Genthin l Die Genthiner Malerin und Grafikerin Lotte Ballarin (1919 - 2016) hätte vor wenigen Tagen ihr 100. Lebensjahr vollendet. Ihr künstlerisches Wirken, das in der Tradition der Hallenser Schule stand, einer realistischen Kunst der Nachkriegszeit, habe den regionalen Stil bereichern können, würdigte der renommierte Kunsthistoriker Günter Meißner (†) aus Leipzig ihr Schaffen.

Ausdrucksstarke Kunst

Lotte Ballarins Name steht für eine verständliche und ausdrucksstarke Kunst. Ihre Motive entnahm sie einem unspektakulären Alltag, dem Familienleben, sie fand sie in Kindern und in der Natur, der sie zeitlebens in besonderer Weise zugetan war. Anlässlich ihres 95. Geburtstages ehrte sie die Stadt Genthin mit einer Eintragung in das goldene Buch.

Die Genthinerin war nach einem Studium in Dresden als Lehrerin tätig, studierte 1950 bis 1955 an der Burg Giebichenstein Angewandte Malerei und Restauration. Restauratorin wurde sie aber nicht, sondern arbeitete in der Druckwerkstatt des Verbandes der Bildenden Künstler in Halle. In dieser Zeit entstanden Lithografien, Holzschnitte, die sie bekannt gemacht haben.

Bilder

Künstlerische Landschaft mitgestaltet

Seit 1990 lebte die Künstlerin wieder in Genthin und hat in den letzten Jahrzehnten ihres Schaffens auch die künstlerische Landschaft ihrer Heimatstadt mitgestalten können. In vielen Arbeiten setzte sie Genthin ein kleines, liebevolles Denkmal und bewahrte so fast vergessene, inzwischen historische Ansichten.

Genthins Schriftstellerin Monika Helmecke würdigte Lotte Ballarin, die einige Kinderbücher des Autoren-Ehepaares Helmecke illustrierte, als eine Künstlerin, deren Arbeiten bei Kunstausstellungen der DDR auch die kritischen und leisen Töne abseits der offiziellen Staatskultur trafen.

Der Genthiner Kunstverein, dessen Mitglied und Mitbegründerin sie war, initiierte noch zu Lebzeiten Ausstellungen mit Werken Ballarins, die einen großen Querschnitt ihres Schaffens abbildeten.

Darüber hinaus war sie eine der insgesamt 13 Frauen, deren außergewöhnliche Biografien in der Sonderausstellung des Kreismuseums „Starke Frauen im Jerichower Land“ Eingang gefunden haben. Anlässlich des 100. Geburtstages der Künstlerin zeigt das Museum derzeit eine kleine Auswahl ihrer Gemälde.

Nachlass ging an das Land

Nach dem Tod Lotte Ballarins fiel ihr Nachlass vor drei Jahren an das Land. Der Landkreis erhielt daraus als Dauerleihgabe über 300 Werke als Dauerleihgabe, die im Kreismuseum bewahrt werden.

Eine umfangreiche Sammlung von Druckgrafiken aus ganz verschiedenen Schaffensperioden Lotte Ballarins hat derzeit der Genthiner Kunstverein in seiner Obhut. Einzelne Drucke sind bei Interesse beim Kunstverein auf Nachfrage zu erwerben.