Schopsdorf/Magdeburgerforth l In Temperament und Charakter gleicht kein Huhn dem anderen, erklärt Friedrich Rosenthal aus Schopsdorf und muss sich dabei ein leichtes Lächeln verkneifen. Dabei greift er das vermutlich verrückteste Huhn aus einer Gruppe von Legehybriden, das mittlerweile dafür bekannt ist, den Zaun des mobilen Hühnerstalls trickreich zu überwinden. Er setzt die Ausreißerin zurück in den mobilen Hühnerstall zu ihren Artgenossen. Sie seien weniger ausflugfreudig, eben von einem ruhigerem Gemüt, meint der frischgebackene Veterinärmediziner, der als nächstes Ziel eine Promotion ins Auge fasst. Rosenthal „hütet“ sein Federvieh, dazu zählen auch Gänse, direkt auf der Wiese, mitten in der Gemarkung Magdeburgerforth, weit weg von einem gemauerten Stall, wie er in der konservativen, herkömmlichen Viehhaltung üblich ist. Familie Rosenthal bewirtschaftet einen Ökohof im Nebenerwerb. Neben Hühnern und Gänsen werden auf dem Bio-Hof Rinder, Schweine, und Pferde gehalten. Für das Federvieh gibt es verschiedene Mobilställe.

Stall und Zaun sind Marke Eigenbau

Nachdem die Familie ganz klein zunächst mit 40 Hühnern erste Erfahrungen in der Haltung in einem mobilen Stall gesammelt hat, legen sie jetzt kräftig nach.

Vor wenigen Wochen bezogen 80 Hühner einen zum mobilen Stall umgebauten Bienenwagen, dessen Auslauf durch einen Elektrozaun begrenzt ist. „Der Stall ist Marke Eigenbau“, sagt Friedrich Rosenthal und verweist darauf, dass der Handel längst industriell gefertigte Modelle anbietet, die für fünfstellige Beträge zu erwerben sind.

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Strenge Vorschriten für Haltung

Mit einem Selbstbau entzieht sich die Familie, die im Bundesverband mobile Geflügelhaltung organisiert ist, allerdings nicht der Einhaltung von Vorschriften.

Den Eindruck einer ländliche Idylle, die die Hühner auf der beschaulichen Weide vermitteln, liegt ein strenges Reglement zugrunde. Pro Henne muss beispielsweise ein Auslauf von vier Quadratmetern gewährleistet sein, auf den Stangen, auf denen die Hühner nächtigen, stehen jedem Huhn 18 Zentimeter zur Verfügung. Die Größe des mobilen Stalls muss so ausfallen, dass auf einen Quadratmeter sechs Hennen kommen. Auch fürs Aufstehen gibt es Regeln: Spätestens um 10 Uhr haben die Hühner an der frischen Luft zu sein.

Optimale Freilandhaltung

Die mobile Haltung der Hühner bleibt für Friedrich Rosenthal die optimale Form der Freilandhaltung.

Alle zwei Wochen zieht ein Traktor den mobilen Hühnerstall weiter auf eine neue frische Grasfläche. Bei normaler Fütterung, dazu gehören auch Getreide und Legehennen-Zusatzfutter, lege eine Henne jährlich etwa 300 Eier. Bei den 20 Vorwerk-Hühnern, die auf dem Ökohof ebenfalls in mobilen Ställen unmittelbar in Schopsdorf gehalten werden, seien es ungefähr 200. Perspektivisch werde man dazu übergehen, sogenannte Zweinutzungsrassen zu halten. Bei diesen Rassen sollen zukünftig auch männlichen Küken aufzogen werden.

Auslauf-Wechsel alle zwei Wochen

Auf den Grünflächen könnten die Tiere artgerecht picken, scharren und auch Schutzflächen finden. Ein regelmäßiger, 14-tägiger Wechsel des Auslaufes biete auch dem Grasland gute Möglichkeiten, sich zu regenerieren. Für die mobile Haltung spricht aus der Sicht von Friedrich Rosenthal auch, dass der anfallende Dunk der Tiere gleichmäßig auf den Flächen und so die Nitratbelastung gleichmäßig verteilt werde.

Dagegen, dass die natürlichen Feinde der Hühner wie der Habicht, der Marder oder auch der Fuchs in die mobile Anlage einfallen, hat Rosenthal Vorsorge getroffen. Beutegreifer wie Marder und Fuchs werden durch einen Elektrozaun abgewehrt, den Schutz vor dem Habicht sollen Harzer Ziegen bieten. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Ziegen den Habicht irritieren und er so von einem Angriff auf die Hühner ablässt.“