Genthin l „Da kannst du heute noch mit ausgehen!“, rief ein Mann aus dem Publikum, als Gina Schiek ein Kleid aus dem 19. Jahrhundert vorführte. „Das stimmt. Manche Mode kommt ja auch wieder“, scherzte Ute Braune. Sie ist Vorsitzende der Modegruppe „Anno dazumal“ aus Hohenseeden und moderierte die Modenschau mit historischen Kleidungsstücken. Diese bildete den Auftakt des Erlebnis-Abends, den das Kreismuseum Jerichower Land anlässlich des internationalen Museumstages veranstaltete.

Die vielfältigen Kleidungsstücke jeglicher Art deckten über ein Jahrhundert ab und reichen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis circa 1970, wie Ute Braune sagte. Ungefähr 200 historische Bekleidungen hätten sich inzwischen bei ihr angesammelt, seitdem sie 2006 mit dem Zusammentragen angefangen hat. „Die Geschichte darf nicht vergessen werden. Und da gehört auch die Mode dazu“, sagte die Hohenseederin.

Flanieren mit Sonnenschirm

Auch weitere alte Gegenstände, beispielsweise ein Schnellkochtopf aus dem Jahr 1966, den eine Besucherin auch in ihrem eigenen Haushalt hatte, waren Bestandteil der Vorführung. Ebenso Accessoires wie ein Flaniersonnenschirm. „Den könnte man auch heute noch beim Spaziergehen durch den Volkspark tragen“, sagte Ute Braune augenzwinkernd.

Bilder

„Es ist ja interessant zu sehen, wie sich die Mode im Laufe der Zeit verändert hat. Heute tragen die Mädchen ja hauptsächlich T-Shirt und Jeans. Das wäre vor einigen Jahrzehnten noch undenkbar gewesen und schickte sich nicht. Damals trugen die Mädchen und Frauen Kleider“, ergänzte sie.

Leichte Stoffe

Mit der 17-jährigen Gina Schiek und ihrer 10-jährigen Schwester Jasmin beteiligten sich auch zwei Mädchen an der Modenschau. Doch wie empfinden sie die historische Kleidung? „Es ist ziemlich angenehm zu tragen. Zunächst denkt man, es ist rau und kratzig, aber es sind ganz leichte und weiche Stoffe“, sagte Gina Schiek. „Angenehmer als diese Rubbelpullover heutzutage auf jeden Fall“, ergänzte Jasmin Schieck.

Die Hohenseederinnen sind Nachbarinnen von Ute Braune. Da ein sehr freundschaftliches Verhältnis zwischen ihren Familien herrsche, haben sich die beiden gerne bereit erklärt, an der Modenschau teilzunehmen.

Tagebuch von Brigitte Reimann

Danach ging die Zeitreise weiter. Die darauffolgende Vorstellung verschaffte „Einblicke in die weibliche Psyche“, wie es hieß. Denn dabei lauschten die Gäste einem Hörbuch mit Ausschnitten aus dem Tagebuch der Schriftstellerin Brigitte Reimann, die in Burg geboren wurde und von 1933 bis 1973 lebte. Das fügte sich auch optimal in die derzeitige Ausstellung „Aus dem Rahmen gefallen – starke Frauen aus dem Jerichower Land“ ein, die den rund 40 Besuchern ebenfalls zur Besichtigung offenstand.

Normalerweise nicht öffentlich zugänglich ist hingegen, was es beim letzten Programmpunkt des Abends zu bestaunen gab. Nämlich die Lagerräume des Kreismuseums, die hauptsächlich aus einer urgeschichtlichen Studiensammlung bestehen. Diese erschienen zudem in einem ganz besonderen Licht, nämlich im Schein der Handleuchten. Die Taschenlampenführung bildete mit ihrem schauerlichen und zugleich informativen Charakter den krönenden Abschluss des Museumstages.