brauchen auch Leichtathleten ein abgespecktes Trainingsprogramm, um sich nicht zu übernehmen.

Von Natalie Häuser

Genthin l Verlassen wirken die Genthiner Straßen am Nachmittag. Wenig Verkehr und merkwürdige Ruhe herrschen in der Stadt. Über den asphaltierten Straßen kann man die Hitze flimmern sehen. Doch Luise Teske und Emelie Klaus wollen gleich ihre Kleider und Sandalen gegen Sportdress und Turnschuhe tauschen. Während viele Genthiner ein Plätzchen im Schatten suchen, ist dies für die jungen Leichtathleten des SV Chemie nicht unbedingt die erste Wahl. „Also eigentlich ist es zu warm, aber Zuhause bleiben ist auch langweilig“, begründet Alina Glomb, die gerade ihre bunten Turnschuhe schnürt und vor der Sporthalle auf Trainer Manfred Hauser wartet. Fünf Minuten später geht es mit Sonnencreme des Lichtschutzfaktors 30 auf der Haut zum „Aufwärmen“ auf die Aschebahn des Sportplatzes an der Berliner Chaussee.

„Wenigstens ist es ein bisschen windig“, motiviert Trainer Manfred Hauser seine heute ausgedünnte Sporttruppe. Der nächste große Wettkampf wartet für einige schließlich schon im September. Also wird, wenn auch mit abgespecktem Programm, auch bei 32 Grad im Schatten trainiert. Acht bis zwölf Sportler kommen im Normalfall zweimal wöchentlich, dienstags und donnerstags zum Training. An diesem heißen Tag sind es gerade noch vier. Hoch- und Weitspringer Sebastian Witte macht vor allem die stickige Luft zu schaffen: „Da bin ich den ganzen Tag müde.“ Drei Liter Wasser und zusätzlich eine Flasche Isodrink in der Sporttasche dürfen im Hochsommer nicht fehlen. Das Training wegen übermäßiger Hitze ausfallen lassen, ist aber auch für ihn keine Option. „Aber so ein Sprenger wäre nicht schlecht“, sagt der Leichtathlet und lacht.

Langstrecke und Sprints stehen heute nicht auf dem Trainingsplan. Das ist selbst für gut trainierte Leichtathleten bei dem Wetter zu viel. Dafür gibt es Gymnastik, Dehnen und Lauf-ABC im kühlenden Schatten auf dem Rasen. Und wenn sich doch mal ein Sportler übernimmt, weiß Trainer Manfred Hauser, was zu tun ist. „Ganz normale Erste Hilfe“, sagt der diplomierte Sportlehrer, der auch selbst 15 Jahre lang Leistungssport betrieb.

Gleich nebenan wird unter dem Dach der Schwimmhalle Sport getrieben. „Dass wir bei heißem Wetter weniger Besucher haben, ist ganz normal“, sagt Henning Bengsch, Leiter der Genthiner Schwimmhalle. Dafür schätzen es die „Stammschwimmer“, wenn jetzt in den Sommermonaten nicht ganz so viel los ist. „Ein Freibad ist natürlich bei dem Wetter für viele die erste Wahl“, so Bengsch. Abkühlen werden sich am Wochenende auch viele Badegäste am Zabakucker See. Die Genthiner DLRG-Aufsicht vor Ort bittet die Besucher, sich bei der momentanen Wetterlage für ein unbeschwertes Baden an die Baderegeln zu halten. Also vor etwas abkühlen und erst dann ins Wasser gehen.

„Der Unterschied zwischen Wasser- und Lufttemperatur wird vermutlich mehr als zehn Grad betragen“, erklärt Andy Gamalski. Derzeit hat das Wasser eine Temperatur von 24 Grad Celcius. Am Wochenende werden in Genthin Temperaturen bis zu 38 Grad erreicht.