Genthin l Nach den Regenfällen der vergangenen Tage führt der Mühlengraben nach Monaten absoluter Trockenheit wieder Wasser. Ende gut, alles gut? Lothar Koch, Geschäftsführer des Gewässer-Unterhaltungsverbandes Stremme-Fiener Bruch, zögert nicht mit einem klaren und deutlichen Nein.

Ökologisch nicht gesund

 „Der Mühlengraben, auch Torfschifffahrtskanal, bereitet dem Unterhaltungsverband nicht nur Wasser-, sondern damit im Zusammenhang viele andere Probleme, Riesenprobleme“. Der Mühlengraben, so das niederschmetternde Urteil des Geschäftsführers, sei mittlerweile alles andere als ökologisch gesund. Woran laboriert der „Patient Mühlengraben“? Eine Befunderhebung.

Dem Mühlengraben sind mittlerweile, das fällt bereits dem aufmerksamen Betrachter auf, die Fische abhanden gekommen. Das Verteilerwehr Mützel, ein massives Betonbauwerk, könne kein Fisch passieren und so in den Mühlengraben gelangen. Es bilde eine ökologische Sperre im Gewässersystem, beschreibt Lothar Koch ein seit längerer Zeit bestehendes „hausgemachtes“ Problem. Fischleben könne somit nur über die Zernau oder über den Kanal in den Mühlengraben einziehen.

Wasser wurde gedrosselt

Schon Wochen vor der Trockenheit kam der Wasserzulauf für den Mühlengraben durch die Brückenbaumaßnahme an der Magdeburger Straße, bei der eine Bauverzögerung von drei Monaten eintrat, aus dem Gleichgewicht. Für die Gründung des Fundaments musste über Wochen das Wasser gedrosselt werden. Ein weiteres Wasserdefizit bescherte dem Mühlengraben der Biber mit sechs Querbauwerken.

Dass der Verband die Zeit zur Räumung des Grabens hätte nutzen können, als er kein Wasser führte, hält Koch aus verschiedensten Gründen nicht für praktikabel. Gleichzeitig hätte man die Uferzone zum Beispiel durch entsprechenden Rückschnitt des Wildwuchses pflegen können, regte Volksstimme-Leser Manfred Radschun aus Genthin an.

Starker Laubeinfall

Zunächst, entgegnet Lothar Koch darauf, wäre eine Beräumung des Grabens von Unrat in der Trockenphase zeitlich nicht zu bewältigen gewesen, weil der Verband zu diesem Zeitpunkt Priorität auf die Krautung der Gewässer setzen musste.

Doch der Geschäftsführer blickt über diesen Tellerrand hinaus: „Für uns stellt sich die Frage, was man überhaupt im Mühlengraben beräumen sollte“, meint er grundsätzlich und zielt dabei nicht allein auf Unratbeseitigung und Pflege ab. Durch den starken Bewuchs mit Sträuchern und Bäumen im Uferbereich sei mittlerweile der Eintrag von Laub so stark, dass die noch vorhandenen Mikroorganismen im Mühlengraben nicht mehr vollständig das organische Material zersetzen können. Die Folge sei eine zunehmende Verschlammung.

„Der Verband muss für sich klären, was er mit dem Gewässer überhaupt machen soll“, sagt Koch. Vonnöten wäre eine Grundräumung auf dem gesamten Gelände. Dafür aber müsste der Mühlengraben auf seiner gesamten Länge zugänglich sein und die Gehölze auf sogenannte Stockhöhe gesetzt werden. Das setzt aber wiederum das Einverständnis aller Eigentümer voraus, wobei auch Kosten auf sie zukommen würden. Praktisch, befürchtet Koch, sei das jedoch nicht durchsetzbar.

Wenige Fällungen

Bei einer Grundräumung, die 2015 bei der Abstufung des Grabens als Gewässer II. Ordnung durch die zuständige Landesbehörde veranlasst wurde, wurden nur baumfreie Stellen geräumt. Es gab seinerzeit zwar eine Baumkontrolle, in deren Folge aber nur wenige Bäume gefällt wurden. Fachleute gehen davon aus, dass eine Grundräumung alle 25 Jahre erfolgen sollte.

Kein Fischbesatz, zunehmende Verschlammung - Koch hat wenig Hoffnung auf eine Besserung. Er muss das ganze Verbandsgebiet im Auge haben und rechnet nüchtern vor: „Der Mühlengraben bildet schließlich nur sechs Kilometer der insgesamt 1150 Gewässer-Kilometer mit weiteren ökologisch wichtigen Gewässerabschnitten, für die der Verband zuständig ist.“