Genthin l Seit Wochen und Monaten ist das Flussbett des Mühlengrabens, auch Torfschiffahrtskanal, der sich durch Genthin schlängelt, ausgetrocknet und verschlammt. Mittlerweile macht sich Grün dort breit, wo einst schwimmende Wildenten für einen schönen Anblick sorgten.

Flaschen und Unrat

Die Vegetation erobert nach und nach so manchen Müllhaufen, die unzähligen Flaschen und den Unrat, der in Mengen im Graben entsorgt wurden. Jetzt, wo die anhaltende Trockenheit den Müll auf dem Grund des Mühlengrabens freigelegt hat, wäre ein idealer Zeitpunkt, um ein einer konzentrierten Aktion das Gewässer endlich einmal aufzuräumen“, meint nicht nur Ernst Börner von den Genthiner Stadtsenioren, der den Unterhaltungsverband Stremme-Fiener-Bruch dafür in der Verantwortung sieht. Mit einem Mini-Bagger den Müll aus dem Graben heben könne doch kein Problem sein, sagte er im Gespräch mit der Volksstimme. Börner weiß mit seiner Meinung große Teile der Genthiner Öffentlichkeit hinter sich. Das wissen auch Lothar Koch, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes, und sein designierter Nachfolger Erik Maas nur zu gut.

Trotzdem erteilen beide der Hoffnung auf eine „Mühlgraben-Räumaktion“ eine deutliche Absage. Das sei eine sachliche Entscheidung, die die Tatsache berücksichtige, dass der Unterhaltungsverband derzeit vor wesentlich größere Problemen stünde“, erklärt Lothar Koch, wohlwissend, dass die von vielen Genthinern nicht nachvollzogen werden könne. Andere Aufgaben seien einfach wichtiger.

Viele andere Baustellen

Derzeit müsse der Verband die Krautung als eine „primäre Leistung“ der Gewässerunterhaltung schultern. In Tucheim müsste am Kietzer Bach dringend eine Böschungssicherung vorgenommen werden, weil eine Hauswand droht einzustürzen. Aus fließenden Gewässern müssten in diesem Jahr Holz und Holzteile in Größenordnungen beräumt werden, entlang des Königsgrabens stünde an mehr als 1000 Bäumen ein Unterhaltungsschnitt an. Maßnahmen zu Hochwasserschutz müssten bei Schartau vorgenommen werden, in Paplitz drohe ein Bösuchgsabbruch, den Nutrias verursacht haben. In Parchau ist eine Renaturierung des Sees geplant. „Wir haben wirklich 1000 andere Baustellen und müssen deshalb Prioritäten setzen“, resümiert Lothar Koch seine kurze Aufzählung der momentan dringendsten Aufgaben, die der Unterhaltungsverband derzeit zu bewerkstelligen hat.

Auslauf nicht regulierbar

Ganz oben auf der Agenda, wenn es um den Mühlengraben geht, steht bei dem Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes allerdings der Bau einer so genannten Sohlgleite im Bereich des festen Verteilerwehrs, das den Torfschifffahrtskanal mit dem Fiener-Hauptvorfluter verbindet. Die Sohlgleite wird dafür sorgen, dass wieder Wasser in den Mühlengraben gelangen kann. Im Bereich des Fiener-Hauptvorfluters ist bisher ein Auslauf eines Teils des Wassers aus dem Fiener in den Torfschifffahrtskanal nicht regulierbar. Ein Abfluss ist nur ab einer bestimmten Höhe möglich, die in den vergangenen Jahren allerdings nicht erreicht wurde. Die Folge: Es fließt kein Wasser sowohl in den Mühlengraben, aber auch nicht in die Zernau.

Der Bereich der festen Stauanlage soll deshalb mit einer langgezogenen Steinschüttung über etwa 100 Meter, einer sogenannten Sohlgleite, überbrückt werden. Derzeit gibt Koch zur Auskunft, liefen die Planungen für das Bauvorhaben. Er sei zuversichtlich, das im nächsten Jahr der Bau der Sohlgleite in Angriff genommen werden könne. Für den Mühlengraben sei es die vordringlichste Aufgabe, den Wasserstrom wieder herzustellen. Vorher etwas zu unternehmen lohne sich nicht.

Der Bau der Sohlgleite wird aus Mitteln finanziert, die das Land und die Europäische Union zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie gewährt.

Vor vier Jahren abgestuft

Der Mühlengraben macht sechs Kilometer der insgesamt 1150 Gewässer-Kilometer mit ökologisch wichtigen Gewässerabschnitten aus, für die der Verband Stremme-Fiener Bruch zuständig ist. 2015 wurde er zum Gewässer II. Ordnung abgestuft.