Genthin l Nach mehr als einem Jahr wird ein beheiztes Henkelmuseum wieder Besuchern offenstehen. Vorläufig jedoch nur auf Anmeldung. Diese gute Nachricht übermittelte Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) dem städtischen Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss in seiner Sitzung am Mittwochabend. Der Bürgermeister hielt sich mit weiterreichenden Details allerdings sehr bedeckt. Er beschränkte sich darauf mitzuteilen, dass die notwendigen Verträge unterzeichnet seien und der Zugang für Besucher nun gewährleistet sei. Das ist deshalb von Bedeutung, weil das Museum als Teil des Inprotec-Betriebsgeländes eingezäunt ist und normalerweise kein Zutritt gewährleistet wäre.

Offizielles Übergabeprotokoll

Der Bürgermeister merkte allerdings an, dass einige Exponate, die bisher im Museum ausgestellt wurden, sich nicht mehr an Ort und Stelle befänden und ihr Verbleib mit der Qualifizierungs- und Strukturförderungsgesellschagft (QSG) geklärt werden müsste. Soweit bekannt, gibt es für die Exponate ein offizielles Übergabeprotokoll zwischen QSG und der Stadt.

Die Informationen des Bürgermeisters ergänzte Sebastian Kroll (Fraktion Grüne/LWG Fiener) und Mitglied des Fördervereins Stadtgeschichte, dahingehend, dass das Henkelmuseum unter anderem Namen, nämlich als Waschmittelmuseum, seine Türen öffnen wird. Im Stadtrat war eine solche Namensänderung bereits auf geteilte Meinungen gestoßen.

Noch keine näheren Angaben

Über den Inhalt der Verträge zwischen der Inprotec, der Stadt und der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (SWG) wollte der Bürgermeister keine näheren Angaben machen. Das sei Gegenstand eines Pressegesprächs, dessen Termin noch nicht feststehe. Günther bestätigte, dass die SWG wie bereits vor einigen Monaten angekündigt, bereit sei, die Betriebskosten zu übernehmen. Sie waren Ausgangspunkt für ein Zerwürfnis der QSG mit der Stadt Genthin, die letztlich zur Schließung des Henkelmuseums geführt haben.

Volksstimme-Recherchen zufolge wird die SWG künftig als Betreiberin des Museums agieren, als Nutzungsberechtigte soll in den Verträgen der Förderverein Stadtgeschichte ausgewiesen sein. Die Interessengemeinschaft Waschmittelwerk, bestehend aus Ehrenamtlichen, zeichnet für Führungen durch das Museum verantwortlich.

Ehrenamtliches Engagement

Michael Weber, SWG-Geschäftsführer, zeigte sich sehr zufrieden über die Wiedereröffnung des Museums. Sie sei eine „großartige Leistung der Inprotec“, die das Gebäude kostenlos zur Verfügung stelle. „Das sollte nicht vergessen werden“, betonte er. Eine Wiedereröffnung sei auch völlig undenkbar gewesen ohne das ehrenamtliche Engagement der ehemaligen Henkelanerinnen Elke Loth, Ida Zelmanski, Christa Wolf und Christel Fehlberg.

Mit der Wiedereröffnung des Museums werde sich die Interessengemeinschaft auch zwangsläufig der Frage der touristischen Vermarktung stellen müssen, kündigte Michael Weber an.

Zu hohe Bewirtschaftungskosten und zu geringe Besucherresonanz waren für die QSG, die das Museum bis Ende 2018 betreute und bewirtschaftete, die Beweggründe, das Henkelmuseum – zunächst vorübergehend – dicht zu machen. Die Heizung wurde deshalb abgedreht. Auch das war eine Folge der ungeklärten Bezuschussung der QSG durch die Stadt für das Stadtkulturhaus in Höhe von 50.000 Euro.

Einnahmen von 1000 Euro

Die QSG brachte nach eigenen Angaben jährlich 5000 Euro auf, hauptsächlich Betriebs- sowie Personalkosten, um das Museum am Laufen zu halten. Diesen Kosten ständen Einnahmen von zirka 1000 Euro gegenüber. Das Henkelmuseum wurde am 29. Mai 1996 eröffnet. Für diesen Zweck wurde die frühere Warmbadeanstalt, errichtet 1925, umgebaut.