Genthin (mfe) l Ein virtuoses und abwechslungsreiches Orgelkonzert präsentierte der Berliner Musiker Erik Hoeppe in der St. Trinitatiskirche. Dabei hatte der Organist und Orgellehrer eine spannende Auswahl an Stücken zusammengestellt, die sowohl den kirchlichen Klang, als auch die weltliche Seite des Instruments präsentierte. Dabei brach der Musiker mehrfach mit den Hörgewohnheiten der Besucher. „Ich bin ein Freund vieler verschiedener Musikstile und möchte gern miterlebbar machen, dass Klischees auch da sind, um gebrochen zu werden“, sagt er und fügt hinzu: „Die Orgel kann so viel mehr als Barock-Bach.“

Aber dennoch musste Johann Sebastian Bach sein. Dessen weihnachtliches „In dulci jubilo“ eröffnete den musikalischen Reigen und präsentiert den warmen volltönenden Klang des Instrumentes ertönen. Am Ende des ersten Teiles des Konzertes präsentierte Hoeppe Variationen des berühmten Bach-Themas aus der Feder des Komponisten Denis Bèdard. Bereits mit dem zweiten Stück beschritt Hoeppe ungewöhnliche Wege.

Mit der „Jalousie“ von Jacob Gade, brachte er einen waschechten Tango auf der Kirchenorgel zu Gehör. Frisch und verspielt kam das einst für einen Stummfilm komponierte Lied daher. Georg Friedrich Händels „Ankunft der Königin von Saba“ aus dem Oratorium „Salomon“ war eine prachtvolle Darbietung. Hoeppe zeigte, zu welcher klanglichen Entfaltung er die 1913 eingebaute Rühlmann-Orgel bringen kann.

Programm mit kirchlicher und weltlicher Musik

Im zweiten Teil überraschte Hoeppe mit modernen Klängen. Beim Stück „You‘re the one that I want“, aus dem Filmmusical „Grease“, entlockte er der Kirchenorgel fast schon jahrmarktartige Klänge und ließ die hohen Töne dominieren. Übrigens etwas, für das diese Orgel durchaus prädisdiniert ist. „Das Genthiner Instrument ist eher Barock, also hoch und schillernd disponiert“, sagt er und bewies bei dem durch Louis Armstrong bekannten „What a wonderful World“, und dem durch Dave Brubeck populär gemachten „Take 5“, dass der Kirchenorgel auch äußerst tiefe lang anhaltende Töne zu entlocken sind. Diese Unterschiede seien gewollt, da sich die Stücke klanglich unterscheiden sollen, so der Musiker.

Der Weihnachtszeit zollte Hoeppe mit Stücken der Kirchenkomponisten Thomas Riegler und Thomas Willscher Tribut. Sie verpacken die altbekannten Melodien in Variationen und Wendungen, die nicht immer gleich die jeweiligen Stücke erkennen lassen. Rieglers „Weihnachts-Phantasie“, lässt so auf ungewöhnliche Weise „Oh du fröhliche“ aufleben. Bei Willschers „Stille Nacht“ muss man schon ganz genau hinhören, um der in einem atemberaubenden Tempo dargebotenen Melodie nachspüren zu können.

Bohemian Rhapsody als Schlusspunkt

Den fulminanten Schlusspunkt setzte Erik Hoeppe mit einer Bearbeitung des Queen-Stückes „Bohemian Rhapsody“. Mit dem vielschichtigen Werk und dessen zahlreichen Tempi,- Stimmen,- und Stilwechseln brachte Hoeppe noch einmal die gesamte klangliche Vielfalt der Kirchenorgel zu Gehör und zeigte, wie moderne Klänge geschickt in ein klassisches Repertoire eingefügt werden können.

Es sei seiner Meinung nach notwendig, moderne Musik auf klassische Instrumente zu bringen, da viele Melodien aus Pop und Jazz heute zu unserem Kulturschatz dazugehören. Genthins Kantor Gottfried Spiegel befand auch deshalb, dass es ein sehr abwechslungsreiches Progamm gewesen sei. „Es hat uns großen Spaß gemacht.“ Gemeinsam mit dem Genthiner Kunstverein, organisiert die Kirchengemeinde traditionell das Konzert „Zwischen den Jahren“. Die Kunstvereinsvorsitzende Dr. Eva Rohmann entließ die Besucher mit persönlichen Worten zum Jahresausklang und bedankte sich bei den zahlreichen Helfern und dem Künstler. „Sie haben uns eine große Freude bereitet.“ Damit sprach sie den zahlreichen Besuchern aus dem Herzen.