Genthin l Wer Kontakt zu Cornelia Rüdiger, Inhaberin des Strick- und Nähcafés am Genthiner Marktplatz, aufnehmen will, muss entweder zum Telefon greifen oder ihr einfach eine E-Mail schicken. Glück hat, wer sie hinter verschlossenen Türen in ihrem kleinen Laden wirbeln sieht. Sommerware, Wolle und Stoffe sind eingetroffen – in Zeiten geschäftlicher Ungewissheit muss Cornelia Rüdiger wie alle Einzelhändler inzwischen davon ausgehen, dass sie auf einem Großteil der Saisonware sitzen bleiben wird.

Da wirkt die kleine zartgrüne Tischdecke mit österlichen Motiven, mit der die Geschäftsfrau die Schaufensterauslage dekoriert hat, inmitten der Tristess fast wie ein kleines Fünkchen Optimismus.

Um berufliche Existenz steht es schlecht

Cornelia Rüdiger, die ein weiteres Geschäft in der Breiten Straße in Magdeburg betreibt, haben die vergangenen Tage zugesetzt. Am Anfang der Corona-Krise sei sie noch voller Hoffnung gewesen, die Situation noch irgendwie meistern zu können. Doch inzwischen sehe es „ganz böse“ um ihre berufliche Existenz aus.

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Läden zu, die Ware bleibt liegen und trotzdem werden Rechnungen und Mieten fällig. „Da überlegt man natürlich, was man noch tun kann“, sagt die jungen Frau. Ausgestattet mit vielen, auch hochwertigen Stoffen und einer Nähmaschine sei es für sie naheliegend gewesen, von individuellen, trendigen Handarbeiten auf Mund-Nase-Behelfsmasken umzuschwenken. Cornelia Rüdiger ist es wichtig, dass diese Artikel nicht als Mundschutzmasken bezeichnet werden. Eine solche Bezeichnung sei ausschließlich medizinischen Produkten vorbehalten. Die Masken aus ihrer Nähstube erfüllten nicht die Kriterien des Robert-Koch-Instituts und könnten so nur als Behelf genutzt werden.

Es tut gut, gebraucht zu werden

Rüdiger, die die Mund-Nase-Behelfsmasken über einen online-shop vertreibt, hat sich mit ihrer Geschäftsidee nicht nur Freunde gemacht. Über Facebook wurde ihr vorgeworfen, mit den Masken Geld scheffeln und eine Notsituation ausnutzen zu wollen. „Das hat mich schwer getroffen“, meint die junge Frau. Das große Geschäft, entgegnet sie, bleibe mit diesen Behelfsmasken sicherlich aus, sie könnten nicht ansatzweise die weggebrochenen Einnahmen kompensieren. Finanziell blieben die Einnahmen aus dem Verkauf der Behelfsmasken ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber sich an die Nähmaschine zu setzen und etwas tun, vermittle ihr auch das Gefühl, jetzt gebraucht zu werden, macht die Geschäftsinhaberin klar.

Wenn alles gut geht, braucht die geübte Schneiderin etwa eine Stunde, um zehn Behelfsmasken zu fertigen.

Erwartungsgemäß zählten hauptsächlich Privatleute zu ihrer Kundschaft. Es gebe inzwischen durchaus eine Nachfrage. Rüdiger wäre nicht ein kreativer Geist, wenn sie aus den Behelfsmaske nicht modischen Chic herauskitzeln würde. Der ist ihr trotz Corona und Existenzängsten nicht abhanden gekommen. Mit bedruckten bunten Stoffen peppt sie die schlichten Masken auf.

Nicht die erste schwierige Situation

Irgendwie, scherzt Cornelia Rüdiger, gab es in den vergangenen Jahren immer irgendwelche schwierige Situationen, mit denen ich konfrontiert wurde. 2013 bei der Flut habe sie beispielsweise Sandsäcke genäht, so dass Grundstücke gesichert werden konnten.

Träger von Mundschutzmasken und Behelfsmasken bleiben in Genthin im Gegensatz zu Großstädten – immer noch eine Ausnahme im Stadtbild. Getragen werden sie bisher vornehmlich beim Einkauf in Supermärkten